Wald

Borkenkäfer bedroht 50 Prozent des Rüthener Waldes

Deutlich zu sehen: Die Fichten am Kallenhardter Berg haben sich schon braun verfärbt. Sie sterben ab. Grund dafür ist der Borkenkäfer, der sich explosionsartig verbreitet.

Deutlich zu sehen: Die Fichten am Kallenhardter Berg haben sich schon braun verfärbt. Sie sterben ab. Grund dafür ist der Borkenkäfer, der sich explosionsartig verbreitet.

Foto: Armin Obalski

Rüthen.   Rüthens Fichtenwäldern droht langfristig das Ende, wenn es nicht kurzfristig einen Wetterumschwung gibt. Grund ist ein gefräßiger Käfer.

Dramatisch, katastrophal, verheerend – diese Wörter fallen Bürgermeister Peter Weiken ein, wenn er den Zustand vieler Fichtenbestände im Rüthener Stadtwald, die immerhin 50 Prozent davon ausmachen, beschreibt. Massiv setzt ihnen der Borkenkäfer zu. „Kyrill und Friederike waren nichts dagegen“, verweist er auf Sturmereignisse der vergangenen Monate und Jahre, die beträchtliche Schäden angerichtet hatten. Weikens düstere Prognose: „Wenn es so weitergeht, wird es die Fichte hier nicht mehr geben.“

Einnahmeausfälle in beträchtlichem Umfang

Im Rahmen einer Mitteilung im Haupt- und Finanzausschuss wies der Bürgermeister auf die bedrohliche Lage hin. Hier war sie auch gut aufgehoben, geht es doch nicht nur um das Landschaftsbild, dass sich erheblich zu verändern droht, sondern auch um Einnahmeausfälle für die Stadt in beträchtlichem Umfang. Der Holzverkauf spült jährlich im Durchschnitt gut 800 000 Euro in die Stadtkasse. Dieses Ergebnis werde wohl für 2018 noch gehalten werden können. „Für die nächsten Jahre bahnt sich nichts Gutes an“, prognostizierte Weiken.

Das kann Forstamtsleiter Andreas Goebel im WP-Gespräch nur bestätigen. Vor dem Sturmtief Friederike habe der Preis pro Festmeter Fichtenstammholz bei 94 Euro gelegen, derzeit bei 70 Euro. „Jetzt ist der Preis im freien Fall“, so Goebel. Der Grund: Während Friederike schon für ein Überangebot auf dem Markt sorgte, aber regional beschränkt Schäden anrichtete, ist der Borkenkäferbefall ein weitaus größeres, weil raumgreifenderes Problem. „Das Ausmaß der Schäden ist noch gar nicht abzusehen. Es hängt vom Witterungsverlauf ab, was da geschieht.“

Warmer und trockener Sommer ist Gift für den Wald

Was Otto Normalbürger freuen mag, ein langer, warmer, trockener Sommer ist für den Wald, insbesondere die Fichten, Gift. Denn in diesem Klima fühlt sich der Borkenkäfer erst richtig wohl. Die erste Generation hat sich im von Friederike niedergeworfenen Sturmholz – an dessen Aufarbeitung im Rüthener Stadtwald noch gearbeitet wird – angesiedelt, die zweite in stehenden Beständen. Dort haben die Käfer durch die Trockenheit, die die Bäume schwächt, leichtes Spiel. „Wenn es so heiß bleibt, fliegt noch die dritte Generation in die Bestände“, befürchtet der Forstamtsleiter. Wobei: Heiß ist relativ.

Was dem Borkenkäfer noch Einhalt gebieten könnte, wäre eine kühle und feuchte Witterung. Heißt: Längerfristige Temperaturen unter 15 Grad und ergiebiger Regen. Beides ist nicht in Sicht. So wird die Lage aus Goebels Sicht „nicht nur dramatisch, sondern sehr dramatisch“ werden. „Ich habe noch keinen getroffen, der sich an so einen starken Käferbefall erinnern kann“, sagt er. Angeblich soll es 1947 eine ähnliche Krise gegeben haben.

Keine Gegenmittel gegen gefräßigen Käfer

Je nach Art schädigt der Käfer die Rinde, frisst sich aber auch in das Stammholz vor. Gegenmittel gibt es – außer es kommt zum Wetterumschwung – keine. Das Fällen der betroffenen Bäume, in diesem Fall geht es schon um ganze Bestände, bringt auch nichts. „Aufarbeiten könnten wir es rasend schnell. Das Nadelöhr sind aber die erschöpften Kapazitäten bei den Fuhrunternehmen und den Sägewerken“, erklärt Andreas Goebel. Denn das Problem ist kein lokales.

Überall – auch im Osten Deutschlands – hat der Borkenkäfer die Fichten in enormem Ausmaß befallen. „Der Käfer bleibt im Holz, es bringt daher nichts, es hektisch einzuschlagen.“ Wie es genau weitergeht, wird der Forstbetrieb in Abstimmung mit der Politik demnächst festlegen.

Braunen Flächen sind nicht zu übersehen

„Uns als großen kommunalen Waldbesitzer trifft es besonders“, machte Bürgermeister Peter Weiken im Ausschuss deutlich. „Es gibt demnächst keine guten Fichten mehr“, so seine Befürchtung. Wo man auch hinschaue, ob Schneringer oder Kallenhardter Berg, Heidberg oder Kneblinghauser Wald – „überall sind die braunen Flächen nicht zu übersehen“. Seine Prognose: „Es wird den Kallenhardter Berg, so wie wir ihn heute kennen, nicht mehr geben.“ Man könne fast zusehen, wie die Bäume absterben, ergänzte SPD-Ratsherr Ditmar Kruse. Und Fraktionsvorsitzender Johannes Erling ließ schon den Ruf nach Fördergeldern laut werden, „so wie bei den Bauern“.

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