Reformation

Christliche Freiheit ein Geschenk

Landtagspräsident André Kuper, Pfarrer Kai Hegemann (Wiesenkirche), Präses Annette Kurschus (EKvW), Susanne Schüring-Pook (Lippische Lk), Ministerpräsident Armin Laschet,, Vizepräses Christoph Pistorius (Ev. Kirche im Rheinland) (von links) Fotos: Reinhold Häken Dr. Titus Reinmuth, Rundfunkbeauftragter beim WDR, instruierte Ministerpräsident Armin Laschet kurz vor dem Gottesdienst.

Landtagspräsident André Kuper, Pfarrer Kai Hegemann (Wiesenkirche), Präses Annette Kurschus (EKvW), Susanne Schüring-Pook (Lippische Lk), Ministerpräsident Armin Laschet,, Vizepräses Christoph Pistorius (Ev. Kirche im Rheinland) (von links) Fotos: Reinhold Häken Dr. Titus Reinmuth, Rundfunkbeauftragter beim WDR, instruierte Ministerpräsident Armin Laschet kurz vor dem Gottesdienst.

Soest.   Zentraler Gottesdienst der evangelischen Landeskirchen zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation in der Soester Wiesenkirche. Im Fernsehen übertragen.

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Die Soester Wiesenkirche ist ein guter Ort für feierliche und besondere Gottesdienste: Die gläserne Pracht der mittelalterlichen Chorfenster trägt dazu bei, aber auch das Filigrane der aufragenden Säulen, die Mächtigkeit des Gewölbes. Die Bedeutung des Kleinods gotischer Baukunst wurde einmal mehr mit der zentralen Ausrichtung des Reformationsjubiläums-Gottesdienstes unterstrichen, der erstmals die drei evangelischen Landeskirchen aus Westfalen, dem Rheinland und Lippe zum NRW-Fernsehgottesdienst zusammenführte.

Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum kamen 500 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft zusammen. Auch die katholische und die orthodoxe Kirche war mit hohen Würdenträgern vertreten. Neben führenden evangelischen Kirchenvertretern war Ministerpräsident Armin Laschet in die Liturgie eingebunden, auch Landtagspräsident André Kuper, Regierungspräsident Hans-Josef Vogel und Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer zählten zu den Gästen. Gäste und Akteure erlebten, dass sich auch die Akustik des Soester Gotteshauses hören lassen kann. Aber selbst wenn das Kirchenschiff voll besetzt ist, hallt es ein wenig. Anlass für die Fernsehleute, die Gottesdienstbesucher schon vor der Live-Übertragung wissen zu lassen, dass die Ausrichtung der Technik nicht für sie, sondern für die wohl „mehrere hunderttausend Zuschauer und Hörer der WDR-Übertragung“ optimal justiert sei.

Optimale Übertragungsqualität erforderte weitere Zugeständnisse: Die Glocken schwiegen, wurden als „Konserve“ störungsfrei ins Gotteshaus und in die Sendung eingespielt. Quasi als Zugabe erhielten die Fernseh-Zuschauer immer wieder ergänzende Sequenzen, die das Gesamtwerk „Maria zur Wiese“ in all seiner Besonderheit und Schönheit optisch komplettierten.

Anforderungen an Übertragung

500 Jahre nach den Thesen-Anschlägen von Martin Luther und dem Beginn der Reformation stellte Präses Annette Kurschus die christliche Freiheit in den Mittelpunkt ihrer Predigt. Christliche Freiheit sei ein Geschenk, das aber auch Verantwortung für die Mitmenschen bedeute, appellierte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Wer Freiheit annehme, den könne kein fremder und kein eigener Anspruch knechten oder verbiegen. Doch sei die Unfreiheit verführerisch: „Da gibt es Stimmen, die wissen schon immer ganz genau, wer in der Gesellschaft dazugehört und wer nicht. Stimmen, die mit Masse und Lautstärke entscheiden, wer ganz in Freiheit leben darf und wer nicht – und wer es entweder ganz unten aushalten muss oder besser geht“, spielte sie auf aktuelle Entwicklungen an.

Die Kirche, das Haus des Glaubens, sei kein Bunker. „Und die feste Burg, die unser Gott ist, verbietet es, ihn bei uns einzumauern und unsere Köpfe und Herzen durch Zugbrücken und Schießscharten vor allem Anderen und Fremden zu schützen.“

Auszug aus Bergpredigt

Am Festgottesdienst wirkte auch Ministerpräsident Armin Laschet mit, der einen Abschnitt aus der Bergpredigt las. Für die Evangelische Kirche im Rheinland war Vizepräsident Christoph Pistorius dabei, die Lippische Landeskirche vertrat Kirchenleitungsmitglied Susanne Schüring-Pook. Kai Hegemann führte als Pfarrer der Wiesenkirche durch die Liturgie.

Auch weitere Soester kamen zu Wort. Steinmetz Michael Düchting eröffnete mit kräftigen Hammerschlägen auf einen Grünsandsteinblock das Geschehen, bewies Taktgefühl, als er die Schläge exakt mit dem Rhythmus des Posaunenchores vereinte. Düchting beschrieb sein Handwerk und erklärte, die großen Kirchengebäude seien – wie die Wiesenkirche - immer Baustellen und damit „ein Sinnbild für Kirche heute und in Zukunft“.

Musik bringt Kirche zum Leuchten

„Rausgehen, neue Wege gehen, um anderen zu begegnen – auch das ist Reformation“, sagte Antje Limbrock, die von der ehrenamtlichen Arbeit im Kirchenkiosk „Vis à Wiese“ berichtete. Dort finden Besucher nicht nur Informationen, sondern auf Wunsch auch Ansprechpartner für Fragen des Lebens und Seelsorge.

Die Glasrestauratorin Simone Schmidt schilderte, wie sie an den mittelalterlichen Fenstern der Wiesenkirche arbeitet und sich so mit den Generationen der Jahrhunderte verbunden fühlt, die „bereits damals von der Leuchtkraft und Vollkommenheit gefangen waren“, Kantoreisängerin Annette Petrick übernahm den musikalischen Part: „Musik bringt die Kirche zum Leuchten“, ist sie überzeugt. Musik sei Lebendigkeit, durch sie werde „Kirche lebendig“.

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