Talk am Turm

Elke Bertling - Diplomatin mit hohem Sympathiefaktor

Talk am Turm mit Elke Bertling (Ortsvorsteherin Belecke) und Anna Gemünd.

Foto: Tim Cordes/WP

Talk am Turm mit Elke Bertling (Ortsvorsteherin Belecke) und Anna Gemünd. Foto: Tim Cordes/WP

Warstein.   Diese Frau ist eine Diplomatin. Die Tatsache, dass Schreiberin und Fotograf für unsere Serie "Talk am Turm" fünf Minuten später als vereinbart am Treffpunkt sind, kommentiert Elke Bertling, Ortsvorsteherin von Belecke, lächelnd mit: „Ich war ja auch zu früh hier.“

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Es ist dieses diplomatische Geschick, das die Belecker Ortsvorsteherin und stellvertretende Bürgermeisterin zu einer geschätzten Politikerin über Belecke hinaus macht - und zu einer spannenden Gesprächspartnerin.

Elke Bertling kennt sich aus mit Positionen, in denen man diplomatisch vorgehen, Kompromisse schließen muss. Schon auf den ersten Metern unseres Spaziergangs bringt sie es auf den Punkt, worauf es ihrer Meinung nach ankommt – nicht nur in der Politik: „Man muss versuchen, für alle was zu finden. So etwas fängt ja schon in der Familie an, dass man Kompromisse schließen muss. Das gehört im Leben mit dazu.“

In Paderborn Theater gespielt

Im Leben von Elke Bertling gehört es eindeutig dazu, sich zu engagieren: Die gebürtige Beleckerin arbeitete schon früh in der Jungen Union in ihrem Heimatort mit, spielte in ihrer Studienstadt Paderborn Theater und engagierte sich nach ihrer Rückkehr nach Belecke für die osteuropäischen Flüchtlinge, die in den 90er-Jahren auch nach Belecke kamen.

„Als ich mitbekam, wie einige Menschen da ganz aggressiv wurden, wie viel Ausländerhass da plötzlich in der Luft hing, als die Pläne bekannt wurden, dass Flüchtlinge in der Westerbergschule untergebracht werden sollten, da musste ich einfach etwas tun“, erinnert sich Elke Bertling, „das war teilweise unerträglich, was da passierte.“

Schon damals war sie aktiv im Pfarrgemeinderat, gründeten mit anderen zusammen den Arbeitskreis Asyl in Belecke, der sich später dem Runden Tisch in Warstein anschloss. „Das war so der Anlass, dass ich wieder in der Kommunalpolitik aktiv geworden bin.“

Mit Flüchtlingskindern nach Stukenbrock

Auf dem Weg durch den verschneiten Wald erzählt Elke Bertling von einem ganz besonderen Moment aus dieser Zeit, den sie noch heute im Gedächtnis hat: „ Ich erinnere mich noch gut an einen Ausflug nach Stukenbrock, den wir mit den Flüchtlingskindern gemacht haben. Die Kinder wussten gar nicht, was auf sie zukam, einige mussten wir noch aus dem Bett werfen. Als wir dann in diesen Park reinfuhren und die Kinder die Tiere sahen, fingen alle Kindern an zu jubeln und zu schreien vor Begeisterung. Dieser Moment hat mich so angerührt. Das war eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit.“

Elke Bertling - Mit dem Kopf durch die Wand geht es nicht 

Elke Bertlings heutige Arbeit, das sind Besuche bei Goldenen Hochzeiten und runden Geburtstagen im Ort, aber auch zähes Ringen um Zugeständnisse und das stete Vermitteln zwischen „ihren“ Bürgern in Belecke und der Verwaltung oder dem Rat. Dass sie dabei diplomatisch vorgehen muss, war der Beleckerin von Beginn an klar, als sie 2001 in das Ortsvorsteheramt eintrat. „Mit dem Kopf durch die Wand bringt in der Politik gar nichts, das muss man einfach lernen.“

Für sie endete damals gerade eine Amtsperiode im Pfarrgemeinderat und die Frage stand im Raum: Was kommt jetzt? „Das war für mich unvorstellbar, gar nichts zu machen und als Jospeh Friederizi mich fragte, ob ich mir den Posten als Ortsvorsteherin vorstellen könnte, da habe ich mir gedacht: Gut, dann steigst du jetzt wieder in die Kommunalpolitik ein.“

Engagement muss zu spüren sein

Hat es geholfen, dass sie „Ur-Beleckerin“ ist? Elke Bertling lächelt: „Natürlich hilft das, aber ich finde nicht, dass es eine Voraussetzung für einen Ortsvorsteher sein muss, dass er in dem Ort geboren ist, den er vertritt. Viel wichtiger ist, dass er oder sie in dem Ort bekannt ist, dass man sein oder ihr Engagement spürt und dass er oder sie die Dinge anpacken und umsetzen kann.“ Könnten das nicht auch die Ratsmitglieder übernehmen? Die werden schließlich als kommunale Volksvertreter gewählt, um die Interessen der Bürger zu kennen und umzusetzen.

Braucht es heutzutage noch Ortsvorsteher? Elke Bertlings Antwort kommt schnell: „Ja, die brauchen wir. Ein Ortsvorsteher ist Auge und Ohr der Gemeinden. Man bringt sich ganz ganz anders ein, man ist ganz anders mit der Bevölkerung verbunden. Das wäre etwas anderes, wenn es auch noch auf den Schultern der Ratsmitglieder lasten würde.“

Anliegen in Antrag fassen und weitergeben

Bevor wir uns durch den an diesem Tag liegenden Tiefschnee zum Turm „wühlen“, erzählt Elke Bertling ein aktuelles Beispiel aus ihrer Arbeit als Ortsvorsteherin. Einige ältere Damen kamen auf sie zu: An der Kreuzung am Durchstich in Belecke fehle ein akustisches Signal an der Ampel, um auch Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen die Möglichkeit zu geben, die Kreuzung gefahrlos queren zu können. „Meine Aufgabe besteht dann darin, solche Anliegen in einen Antrag zu fassen und weiterzugeben.

Es ist dieses Kümmern, was die Menschen von ihrem Ortsvorsteher erwarten“, erläutert Elke Bertling. Sind die Erwartungen realistisch? Im Spagat zwischen Verwaltung, Gesetzen und den Wünschen der Bürger kann es schließlich oft auch Enttäuschungen geben.

Keine falschen Hoffnungen wecken

Die kennt natürlich auch Elke Bertling: „Natürlich ist es hart, wenn man etwas für seine Bürger nicht durchsetzen kann. Aber deswegen ist es auch umso wichtiger, dass man in diesem Amt nicht falsche Hoffnungen weckt. Man muss sehr klar machen, was wirklich geht und was nicht.“

Elke Berling und der Lörmecketurm 

Oben auf dem Turm angekommen, bläst uns ein kräftiger Wind um die Ohren, Elke Bertling freut sich: „Das macht uns jetzt so richtig wach.“ Dass man Belecke und Warstein von hier oben fast als eine Einheit wahrnimmt, quittiert sie mit einem Lächeln. Viel wichtiger für sie: „Diesen Turm habe ich in jeder Bauphase erlebt, ihn regelrecht begleitet. Ich bin sehr gerne hier.“

Belecker Architekt hat Turm entworfen

Eigentlich logisch, hat doch ein Belecker Architekt den Turm entworfen. Wieder unten angekommen, wagen wir uns in den Tiefschnee, um den Fotografen ein wenig mit der weißen Pracht zu bewerfen – auf seinen eigenen Wunsch, fürs tolle Motiv. Elke Bertling macht den Spaß mit, lacht.

„Wissen Sie“, meint sie auf unserem Rückweg, „das Wichtigste ist doch, dass man Begeisterung für diese Arbeit mitbringt. Und ich bin eine begeisterte Ortsvorsteherin. Ich frage mich immer: Was ist das Wichtigste für Belecke? Man muss positiv denken, zielstrebig sein und vor allem überzeugt sein, von dem, was man tut. Dann kann vieles gelingen.“

Platz für Jüngere

Sie möchte gerne weitermachen, Dinge für Belecke in Gang setzen, Menschen begleiten, ihre Geschichten hören: Elke Bertling kann sich eine weitere Amtszeit als Ortsvorsteherin vorstellen. „Wenn sich jemand Jüngeres für dieses Amt begeistern könnte, würde ich auch aufhören. Ich wünsche mir mehr junge Menschen in unserer gesamten Politik. Aber ich fülle dieses Amt auch sehr gerne weiter aus, wenn sich niemand findet.“ Ganz Diplomatin eben.

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