90. Geburtstag

Erinnerungen eines Ur-Hirschbergers

Theo Dresbur in seinem "Büro", in dem er seinem Hobby - Heimat- sowie Weltgeschichte - nachgeht

Theo Dresbur in seinem "Büro", in dem er seinem Hobby - Heimat- sowie Weltgeschichte - nachgeht

Foto: Lisa Klaus

Hirschberg.   Theo Dresbur berichtet von seiner Sicht des Kriegsendes 1945 in Hirschberg. Am Samstag feiert er seinen 90. Geburtstag.

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Geschichte ist sein großes Hobby. „In der Menschheitsgeschichte gibt es nichts, das es nicht gibt“, erklärt Theo Dresbur seine Begeisterung für die Vergangenheit. Mit seinen 90 Jahren, die er mit dem heutigen Tag erreicht, kann er mittlerweile selbst einen einzigartigen Einblick in die neuere Geschichte der Region liefern.

Eine seiner ersten Erinnerungen ist die an seine Einschulung in die Hirschberger Grundschule, direkt um die Ecke seines Elternhauses in dem er noch heute lebt. „Heutzutage ist das ein Pressetermin, für die Kinder gibt es große bunte Tüten. Damals wurde man von der Mutter zur Schule gebracht, von der Lehrerin empfangen und in die Klasse geführt. Die Mutter konnte noch kurz um die Ecke schauen, aber das war es dann.“

Tornister nach Schulende verbrannt

Das Ende seiner Schullaufbahn feierte er mit 17 Freunden so, wie es sich wohl die meisten wünschen: „Das war am 27. März 1943. Wir sind zum Marstall gegangen, haben ein Feuerchen gemacht und haben unsere Tornister darauf verbrannt. Das Zeugnis haben wir vorher natürlich noch herausgenommen, das brauchten wir ja noch“, erinnert sich Dresbur lachend.

Der wahre Ernst des Lebens begann nur wenig später, denn Deutschland war im Krieg und mit 16 Jahren war Theo Dresbur wehrpflichtig geworden und bekam seinen Einberufungsbefehl. „Ich sollte mich am 29. März 1945 in Brilon melden.“

Dort angekommen überhörte er sogleich einen Vorgesetzten am Telefon, der von amerikanischen Panzern in Winterberg sprach. „Das ist nicht weit von hier“, dachte sich der junge Dresbur und entschloss sich zusammen mit einem anderen Warsteiner, so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Bei der nächsten Gelegenheit sprangen die beiden aus einem Fenster und rannten davon, in Richtung Heimat.

Die Panzer schon in Sichtweite, liefen sie in Richtung Wald. „Auf einmal wurden wir angebrüllt, wir sollten zurück gehen“, erzählt Dresbur. „Wir sind direkt auf einen deutschen Schützengraben zugelaufen. Wir hatten Glück, dass uns da nichts passiert ist, wir hatten nicht nur alle Schutzengel sondern wohl auch noch den lieben Gott selbst auf unserer Seite.“

Beschuss Brilons tönt in den Wald

Aus dem Wald konnte Dresbur mit seinem Kameraden den gerade begonnenen Beschuss Brilons hören. „Das knallte und ratterte. Wir hatten großes Glück, noch rechtzeitig weggekommen zu sein. Die restlichen Kameraden dort hatten sie einkassiert.“

Bei Warstein trennte sich Dresbur von seinem Kameraden und machte sich auf den Weg gen Hirschberg. „Am Landtagsgasthof in Warstein kamen mir dann die Russen entgegen.“ Nassgeregnet und in Zivil habe er wohl wie ein Häufchen Elend gewirkt. „Ich hätte bei den Russen gut dazu gepasst.“ Die Familie war froh, als ihr Theo wohlbehalten wieder vor der Tür stand.

Hirschberg unter Beschuss

Lange durchatmen konnte er jedoch nicht, denn noch am Abend des 8. April wurde Hirschberg von den Amerikanern beschossen. „Ich weiß wie das aussieht, wenn eine Granate ein Haus trifft“, berichtet Dresbur. „Das raucht und knallt.“ Aus dem Fenster konnte die Familie die Panzer beobachten, die über die Straße rollten. Dass Hirschberg nicht schlimmer beschossen wurde, war Willi Orgelmacher zu verdanken.

Der Retter Hirschbergs. Er hat ein Tischtuch an den Kirchturm gehängt, gerade noch rechtzeitig.“ Das als weiße Fahne dienende Tischtuch rettete das Dorf vor der Zerstörung – Orgelmacher hatte sich mit seinem Leben dafür eingesetzt und riskiert, von deutschen Soldaten erschossen zu werden.

Viele Jahre später setzte sich der leidenschaftliche Historiker Dresbur dafür ein, dass Orgelmacher ein Gedenkstein gesetzt wird. Heute feiert Dresbur mit Familie, Freunden, Nachbarn und Bekannten seinen 90. Geburststag. Die WP schließt sich den Gratulanten an.

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