Waldkalkung

Frischzellenkick für Warsteiner Forst

Der Wald zwischen Stimm Stamm und Lattenberg in Hirschberg wird 2018 gekalkt; im Einsatz ist die Firma Koopmann Helicopter GmbH.  Bodenpersonal Steven Kühl, Pilot Mirko Kundro und Forstamtsleiter Edgar Rüther sind vor Ort.

Der Wald zwischen Stimm Stamm und Lattenberg in Hirschberg wird 2018 gekalkt; im Einsatz ist die Firma Koopmann Helicopter GmbH.  Bodenpersonal Steven Kühl, Pilot Mirko Kundro und Forstamtsleiter Edgar Rüther sind vor Ort.

Foto: Tanja Frohne

Hirschberg.  370 Hektar Wald werden derzeit bei Hirschberg gekalkt. Dabei ist der Finnentroper Kalk aus mehreren Gründen besser geeignet als der Warsteiner.

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Weit ist das Dröhnen des Helikopters über dem Hirschberger Wald hinweg zu hören. Stunde um Stunde überfliegt er das Gebiet zwischen der L 735 (Lattenberg) und der L 856, die Richtung Stimm Stamm führt. Die braune Last, die er über den Bäumen abwirft, sieht aus wie Sand, doch dabei handelt es sich um Kalk aus einem Steinbruch in Finnentrop. 370 Hektar Waldboden werden per Hubschrauberausbringung gekalkt.

Zweck der Kalkung ist in erster Linie die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, der Wasserqualität und letztlich der Vitalität des Waldes. Mit dem Kalk aus Finnentrop könnten sofort zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, denn dieser ist sehr magnesiumhaltig, was in den hiesigen Böden ein Mangel-Element ist. „Magnesium ist das Zentral-Atom von Chlorophyll – und das ist verantwortlich für die Photosynthese“, erläutert Forstamtsleiter Edgar Rüther.

Jährlich werden rund 370 Hektar Stadtwald gekalkt. „Das ist notwendig aufgrund der Schadstoffeinträge, die säurebildend sind“, erklärt Rüther. Die Ausbringung von drei Tonnen Magnesium-Mischkalk je Hektar seien quasi eine „homöopathische“ Gabe, um den PH-Wert im Boden nicht weiter absinken zu lassen. Eine langfristige Verbesserung des Wertes kann dadurch nicht erreicht werden, da durch die Ausbringung gerade einmal der Säureeintrag der nächsten zehn Jahre abgepuffert wird. In diesem Zeitraum soll der Wald einmal komplett gekalkt sein – mit Ausnahme von Naturschutzgebieten wie Hamors Bruch, wo ein Säurestandort sogar erwünscht ist.

PH-Wert im sauren Bereich

Im südlichen Hirschberger Forst weisen Untersuchungsergebnisse der im Vorfeld an verschiedenen Stellen genommenen Bodenproben einen durchschnittlichen PH-Wert von etwa 3,8 auf, so dass die Kalkung notwendig ist. „Die letzte Kalkung war schon über zehn Jahre her“, so Rüther. „Wir versuchen aber in Zukunft in einen Zehn-Jahres-Rhythmus zu kommen.“

Flugbahnen werden registriert

Währenddessen zieht Pilot Mirko Kundro weiter seine Runden. „Das ist ein sehr ausgefeiltes System“, betont Rüther. Der Pilot erhält eine digitale Karte mit dem Kalkungsgebiet, in die sie ihre Flugbahnen hineinlegen. Per GPS wird registriert, wo gekalkt wurde, damit die Kalkung gleichmäßig geschieht. „Jede Bahn, die wir fliegen, wird aufgezeichnet“, erklärt Kundro. „Man kann so noch nach einem Jahr nachvollziehen, wo gekalkt wurde und wo es vielleicht eine Lücke gegeben hat.“

Begeistert ist er von seiner Arbeit. „Ich mache das seit fast 30 Jahren und es macht immer noch Spaß.“ Oft sehe er Wild oder auch Spaziergänger. „Es ist etwas unangenehm, wenn die etwas abkriegen. Aber vom Kalk wachsen die Haare besser – den Beweis gibt es in jeder Apotheke“, lacht er.

Die Kalkungsmaßnahme kostet gut 90.000 Euro netto, wird zu 25 Prozent vom Land NRW und dem Bund sowie zu 45 Prozent durch die Europäische Union gefördert.

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