LWL

Gedenken in Warsteiner LWL-Klinik:„Schicksal stimmt traurig“

Pastor Bartold Haase mit der Gedenktafel mit den Namen der 36 Kranken aus Lemgo, die über Warstein abtransportiert und getötet wurden

Pastor Bartold Haase mit der Gedenktafel mit den Namen der 36 Kranken aus Lemgo, die über Warstein abtransportiert und getötet wurden

Foto: Alex Lange

Warstein.   Warsteiner, die zur Zeit des Nationalsozialismus an den Rand der Gesellschaft gedrängt, gedemütigt und getötet wurden, rücken in den Mittelpunkt.

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Während der Gedenkveranstaltung zum Totensonntag würdigte Neu-Klinikchef Volkmar Sippel an der Treisekapelle insbesondere die 1575 Männer und Frauen, die während der sogenannten Euthanasie aus der Warsteiner Heilanstalt abtransportiert und unter anderem im Vernichtungslager Hadamar vergast und eingeäschert wurden.

36 Patienten aus der Diakonischen Einrichtung Lemgo

„Es ist wichtig, diesen Menschen wieder ein Gesicht zu geben“, so Sippel, der auch Pastor Bartold Haase von der ostwestfälischen Stiftung Eben-Ezer begrüßte. Nachforschungen des Bielefelder Sonderpädagogen Heinrich Bax hatten ergeben, dass 36 Patienten aus der Diakonischen Einrichtung Lemgo in der Zeit der Euthanasie nach Warstein gebracht wurden, anschließend abtransportiert und getötet wurden.

Die Aktion T4, so nannten die Nationalsozialisten den Massenmord an hunderttausenden Kranken und Behinderten, und deren Folgen werfe die Fragen nach Verantwortung auf. „Es schmerzt und das Schicksal stimmt uns traurig“, so Bax, während Haase eine Tafel mit den Namen der 36 jungen Männer und Frauen in der Hand hielt: „Es waren Menschen, die ihr Leben der Stiftung anvertraut hatten.“ An das „Verbrechen, direkt vor unserer Haustüre“ erinnert Bürgermeister Thomas Schöne, der anschließend mit Gregor Dolle, Heike Kruse und Volkmar Sippel zwei Kränze in der Treisekapelle, wo den Warsteiner Opfern der Euthanasie mit einer Gedenktafel erinnert wird, niederlegte.

Gymnasiasten forschen in Historie

Mit kurzen Wortbeiträgen erinnerten acht Schüler des Rüthener Friedrich-Spee-Gymnasiums an die Schicksale der Euthanasie-Opfer. In den vergangenen Monaten hatte sich der dortige Projektkurs „Geschichte“ gemeinsam mit Lehrer Marc Eigendorf an die Recherche begeben, das Handeln von Pflegern, Ordensschwestern und Verantwortlichen der Klinik-Leitung während der Massentötungen der Euthanasie aufzuarbeiten.

Acht Schüler liefern Einblick in das Leben

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob und inwiefern diese die Machenschaften der Nationalsozialisten ausführten oder ob sie Widerstand leisteten. Die acht Schüler lieferten Einblick in das Leben der Klinik-Patienten, ihre Abtransporte vom Warsteiner Bahnhof, die Ankünfte in den Tötungsanstalten und die grausamen als Duschen getarnten Gaskammern.

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