Gericht

Geldstrafe für Angeklagten, der sich in Lebensgefahr befand

Zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilte das Gericht den mutmaßlichen Unfallverursacher.

Zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilte das Gericht den mutmaßlichen Unfallverursacher.

Foto: Armin Obalski

Warstein.   Bei einem schweren Unfall im Frühjahr 2017 wurden drei Personen schwer verletzt. Einem der Verletzten wurde nun der Prozess gemacht.

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„Ein Quietschen, ein Blick in den Rückspiegel und dann hat es auch schon geknallt.“ So beschreibt der 26-jährige Zeuge vor dem Amtsgericht in Warstein immer wieder den Moment, in dem es auf der L 856 von Hirschberg zum Stimm Stamm im April 2017 gegen 12.14 Uhr zu einem schweren Unfall kam.

Die Folgen: Verheerend. Drei Beteiligte wurden schwer verletzt. Darunter nicht nur der 26-jährige Zeuge, der einen gebrochenen Zeh, eine Platzwunde am Knie und diverse Prellungen davontrug, sondern auch der mutmaßliche Unfallverursacher, ein 40 Jahre alter Mann aus Schwerte, und dessen Ehefrau.

Sie brach sich das rechte Sprunggelenk und das Schlüsselbein. Ihr Mann brach sich den Oberschenkel, das Schambein und zog sich außerdem einen Muskelabriss im Oberarm zu. Sogar in Lebensgefahr soll er geschwebt haben.

Um die Anklage der Staatsanwaltschaft kam er deswegen trotzdem nicht herum. Der 40-Jährige musste sich wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Kollision in einer Kurve

In einer Gruppe von zehn bis zwölf Motorradfahrern befand sich der 26-jährige Zeuge aus Dortmund – zusammen mit dem 40-jährigen Angeklagten, der noch seine Frau als Beifahrerin dabei hatte – auf einer Tour durch das Sauerland, als es auf der kurvenreichen Straße zu der Kollision kam.

„Wir befanden uns gerade in einer langgezogenen Rechtskurve, da verringerte mein Vordermann die Geschwindigkeit stark“, schildert der Angeklagte die Situation aus seiner Sicht. „Ich hab noch versucht zu bremsen, aber in der Schräglage konnte ich den Aufprall nicht mehr verhindern.“

Bremsverhalten anders als beim Auto

Er habe auch keine Bremslichter gesehen, erklärt der 40-Jährige, der seit 1995 über seinen Motorradführerschein verfügt. Beim Motorrad reiche es schon, anders als beim Auto, nur vom Gas zu gehen, um einen erheblichen Tempounterschied zu erreichen.

Als der 26-Jährige in den Zeugenstand berufen wird, möchten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Richter vor allem wissen, weshalb es zu dem abrupten Geschwindigkeitsabfall kam.

Eine richtige Erklärung kann er allerdings nicht liefern, da er über Erinnerungslücken des genauen Ablaufes vor und nach dem Unfall klagt. „Ich habe ganz normal gebremst“, betont er mehrfach, nachdem nicht nur die Verteidigung nachhakt und wissen möchte, ob er die Vorder- oder Hinterbremse benutzt hat, oder gar nur vom Gas gegangen sei.

Tränen auf der Anklagebank

Auch die Staatsanwaltschaft möchte Genaueres wissen. „Ihnen möchte hier niemand was“, betont die Staatsanwältin, während sie versucht den sichtlich aufgeregten Zeugen zu beruhigen.

„Mir fällt es nur etwas schwer, nachzuvollziehen warum sie das Tempo so verringerten. Das würde ich gerne verstehen.“ Er habe nach rechts in einen Waldweg abbiegen wollen, erklärt er daraufhin. Warum genau, konnte er allerdings nicht erläutern.

Als die Richterin abschließend nochmal auf den Behandlungsverlauf der Verletzten zurückkommt, bricht der 40-jährige Berufskraftfahrer in Tränen aus.

Zwei Wochen im Krankenhaus behandelt

Zwei Wochen musste er stationär behandelt werden, seine Frau ist immer noch arbeitsunfähig und die finanzielle Situation der Familie mit zwei Kindern (10 und 15 Jahre alt) nicht zuletzt durch den Unfall schwierig geworden. „Es kommt gerade alles wieder hoch“, entschuldigt er sich bei den Anwesenden.

Das Verfahren wurde letztendlich für sechs Monate eingestellt. Der Beschuldigte muss in dieser Zeit 900 Euro an die Landeskasse zahlen. Erfüllt der Angeklagte diese Auflage, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

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