Prozess

Gericht verhandelt tödlichen Unfall bei Rüthen

WP-Archivbild: Bei dem Unfall zwischen Kellinghausen und Oestereiden wurden die beiden Fahrzeuge damals fast vollständig zerstört. Eine der insgesamt sechs verletzten Personen starb später an den Folgen des Crashs.

Foto: Manfred Böckmann

WP-Archivbild: Bei dem Unfall zwischen Kellinghausen und Oestereiden wurden die beiden Fahrzeuge damals fast vollständig zerstört. Eine der insgesamt sechs verletzten Personen starb später an den Folgen des Crashs. Foto: Manfred Böckmann

Rüthen/Warstein.   Eine Frau starb an den Folgen einer Kollision. Der Fahrer soll zu schnell unterwegs gewesen sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Prozessauftakt gegen einen 29-jährigen Lippstädter vor dem Warsteiner Amtsgericht. Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Beschuldigte soll im Januar dieses Jahres bei einem schweren Verkehrsunfall, den er verursacht hatte, durch seine Fahrlässigkeit den Tod einer Frau verschuldet haben.

Konkret war er damals mit seinem Kastenwagen, einem Mercedes-Benz Vito, auf der L 536, zwischen Lippstadt und Rüthen unterwegs. Dort war er in einer Kurve zunächst in die Bankette geraten und von dort dann weiter in den Gegenverkehr geschleudert worden. Dabei kollidierte sein Kleinlaster mit einem entgegenkommenden SUV, in dem sich vier Frauen sowie ein fünf Monate altes Baby befanden.

Während der Säugling den Zusammenprall weitestgehend unverletzt überstand, kamen die vier Frauen mit unterschiedlich schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Eine von ihnen, eine Freundin der Fahrerin, die auf dem Beifahrersitz saß, verstarb allerdings einige Zeit später an den Folgen des Unfalls.

Anklage: Geschwindigkeit war zu hoch

Laut Staatsanwaltschaft soll der Fahrer des Vito trotz der an diesem Tag nassen Straßendecke seine Geschwindigkeit nicht angepasst haben, was letztendlich zu dem Unfall geführt haben soll. Die Unfallfahrt gab der Mann dann bei seiner Vernehmung durch das Gericht unumwunden zu. Allerdings widersprach er der Darstellung der Anklage: Er habe das Fahrzeug gesteuert, in der Kurve habe das Lenkrad des Fahrzeugs dann allerdings selbsttätig eingelenkt und ihn zu dem letztendlich so verhängnisvollen Manöver verleitet.

Entgegen der Darstellung sei er nur mit 80 Stundenkilometern unterwegs gewesen - regulär sind an dieser Stelle eigentlich 100 erlaubt. Ein technischer Defekt konnte allerdings nicht mehr nachgewiesen werden - das Fahrzeug, das dem damaligen Arbeitgeber des Angeklagten gehört hatte, war bereits kurz nach dem Unfall verkauft und verschrottet worden.

Den Verdacht, dass der Fahrer zum Unfallzeitpunkt über keine gültige Fahrerlaubnis verfügt haben soll, konnte das Gericht allerdings ausräumen. Diese sei entgegen des ersten Verdachts vorhanden und auch gültig gewesen. Allerdings sei dem Angeklagten zuvor bereits einmal die Fahrerlaubnis entzogen worden - er hatte sie aber 2016 erneut erteilt bekommen.

Zeugin schildert den Aufprall

Dann hörte das Gericht eine der damals am Unfall direkt beteiligten Zeuginnen an. Die damalige Fahrerin des SUVs, eine 46-jährige Lipp-städterin, schilderte die Situation aus ihrer Sicht: „Wir sahen den Transporter schon in der Kurve. Wir haben uns gefragt, wie schnell man diese Kurve fahren kann“, beschrieb sie die Situation.

Dann sei es auch schon zu dem Crash gekommen: „Alles ging sehr schnell. Danach habe ich die Hand meiner Freundin auf dem Beifahrersitz gehalten und ihr gesagt, es ist alles gut, obwohl sie am Mund schon stark geblutet hat.“ Dann habe sie nur noch das Baby aus dem Auto schaffen wollen. „Weil der Wagen anfing, zu brennen“, erklärte sie der vorsitzenden Richterin Schmidt-Wegener.

Durch den Unfall sei sie schwer verletzt worden, habe heute noch Probleme am Knie und an der Brust. Dem Gericht schilderte die Zeugin aber auch die psychologischen Folgen, die der Unfall für sie hatte: „Ich fahre nur noch sehr selten. Meist nur innerhalb von Lippstadt. Ich habe immer Angst, das mir ein Wagen entgegen kommt. Im Grunde bin ich dort seitdem gefangen.“

Zur Geschwindigkeit des Fahrers konnte sie allerdings nur wage Angaben machen: „Ich will den jungen Mann nicht zu sehr belasten. Andererseits konnte ich nichts für den Unfall und musste so etwas Erleben. Deshalb kann ich nur sagen, dass er mir zumindest zu schnell vorkam.“ Zwei weitere Zeugen, die allerdings nicht direkt am Unfall beteiligt waren, hätten an diesem Tag ebenfalls noch vernommen werden sollen, allerdings erschienen beide erst gar nicht im Warsteiner Amtsgericht. Gegen sie wurde ein Ordnungsgeld verhängt.

Sachverständiger soll helfen

Am Ende reichte dann aber weder die einzelne Zeugenaussage noch die Einlassung des Beschuldigten für eine Bewertung des Falles aus. Sowohl die Richterin, als auch die weiteren Prozessbeteiligten hielten die gewonnen Eindrücke für ausreichend. Nun soll zunächst ein Gutachter angehört werden, ob zumindest aus den von der Polizei gefertigten Fotos Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit des Lkw-Fahrers gezogen werden können. Zudem sollen die nicht erschienenen Zeugen erneut geladen werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik