Gericht

Gutachter belegt Alkoholfahrt eines Beleckers – Geldstrafe

Der Angeklagte wurde durch seine Blutprobe überführt.

Foto: Katja Lenz

Der Angeklagte wurde durch seine Blutprobe überführt. Foto: Katja Lenz

Warstein.   Ein 55 Jahre alter Belecker ist volltrunken von der Kneipe nach Hause gefahren. Vor Gericht überführt ihn eine moderne Analyse seiner Blutprobe.

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Ein neues Nachweisverfahren für Alkohol im Blut hat den Angeklagten in einem Prozess überführt, der am Freitag am Amtsgericht Warstein zu Ende gegangen ist. Der 53 Jahre alte Belecker wurde wegen fahrlässiger Trunkenheit am Steuer, fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 6750 Euro verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Belecker im vergangenen Juli nach dem Besuch seiner Stammkneipe volltrunken in sein Auto stieg, um nach Hause zu fahren. Unvermittelt machte er mit seinem Wagen einen Satz in Richtung eines Anwohners – zufällig ein Polizist –, der sich beim Ausweichen eine Prellung am Fuß zuzog.

Chemiker widerlegt Aussage

Maßgeblich für die Verurteilung war gestern die Aussage eines Sachverständigen. Ein forensischer Chemiker widerlegte die Behauptung des Angeklagten, dass er sich den am Tatabend gemessenen Blutalkoholwert von 1,72 Promille erst nach dem Kneipenbesuch bei sich zu Hause angetrunken habe. Eine halbe Flasche Wacholder und zwei Flaschen Bier will er in der halben Stunde bis zum Eintreffen der Polizei getrunken haben.

„Man könnte sagen, dass das rechnerisch nicht unplausibel ist“, führte der Gutachter zunächst aus, „aber es spricht einiges gegen die Aussage des Beschuldigten.“ Der Sachverständige verwies auf die kurze Zeitspanne, in der die Alkoholkonzentration im Blut gewöhnlich nicht so hoch steigen könne.

Keine schweren Ausfallerscheinungen beobachtet

Außerdem seien von der Polizei oder bei der Blutabnahme im Krankenhaus keine schweren Ausfallerscheinungen beobachtet worden. „Auch das spricht gegen einen Sturztrunk innerhalb von 30 Minuten.“

Noch aussagekräftiger als die Alkoholkonzentration sei jedoch der Ethylglucuronid-Pegel (ETG) im Blut. Während der Alkoholwert bereits kurz nach dem Trinken sein Maximum erreicht, bildet sich ETG langsamer. Seinen Maximalwert erreicht ETG erst drei bis fünf Stunden nach dem Konsum. Da der wissenschaftliche Nachweis darüber jedoch erst 2015 erbracht wurde, ist das Verfahren bisher kaum in Gerichtsverfahren angewendet worden.

Verteidiger beantragt weiteres Gutachten

Im Fall des Angeklagten war der ETG-Wert mit 2,5 Milligramm pro Liter bereits höher als der Alkoholpegel. „Die Hauptalkoholmenge wurde daher mindestens drei Stunden vor der Blutentnahme aufgenommen“, schloss der Sachverständige, „das schließt einen signifikanten Nachtrunk kurz vor der Blutprobe aus.“ Hätte der Angeklagte zu Hause tatsächlich so viel getrunken, wäre nach Ansicht des Experten ein Wert von weniger als 0,5 Milligramm pro Liter erwartbar gewesen.

Dass der Verteidiger, der zwischendurch erfolglos die Einholung eines weiteren Gutachtens beantragte, die Ausführungen zu dem ETG-Wert als „nicht hilfreich“ bewertete und daher auf Freispruch pochte, half dem Angeklagten nicht.

Staatsanwaltschaft und Gericht sahen darin den Nachweis, dass er schon bei der Autofahrt betrunken gewesen sein musste. „Der ETG-Wert konnte eindeutig belegen, dass ein Nachtrunk nicht stattfinden konnte“, stützte sich Richterin Schmidt-Wegener in der Urteilsbegründung auf die Expertise. An der Kompetenz des Gutachters hege sie keinen Zweifel. „Die Fahrt unter Alkoholeinfluss steht damit fest.“

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