Pflegezentrum Rüthen

Heimaufsicht wehrt sich gegen Vorwürfe von Mitarbeitern

Der Wohnpark im Pflegezentrum: In den Gebäuden in der Bildmitte befindet sich der von der Heimaufsicht still gelegte geschlossene Bereich.

Der Wohnpark im Pflegezentrum: In den Gebäuden in der Bildmitte befindet sich der von der Heimaufsicht still gelegte geschlossene Bereich.

Foto: Armin Obalski

Rüthen.   Kritik gab es zum Vorgehen der Heimaufsicht das Pflegezentrum Rüthen betreffend. Die Heimaufsicht wehrt sich und führt gravierende Mängel an.

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Die Kreisverwaltung wehrt sich gegen Kritik von Mitarbeitern und Angehörigen von Bewohnern an ihrem Vorgehen im Pflegezentrum Rüthen. Zuletzt hatten Mitarbeiter erklärt, die Schließung der geschlossenen Abteilung sei völlig unverhältnismäßig und auf Kosten der Bewohner geschehen (wir berichteten). Die Heimaufsicht des Kreises Soest widerspricht und verteidigt die Schließung des geschlossenen Wohnbereichs „als dringend notwendig und angemessen“.

Gravierende Pflegemängel

„Wir hatten erhebliche und äußerst gravierende Pflegemängel festgestellt. Das psychische und physische Wohl der Bewohner war entweder bereits beeinträchtigt oder in Gefahr, Schaden zu nehmen“, betont Holger Schubert als für die Heimaufsicht zuständiger Sachgebietsleiter der Kreisverwaltung. Als Beispiel nennt er, dass Schmerzmittel oder andere Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet verabreicht worden seien. Auch sei „ein verantwortungsbewusster Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen wie körpernahe Fixierungen bzw. Gurtfixierungen nicht ausreichend gegeben“ gewesen.

Holger Schubert konkretisiert, was die Behörde (auch) unter dem Begriff Pflegemängel versteht, an dem sich die Mitarbeiter gestoßen hatten. „Auch wurde im Hinblick auf die psychosozialen Aspekte und individuellen Bedürfnisse des besonderen Bewohnerklientels im geschlossenen Wohnbereich eine unzureichende pflegerische und soziale Betreuung festgestellt. Fachkräfte im Bereich der sozialen Betreuung fehlten gänzlich.“

Kein Ermessensspielraum

Deshalb habe die Heimaufsicht kurzfristig handeln müssen und das ohne jeden Ermessensspielraum. Nichts sei aber gegen den Willen der Betreuer oder der Angehörigen unternommen worden. „Teilweise wurden die Maßnahmen sogar von Seiten der Betreuer begrüßt, die ihrerseits bereits zunehmend unzufrieden mit der Versorgung der Bewohner waren“, unterstreicht Schubert. Seien Angehörige nicht zu erreichen gewesen, habe auch keine Verlegung stattgefunden, so dass einige Bewohner bis zur Abstimmung mit den Angehörigen noch im geschlossenen Wohnbereich lebten.

„An die Bewohner selber denkt die Behörde in diesem Fall leider nicht“, hatten Mitarbeiter des Pflegezentrums der Heimaufsicht vorgeworfen. Schubert entgegnet: Weil die Verlegung für die Bewohner eine große Veränderung und damit eine Belastung bedeute, habe ein sorgfältiger Abwägungsprozess stattgefunden. „Wir haben es uns überhaupt nicht leicht gemacht, ob wir das den Bewohnern zumuten können“, stellt Holger Schubert klar. „Aber wir hatten mit Blick auf das Wohl der Betroffenen keinerlei Wahl.“

Kritik an Betreiber Dr. Udo Schulz

Nicht außen vor lässt der Leiter der Heimaufsicht in seiner kritischen Betrachtung Dr. Udo Schulz als Betreiber des Pflegezentrums. Seit Jahren, so die Ansicht von Mitarbeitern, werde durch die Behörde versucht, ihn in die Knie zu zwingen. Nie sei Schulz den Anordnungen, die festgestellten Mängel zu beseitigen, ausreichend nachgekommen. Daher habe die Heimaufsicht einschreiten müssen. Das verlange das Gesetz. Das Pflegezentrum habe in keiner Weise auf eigene Initiative die Maßnahmen oder die Betroffenen unterstützt. Vier Wochen habe der Betreiber selbst Zeit gehabt, sich um eine andere Versorgung der Bewohner zu kümmern, passiert sei jedoch nichts. Holger Schubert: „So handelt niemand, der sich verantwortlich um seine Einrichtung kümmert.“

Angeblich absurde Vorwürfe

Als vollkommen unverständlich bezeichnet Schubert, dass seiner Ansicht nach offensichtliche Pflegemängel geleugnet werden: „Das ist nicht zu entschuldigen, auch nicht mit einem Hinweis auf den bestehenden Personalmangel. Wenn Kräfte fehlen, muss man die Einrichtung verkleinern. Aber keinesfalls die Gesundheit der Bewohner aufs Spiel setzen.“ Absurd nennt er von den Mitarbeitern genannte Vorwürfe, wie zum Beispiel, dass eine„im Sterbeprozess befindliche Person“ verlegt worden sei. Auch sei niemandem in einem Café die Entscheidung über die Verlegung mitgeteilt worden.

„Im Mittelpunkt unseres Handelns steht und stand das Wohl der Bewohner. Das ist unsere gesetzliche, aber auch menschliche Verpflichtung“, betont Schubert.

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