Lesung

Holocaust-Überlebender: Versteckt unter der Haut des Feindes

Sally Perel

Foto: Georg Giannakis

Sally Perel Foto: Georg Giannakis

Warstein.   Sally Perel überlebte den Holocaust. Bei seiner Lesung im Warsteiner Haus Kupferhammer schildert er, was er damals sah und wieso er heute lebt.

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Es ist gewiss nicht das erste Mal, dass ein Mensch, der auf höchst persönliche Art und Weise die Greueltaten der Nationalsozialisten miterlebte, den Warsteiner Bürgern im Haus Kupferhammer einen Einblick in sein seelisches Wohlbefinden gewährt.

In den Kreis der Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen reihte sich aber nun ein Mann ein, der aus seinem während der NS-Zeit geführten Doppelleben als jüdischer Hitlerjunge erzählte – Sally Perel, Autor des bekannten Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“. Neben den rund 100 interessierten Zuhörern, verfolgte auch die WESTFALENPOST den fesselnden Vortrag. Ein Auszug aus der eineinhalbstündigen Veranstaltung:

Mahnende Worte eines Holocaust-Überlebenden

Auf einer quadratischen, gerade mal zwei mal zwei Meter großen und gut 30 Zentimeter hohe Bühne hat Sally Perel seinen Platz am kleinen rustikalen Eichentisch eingenommen. Den Besuchern ist das Interesse regelrecht im Gesicht abzulesen. Alle Blicke sind auf den 92-jährigen Israeli mit deutscher Herkunft gerichtet. Bernhard Enste, Vorsitzender der Kupferhammer-Freunde, offenbart dem gespannten Publikum bereits während seiner kurzen Begrüßungslaudatio, was Jung und Alt gleich erwartet: „Es wird eine Begegnung mit nachhaltigem Charakter. Herr Perel spricht mit mahnenden Worten über die erlebten Geschehnisse“.

Sally Perel redet nicht lange um den heißen Brei

Sally Perel konfrontiert die Zuhörer umgehend mit seiner leidvollen und schmerzhaften Lebensgeschichte, die sich in der Zeit zwischen 1939 bis 1945 ereignete. „Ich war versteckt unter der Haut des Feindes. Ich habe die braune Uniform und das Hakenkreuz getragen“, berichtet Perel mit lauter und gleichzeitig erboster Stimme. Denn diese von unglaublicher Paradoxie behafteten Geschehnisse empören den jüdischen Mann bis zum heutigen Tage und führen dazu, dass er sich über 70 Jahre später immer noch mit einem nicht endenden Gefühl der inneren Zerrissenheit auseinandersetzen muss.

Besorgte Mutter befahl ihm zu leben

Nur eine Tatsache, kann das in seinem Körper so qualvoll lodernde Seelenfeuer ab und zu eindämmen: Hätte der damals 16-Jährige nicht seine wahre Identität verschwiegen, wäre ihm der sichere Tot begegnet. Aber: Der einstige, lediglich mit drei Worten ausgekleidete Befehl seiner Mutter, bewahrte Sally Perel letztlich vor dem Schlimmsten. „Du - sollst - leben“, bläute ihm die sorgsame Mutter ein. „Das Böse hat mir Gutes gegeben “ – weiß Perell. Gott sei dank aber nur für kurze Zeit.

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