Interview der Woche

„Ich wurde mit viel Offenheit empfangen“

Am Freitag, 6.10.2017 besucht die Redaktion den neuen kaufmännischen Direktor der LWL-Einrichtungen in Warstein und Lippstadt, Ottmar Köck

Foto: Patrick Schlos

Am Freitag, 6.10.2017 besucht die Redaktion den neuen kaufmännischen Direktor der LWL-Einrichtungen in Warstein und Lippstadt, Ottmar Köck Foto: Patrick Schlos

Warstein.   Ottmar Köck ist der neue kaufmännische Direktor der LWL-Einrichtungen in Warstein und Lippstadt. Im Interview spricht er über seinen Einstand und über seine Ziele.

Offenheit und Transparenz - das hat sich Ottmar Köck auf die Fahnen geschrieben. Als neuer kaufmännischer Direktor verantwortet der 58-Jährige seit Anfang Oktober den kaufmännischen Bereich der LWL-Einrichtungen Warstein und Lippstadt. Die Redaktion hat mit ihm über seine neue Aufgabe gesprochen.

Herr Köck, wie haben Sie die ersten Tage im Haus erlebt? Wie ist die Stimmung bei ihnen und ihren Mitarbeitern?

Ottmar Köck: Ich wurde hier mit sehr viel Offenheit empfangen. An den Tagen, an denen ich bisher in den Häusern unterwegs war, habe ich schon viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennengelernt, Gespräche geführt und viel positives Feedback und auch konstruktive Kritik mitbekommen. Alle meine Erwartungen sind in dieser Hinsicht voll eingetroffen. Für mich ist es wichtig, dass in einem Haus, in dem ich arbeite, Offenheit und Transparenz gelebt werden. Das bedeutet, dass man sich austauscht und Probleme offen anspricht. Das habe ich hier bisher aber so erlebt und möchte daran arbeiten, dass das auch weiterhin so ist.

Sie übernehmen ja - in mehrfacher Hinsicht - ein großes Haus. Wie schätzen Sie den aktuellen Zustand ein? Was beeindruckt Sie?

Ich habe mir die Einrichtungen des LWL natürlich schon im Vorfeld angesehen. Und komplett unbekannt waren sie mir durch meine vorherigen Tätigkeiten natürlich auch nicht. Die Klinik selbst ist ein komplexes Konstrukt und von der Struktur her nicht mit einem Allgemein-Krankenhaus zu vergleichen. Die historischen Gebäude hier sind natürlich sehr beeindruckend. Und generell lädt das Gelände, also im Vergleich mit anderen Einrichtungen, sehr zum Wohlfühlen ein. Allerdings haben wir, vor allem hier in Warstein, einige Häuser, an deren baulicher Substanz dringend gearbeitet werden muss, beziehungsweise für deren Nutzung wir Lösungen finden müssen.

Abgesehen vom baulichen Zustand: Wie ordnen Sie den wirtschaftlichen Status der LWL-Einrichtungen ein?

Wir befinden uns hier wirtschaftlich insgesamt auf einem guten Weg. Natürlich gibt es hier und da auch Probleme oder Bereiche, in denen man sich wünscht, dass es noch besser werden könnte. Größere Schwierigkeiten, denen wir uns stellen müssen, sind allerdings nicht auf Entscheidungen der Klinikleitung oder auf vor Ort gemachte Fehler zurückzuführen. Vielmehr gibt es natürlich einige größere wirtschaftliche Herausforderungen, die auf die politischen Rahmenbedingungen zurückgehen und eigentlich alle Klinken und Pflegeeinrichtungen betreffen.

Welche sind das konkret?

Ich denke da vor allem an die finanzielle Ausstattung. In den letzten Jahren wurde von der Politik zwar viel für die Patienten getan. Leider wurde dabei aber die Seite der Pflegenden und Behandelnden fast komplett vergessen. Konkret ist es etwa im Bereich der Pflege aktuell sehr schwierig, überhaupt auskömmliche Budgets zu erzielen, mit denen eine gute Pflege auch auf Dauer ausreichend finanziert werden kann. Ein anderes großes Problem, das ebenfalls mit der Finanzierung zusammenhängt, ist die Vergütung der Pflegekräfte. Auch wenn Geld für die meisten Mitarbeiter natürlich nicht alles ist, fällt es ohne entsprechenden Anreiz auf Dauer trotzdem schwer, Menschen für einen Beruf in der Pflege zu motivieren oder sie dauerhaft zu halten.

Das führt zur Frage nach dem Fachkräftemangel: Wie äußert sich dieser vor Ort? Und: spüren Sie ein Gefälle zwischen Stadt und ländlicher Region?

Aktuell können wir alle Ausbildungsplätze in unserer eigenen Schule besetzen und damit auch noch genügend Nachwuchskräfte für unsere Abteilungen gewinnen. Dass es in Zukunft aber auch für uns schwieriger werden wird, adäquates Personal zu finden, steht fest. Was ein Gefälle zwischen Stadt und Land angeht, spürt man das bei den Mitarbeitern in der Pflege eher weniger. Anders sieht es allerdings bei den Ärzten aus. Hier haben wir, wie andere Kliniken in der ländlich geprägten Umgebung auch, das Problem, dass sich nur verhältnismäßig wenige Ärzte für eine Tätigkeit auf dem Land begeistern lassen.

Wie wollen Sie denn den genannten Herausforderungen begegnen? Welche Ziele haben Sie sich für die nächste Zeit gesetzt?

Im Bereich der Gebäude stehen aktuell einige Arbeiten an. Wir wollen etwa den klinischen Bereich sanieren, zudem soll es eine Neustrukturierung der Küchenbereiche geben. Auch die medizinisch-berufliche Rehabilitation wird erweitert. Was den Bereich Personal angeht, wollen wir die verschiedenen Abteilungen auf Dauer stabilisieren. Ermöglicht werden soll dies durch mehr Schwerpunktbildungen, aber auch durch eine bessere interne Kommunikation - etwa durch Informationen und interne Veranstaltungen. Zusätzlich wollen wir aber auch den Austausch zwischen unseren verschiedenen Standorten stärken. Das soll natürlich auch nach außen positiv wirken und wiederum potenzielle Mitarbeiter ansprechen. Um neue Mitarbeiter im medizinischen Bereich zu gewinnen, wollen wir die sogenannten sekundären Bedingungen verbessern, ihnen etwa Wohnraum auf unserem Gelände für die Übergangszeit nach dem Wechsel anbieten. Zudem wollen wir unsere Angebote, etwa die Facharzt-Weiterbildung, offensiver bewerben. Und was die politischen Rahmenbedingungen angeht, so können wir von Warstein aus natürlich nur wenig Einfluss nehmen. Allerdings wird daran von Seiten unseres Trägers tatkräftig gearbeitet.

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