Schwimmkurs

Integration von Flüchtlingen im Warsteiner Allwetterbad

Bringen Jugendlichen das Schwimmen bei: Wolfgang Kröger, Lehrer an der Warsteiner Hauptschule, und Andreas Kussmann, Schwimmmeister des Allwetterbades Warstein

Bringen Jugendlichen das Schwimmen bei: Wolfgang Kröger, Lehrer an der Warsteiner Hauptschule, und Andreas Kussmann, Schwimmmeister des Allwetterbades Warstein

Foto: Monika Loerchner

Warstein.   Viele junge Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind traumatisiert. Im Allwetterbad in Warstein verlieren sie die Angst vor dem Wasser.

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Es ist Donnerstag Abend, 19 Uhr. Nach und nach trudeln Schülerinnen und Schüler im Allwetterbad in Warstein ein. Sie kommen aus dem Irak, Singapur, Marokko und Syrien, und haben eines gemeinsam: Sie können kaum oder noch nicht richtig schwimmen und mussten dennoch auf überfüllten Schlauchbooten aus ihren Heimatländern fliehen.

Meist gelangten sie dabei über das Schwarze Meer von der Türkei aus nach Bulgarien. Eine Flucht, die Traumata hinterlassen hat – und bei manchen auch die Angst vor dem Wasser. Eines der Mädchen ist sogar mehrfach über Bord gegangen und konnte nur mit knapper Not gerettet werden. Trotzdem lächeln die jungen Leute, die sich nun zum Schwimmkursus einfinden.

Geschwister unterstützen den Schwimmmeister

Begrüßt werden sie von den 16-jährigen Geschwistern Isabella und Matthäus Kussmann. Die Gymnasiasten unterstützen ihren Vater, Schwimmmeister Andreas Kussmann, und den für Integration zuständigen Hauptschullehrer Wolfgang Kröger beim Unterricht und der Kommunikation mit den Schülern.

„Die meisten sprechen schon sehr gut Deutsch, aber zwei Schüler aus Singapur können neben ihrer Muttersprache nur Englisch“, erzählt Matthäus Kussmann. „Da wir drei sehr gut in Englisch sind, wollten wir unseren Vater unterstützen.“ Und alle sind dankbar dafür.

„Wir haben hier fast eine Eins-zu-eins-Betreuung“, so Hauptschullehrer Kröger. Auf derzeit sieben Schwimmschüler kämen dank der Geschwister Kussmann fünf Lehrende. „Mein Motto ist ‘Learning by doing’“, erklärt Kröger, der den Schwimmkursus zusammen mit Kussmann initiiert hat. „Unser Ziel ist nicht nur das Erlernen der lebensnotwendigen Schwimmkompetenz, sondern auch Integration.“ Daher sei die Unterrichtssprache auch Deutsch.

Deutsche Schüler sind willkommen

Die Kooperation zwischen der Hauptschule Warstein und dem Allwetterbad wurde erst durch die Schulleiterin Gabi Röttinger und den Leiter des Bades, Dennis Justus, möglich. Beide waren sofort von dem Projekt begeistert. „So einfach können Institutionen positive Zeichen setzen“, betont Kröger.

Obwohl von der Hauptschule mitfinanziert, nehmen auch Schüler anderer Schulen an dem Kursus teil. Auch deutsche Schüler sind bei Bedarf willkommen. „In diesem Alter genieren sich die Kinder oft, wenn sie noch nicht schwimmen können“, weiß Wolfgang Kröger. Umso glücklicher sei er, dass sich die sieben jungen Leute getraut hätten, teilzunehmen. „Alle Schüler werden einen Schulabschluss schaffen, einige haben bereits Lehrverträge abgeschlossen“, erklärt er stolz, „auch wenn sie meistens erst seit zweieinhalb Jahren oder weniger in Deutschland sind.“

So auch Masoud, der Elektriker werden möchte. „Ich möchte mich herzlich bei Herrn Kröger, Herrn Kussmann und den anderen bedanken“, so der Syrier. „Seit zwei Jahren hilft Herr Kröger mir mit so viel Engagement, erst mit der Sprache und jetzt mit dem Schwimmen.“ Er sei sehr dankbar, hier in Deutschland so viel Unterstützung zu erfahren. So funktioniere Integration, so Kröger: „Wir wollen schließlich keine Parrallelgesellschaften, sondern dass sich die Kinder unter ihre deutschen Mitschüler mischen und Freunde finden. Dazu gehört auch, dass sie im Sommer mit ihnen ins Freibad gehen können.“

Lehrer arbeitet unentgeltlich

Angelegt ist der Kursus auf zunächst zehn Stunden. Ziel von Andreas Kussmann und Wolfgang Kröger ist aber, die Jugendlichen so lange zu unterrichten, bis alle schwimmen können. Dafür ist Kröger auch gerne bereit, zwei Mal wöchentlich unentgeltlich zu arbeiten.

„Nach den traumatischen Erfahrungen der Jugendlichen ist es umso wichtiger, dass sie hier einen geschützten Raum vorfinden, an dem sie schwimmen lernen können.“ Nur so und im Beisein von Vertrauenspersonen könnten sie den spielerischen und respektvollen Umgang mit Wasser lernen. „Es macht uns so viel Spaß“, erzählt Fatima. „Es ist so schön, hier zu sein.“ Auch Wissal, Ayat, Masoud, Andreleene und die anderen sind dankbar für die Hilfe. „Wir haben hier richtig viel Spaß“, so Schwimmmeister Andreas Kussmann. Kröger fügt hinzu: „Diese Kinder haben so viel Schreckliches erlebt. Aber wenn sie hier sind, haben sie alle ein Lachen im Gesicht.“

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