Heimatgeschichte

Kallenhardter gehen Ursprung Ostervelde auf den Grund

Keimzelle Kallenhardts: Die Bodenerkundung im Bereich des Kallenhardter Ur-Dorfs Ostervelde durch den Förderverein Heimatpflege und traditionelles Brauchtum wird finanziell gefördert. Gerd Geesmann, Franz-Josef Fisch (Volksbank Hellweg) Rainer Geesmann und Dr. Rudolf Bergmann (LWL-Archäologe) bei der Spendenübergabe.

Keimzelle Kallenhardts: Die Bodenerkundung im Bereich des Kallenhardter Ur-Dorfs Ostervelde durch den Förderverein Heimatpflege und traditionelles Brauchtum wird finanziell gefördert. Gerd Geesmann, Franz-Josef Fisch (Volksbank Hellweg) Rainer Geesmann und Dr. Rudolf Bergmann (LWL-Archäologe) bei der Spendenübergabe.

Foto: Armin Obalski

Kallenhardt.   Am Osterveldeberg in Kallenhardt sind Archäologen am Werk. Diese nehmen auch Maulwurfshügel besonders ins Visier.

Wo der Laie nur ein paar Hügel erkennt an der Stelle, an der sich einst Ostervelde erhob, lässt der Experte vor dem geistigen Auge direkt die Kirche der Keimzelle Kallenhardts entstehen. Für Dr. Rudolf Bergmann, Archäologe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), steht fest, dass sich unter den markanten Erhebungen auf dem Wiesengrundstück „Im Oeleken“ nördlich Kallenhardts die Reste der einstmaligen Kirche befinden. Was sich genau unter der Erdoberfläche befindet, werden Messungen zeigen, die Torsten Riese, Mitarbeiter eines Spezialunternehmens, am Dienstag zum Ende bringt.

Dr. Rudolf Bergmann von der LWL-Archäologie für Westfalen, der die am Montag begonnenen Sondierungen begleitet, ist spontan begeistert. „Zu sehen ist nicht nur eine sehr schön terrassierte Wiese“, erklärt er. Sondern für den Fachmann viel mehr. „Es handelt sich hier um eine der fünf am besten erhaltenen Kirchenwüstungen Westfalens“, urteilt er, nachdem er das Gelände abgeschritten hat. „Es gibt fast keine andere Möglichkeit, als hier Ostervelde zu verorten“, betont er das, was der Förderverein für Heimatpflege und traditionelles Brauchtum nicht nur vermutet.

Rest von Turm im Gebüsch

Bergmann geht ins Detail: Dort, wo auf einer kleinen Anhöhe Buschwerk steht, habe im Westen der Turm gestanden, so wie es für Kirchen aus dieser Zeit – vermutet wird die Erbauung im 9. Jahrhundert – typisch war. An den Turm angeschlossen habe sich ein wohl zweijochiges Kirchenschiff, eventuell mit einem Seitenschiff.

Zwei weitere Erkenntnisse zieht er auf Basis des terrassierten Geländeverlaufs und seiner langjährigen Erfahrung: Die Kirche habe, wie es die Regel gewesen sei, oberhalb der bäuerlichen Siedlung – Bergmann geht von 10 bis 15 Höfen aus – gelegen, der ummauerte Friedhof oberhalb. Noch heute heißt das Areal „Klausen Kirchhof“. Von bis zu 1000 Bestattungen geht er aus.

Friedhof war Zentrum für bäuerliche Siedlungen

Diese Anzahl kommt aber nach Ansicht des Archäologen nicht nur durch die Bewohner Osterveldes zustande, sondern dadurch, dass Kirche und Friedhof ein Zentrum für weitere bäuerliche Siedlungen in der Umgebung waren. Dr. Rudolf Bergmann zitiert aus Aufzeichnungen des verstorbenen Rüthener Heimatforschers Eberhard Henneböhle, der die Namen vier weiterer Wüstungen in der Umgebung Kallenhardts nennt, deren Lage aber unbekannt sei.

„Wir hoffen, die Grundmauern der ehemaligen Kirche lokalisieren zu können und wissen dann auch um die Ausmaße“, formuliert Rainer Geesmann, Vorsitzender der Heimatfreunde die Erwartung an das, was gerade auf der Wiese vonstatten geht. Auch Hinweise darauf, wann diese Kirche wirklich gebaut worden ist und ob somit Kallenhardt nicht älter ist, als die erste Erwähnung Osterveldes im Jahr 1072, erhofft sich der Förderverein.

6000 Quadratmeter werden untersucht

Torsten Riese von einem Unternehmen für archäologisch-geophysikalische Prospektionen soll die erhofften Antworten liefern. Mit einem Magnetometer schreitet er 6000 Quadratmeter zuvor auf der Basis von Lasermessungen eines externen Dienstleisters festgelegten Geländes ab – Reihe für Reihe. Abgesteckt haben diese Mitglieder des Fördervereins. Mit Maßband und Wäscheleinen haben sie das Gelände eingeteilt, so dass kein Zentimeter durch das Messraster fällt.

Ein Gestell mit vier Sonden trägt Riese Bahn für Bahn über die Wiese. Sie zeichnen die unterschiedliche Stärke der Erdmagnetfelder auf, die sich etwas durch geologische und archäologische Störungen unter der Oberfläche ergeben. Am Rechner ergibt sich daraus ein komplexes Bild – und im besten, wie hier erhofften Fall, ein Grundriss. 2000 Quadratmeter werden zusätzlich mit einem Bodenradar untersucht.

Grabung bedeutet Zerstörung

Die modernen Methoden, die sichtbar machen, was sich unter der Erdoberfläche verbirgt, führen dazu, dass Schaufel, Spaten und auch feineres Werkzeug am Osterveldsberg nicht zum Einsatz kommen. „Eine Ausgrabung bedeutet immer auch die Zerstörung eines Bodendenkmals“, macht Dr. Rudolf Bergmann deutlich. Gegraben werde nur, wo Gefahr im Verzug sei, etwa bei der immer größeren Zahl der Gewerbe- und Baugebiete. Der Kallenhardter Keimzelle droht solche Gefahr aber nicht. Sie ist als Bodendenkmal eingetragen und geschützt. Dennoch will er Bodenproben entnehmen – aus den auf der Wiese aufgeworfenen Maulwurfshügeln.

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