Erntedank

Kallenhardter Landwirt setzt sich für Erhalt der Schöpfung ein

Erntedank vor märchenhafter Kulisse: Zahlreiche Besucher aus Rüthen und Warstein, darunter besonders viele nahmen am ökumenischen Gottesdienst auf dem Guthof von Schloss Körtlinghausen teil.

Foto: Betty Römer-Götzelmann

Erntedank vor märchenhafter Kulisse: Zahlreiche Besucher aus Rüthen und Warstein, darunter besonders viele nahmen am ökumenischen Gottesdienst auf dem Guthof von Schloss Körtlinghausen teil. Foto: Betty Römer-Götzelmann

Kallenhardt.   Beim ökumenischen Erntedank auf Körtlinghausen fordert Gutspächter Gyso von Bonin 95 Thesen für den Erhalt der Schöpfung.

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Alle Bänke und Stühle sowie Strohballensitze waren besetzt, als „Der Kleine Kartoffelkönig“ bei märchenhafter, spätsommerlicher Kulisse zum Erntedank auf den Gutshof Körtlinghausen aufrief. Dort wurde bei einem ökumenischen Gottesdienst unter der Begleitung des Warsteiner Posaunenchores die gute Ernte gefeiert.

Aber bevor der Bauer seine Ernte einfahren kann, bedarf es großer Anstrengungen, die Hausherr Gyso von Bonin anstatt einer Predigt im ökumenischen Gottesdienst sehr eindrucksvoll schilderte. Rückblickend hielt er fest: Die Ernte sei eine Zitterpartie gewesen; denn eine Ernte beginne mit der Aussaat.

Rückschau auf Saat und Ernte

Am 20. April sei es mit Schnee und Eis noch einmal so kalt geworden, dass die Apfelblüten erfroren seien; daher gäbe es in diesem Jahr kaum heimische Äpfel. Die Kartoffeln hätten wegen der anhaltenden Nässe erst im Mai gepflanzt werden können, aber diese hätte man in Kallenhardt wenigstens unbeschadet aus dem Boden bekommen, während es zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern landunter hieß, was die Kartoffeln auf den Feldern faulen ließ. In unserer Region hätten es die Landwirte wetterbedingt besser gehabt, es habe keine Unwetter, keine Waldbrände gegeben. „Doch es gab ständig Regen, Regen, Gewitter, Hagel – im September hat ess unendlich viel geregnet“, beklagte von Bonin. In seinem Betrieb sei alles gut eingebracht worden, nur: „Es musste alles getrocknet werden.“

Es schmerze ihn der Umgang mit der Natur, und ständig seien die Bauern und Bäuerinnen in der Kritik. Sie aber könnten zuallerletzt etwas an der Preisgestaltung drehen. Es müsste dahin kommen, dass Nahrung wieder geschätzt werde, und dass dafür wieder die entsprechenden Preise gezahlt werden. Gyso von Bonin forderte: Es müssten wie einst „95 Thesen für den Erhalt der Schöpfung“ an die Türen der Pflanzenschutzindustrie geschlagen werden. Nur habe die Umwelt keinen Anwalt. Dazu jedoch sollten alle Menschen werden, forderte der Landwirt, die über sie und den Umgang damit wachen sollten.

Spielszene von Grundschülern

In der von Kindern der Kallenhardter Grundschule aufgeführten kleinen Spielszene „Der Kartoffelkönig“ wurde spielerisch aufgezeigt, wem die Produkte, die der Landwirt erntet – in diesem Fall die Kartoffel – zugeordnet werden müssen: Weder einem Fuchs, dem kleinen Hasen, einer Großmutter, sondern dem hungrigen Kind – was nun nicht heißen soll, dass Fuchs, Hase und Großmutter keine Kartoffeln haben dürfen. Aber die Kartoffel, so die Botschaft, ist dazu da, um unseren Hunger zu stillen. Somit dürfe damit nicht geast und es dürfe schon gar nichts weggeworfen werden.

Alle Kinder – und es waren unerwartet viele gekommen – erhielten von Gyso von Bonin einen leckeren Schokomilchdrink. Die große Gästeschar konnte sich dann an einem reichhaltigen Kuchenbuffet laben, und in kleinen Gesprächsgruppen wurde festgehalten: Diese Körtlinghauser Erntedankfest-Gottesdienste sind aus dem kirchlichen Leben der Gemeinden Warstein und Rüthen nicht mehr wegzudenken.

Daher wurde auch den Organisatoren herzlich gedankt: Gyso und Elisabeth von Bonin und ihren Hofleuten, diesen auch wieder für das Binden des prächtigen Erntekranzes, allen, die die Sitzgelegenheiten zurechtstellten, Pfarrer Bernd Götze, Pfarrerin Dr. Christiane Karin Saßmann, der kleinen Musikgruppe mit Gitarre und Saxophon und schließlich dem Posaunenchor, der unter dem Dirigat von Iris Lenze auch nach dem Gottesdienst noch aufspielte.

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