Historischer Roman

Klemens Ludwig setzt „Schwarzer Hofmännin“ ein Denkmal

Klemens Ludwig hat seinen Roman „Die schwarze Hofmännin“ überarbeitet

Foto: Tanja Frohne

Klemens Ludwig hat seinen Roman „Die schwarze Hofmännin“ überarbeitet Foto: Tanja Frohne

Suttrop.  Klemens Ludwig, aus Suttrop stammender Autor, hat seinen Roman „Die Schwarze Hofmännin“ überarbeitet. Er erzählt, was ihn an der Frau fasziniert.

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In ihrer Heimat Böckingen gilt die berühmte Tochter der Stadt noch heute als zornige, blutrünstige, rachsüchtige und mordlüsterne Persönlichkeit, die die Bauern aufgewiegelt hat. In seinem Roman „Die Schwarze Hofmännin“ rehabilitiert der aus Suttrop stammende Autor Klemens Ludwig nicht nur Margarethe Renner, die er als kluge und leidenschaftliche Frau schildert, sondern setzt ihr auch ein Denkmal. In einem neuen Verlag erscheint nun eine überarbeitete Auflage der „Schwarzen Hofmännin“.

Als Tibetkundler und Minderheitenexperte hat sich Klemens Ludwig einen Namen gemacht, bemühte sich außerdem um eine objektive Darstellung des Themas Astrologie. Sein jüngstes Werk in diesem Bereich: Ein astrologischer Reiseführer mit Zielen in ganz Deutschland, in dem auch Warstein Erwähnung findet (wir berichteten). Ein historischer Roman ist für ihn schon ungewöhnlich.

Traum von der Belletristik

„Jeder Autor träumt von Belletristik“, erklärt Klemens Ludwig. „Die frühe Neuzeit hat mich immer schon fasziniert. Das war eine spannende Zeit, in der die alten Strukturen in Frage gestellt wurden.“ Vor allem die Zeit der Bauernkriege habe ihn gefesselt. „Die Bauern waren die Vergessenen“ – und die Frauen der Bauern standen in der Hierarchie noch niedriger. Eine dieser Frauen wollte Klemens Ludwig näher beleuchten. Kein ganz leichtes Unterfangen, denn viel Material gibt es über Frauen zur Zeit der Bauernkriege nicht. „Ich bin auf das Buch gestoßen ‘Frauen im Bauernkrieg und in der Täuferbewegung’. Darin war von einer Frau am Bodensee die Rede, von der man noch nicht einmal den Namen kannte, und von der Schwarzen Hofmännin, Margarethe Renner.“ Eine der wenigen nicht-adeligen Frauen, deren Name noch heute bekannt ist. „Dass sie die Jahrhunderte überdauert hat, ist schon bemerkenswert. Es ist unbestritten, dass sie eine Persönlichkeit war. “ Klemens Ludwig hatte seine Heldin gefunden.

Aus der Nähe von Heilbronn stammte diese, für seinen Roman begab sich Ludwig auf ihre Spuren, um ein Gefühl für die Bauersfrau zu bekommen. Unter anderem besuchte er auch die Schlossruine des Leibherren. „In ihrer Heimat kennt sie jeder. Sie ist dort sehr dämonisiert worden.“ So habe ihm eine Frau bei einer Lesung in Heilbronn erzählt, dass Kindern früher mit der Schwarzen Hofmännin gedroht wurde, wenn diese beispielsweise nicht ins Bett wollten.

Faszination für eine starke Frau

Margarethe Renner habe ihn fasziniert, erklärt Ludwig. „In einer Zeit, als Frauen noch weniger als nichts waren, ist sie selbstbewusst für ihre Rechte eingetreten.“ Als sehr spirituelle Frau mit großem Gerechtigkeitssinn schätzt der Suttroper Autor die Schwarze Hofmännin ein. „Das sie es gewagt hat, aufzustehen und zu sagen ‘Ich wehre mich gegen die Willkür der Herren’ ist schon erstaunlich.“ Bei ihr habe er eine tolle Verbindung aus Mut und Gerechtigkeit, ohne verbissen zu sein. „Das hat mich fasziniert. Ich hab gedacht: Die Frau muss ins rechte Licht gerückt werden.“

Historisch so nah wie möglich an der Realität hat Klemens Ludwig gearbeitet. „Man weiß einiges über sie aus der Zeit um 1520 bis 1525, auch, dass sie die Bauernkriege überlebt hat.“ So hatte Ludwig ein enges Gerüst, „aber auch viel Raum für Kreativität in der Zeit vorher und später.“ Genau das sei das Schöne daran gewesen, einen historischen Roman zu schreiben: Einerseits den Rahmen zu haben, aber auch ganz kreativ die Kindheit und Jugend Margarete Renners gestalten zu können, die geschichtlich im Dunkeln liegt. Von ihren späteren Jahren ist nur bekannt, dass ihr Leibherr sie aus dem Gefängnis herausgeholt hat. „Die Herren von Hirschhorn waren damals eines der reichsten Geschlechter. Margarethe war damals um die 50 Jahre alt – es kann also nicht um ihren materiellen Wert gegangen sein.“ Der Suttroper vermutet, dass der Leibherr sie befreite, weil er Hochachtung vor ihr hatte. „Es sind viele Puzzleteile, die zusammenkommen und sich zum Bild einer faszinierenden Frau bilden.“

Fakten gut recherchiert

Gut recherchieren musste Ludwig für seinen Roman, wobei Fakten nicht wie bei einem Sachbuch im Mittelpunkt stehen sollten – schließlich handelt es sich beim Roman „Die Schwarze Hofmännin“ um Fiktion. „Mein Anspruch war, dass es gut lesbar sein sollte“ erklärt er. Trotzdem habe der Roman mehr Anspruch als ein Sachbuch. „So etwas verkauft sich über die literarische Qualität. Es ist mein Anspruch, dass die Leute sagen: ‘Das liest sich wirklich schön’.“

Dabei fabuliert Ludwig nicht so wie die Autoren bekannter Mittelalter-Romane. „Das hebt sich von den Schmonzetten schon sehr deutlich ab. Ich habe schon gutes Feedback bekommen, die sich mit der Geschichte der Bauernkriege auskennen, dass die Zeit gut getroffen sei.“

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