Kunstausstellung

Künstlerischer Ausbruch aus reglementierter Welt

„Landkarten des Lebens“: Manfred Schütte, Michael Baronowsky, Antje Prager-Andresen, David Risse, Erhard Wilde und Liv Irländer (von links) bei der Ausstellungseröffnung.

„Landkarten des Lebens“: Manfred Schütte, Michael Baronowsky, Antje Prager-Andresen, David Risse, Erhard Wilde und Liv Irländer (von links) bei der Ausstellungseröffnung.

Foto: Tanja Frohne

Warstein.  Ausstellung mit Bildern von Erhard Wilde „Landkarten des Lebens“ in Musikschule Warstein. Wie die farbenfrohen Bilder des Künstlers entstehen.

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Es ist der große Detailreichtum, der beim Werk Erhard Wildes fasziniert. Teils wirken die Tuschezeichnungen abstrakt, wie mit leichtem Strich über dem Papier schwebend. Teils ist es die Genauigkeit und Präzision, die den Betrachter in den Bann zieht, denn im Werk des Künstlers, 1941 in Oberschlesien geboren, lässt sich immer etwas Neues entdecken, schon allein dadurch, dass Wilde Zeichnung und Kalligraphie gekonnt miteinander verquickt.

Mit den Werken von Erhard Wilde mit dem Titel „Landkarten des Lebens“ eröffnete die Musikschule Warstein die 40. Ausstellung in der Reihe „Musik und Kunst – Kunst und Musik“. Wie das Motto der Kunstreihe verspricht, wurden Beiträge der Musikschüler und die Einführung in das Oeuvre des Künstlers durch Antje Prager-Andresen, Mit-Initiatorin der Reihe, unterhaltsam verbunden.

Dass die Kunstreihe auch nach 40 Ausstellungen noch eine Premiere feiern konnte, stellte sie besonders heraus, denn mit den Bildern Erhard Wildes präsentierte die Musikschule erstmals eine besondere Form der bildenden Kunst, nämlich Zeichnungen und Radierungen verbunden mit Schriftkunst. „Erhard Wilde entwickelte die Zeichnung und Schrift für sich zu einer individuellen künstlerischen Ausdrucksform.“

Gelernter Kartograph

Wobei diese Art der Kunst gleichzeitig eine Weiterführung seines beruflichen Know-Hows darstellt, ist Wilde doch gelernter Kartograph. „Er hat in seinem Beruf gelernt, präzise und genau zu arbeiten“, führte Antje Prager-Andresen aus. Gleichzeitig sei dieser aber auch sehr anspruchsvoll und nehme einen fantasiebegabten Menschen wie Wilde gefangen. „Die Kunst ist daher ein ideales Ventil.“

Das bestätigte Wilde im WP-Gespräch: „Ich wollte immer ausbrechen aus einem sehr reglementierten Beruf“, betonte er. So kennt er beim Malen keine Regeln, lässt sich selbst von dem, was auf dem Papier entsteht, überraschen. „Es entstehen immer neue Bilder. Das fertige Bild kenne ich ja nie“, erklärte er. „Es sind die Bilder, die sich selbst gestalten.“

Deren Inhalte sind vielfältig, zeigen Eindrücke von Skandinavien – so war er als Stipendiat der Aldegrever Gesellschaft mehrfach zu Studienaufenthalten auf den Lofoten –, zeigen Lebenslust und Alltagsszenen, beinhalten aber auch politische Themen. So bezieht der Künstler klar Stellung gegen Krieg und Gewalt, gegen die Übermacht des Geldes und – wie in „Wassernot“ – gegen die Zerstörung der Umwelt.

Feine, zarte Linien bevorzugt

„Erhard Wilde widmet sich mit den Inhalten seiner Kunst vielen großen Themen des Lebens“, erläuterte Antje Prager-Andresen. „Er verzichtet aber auf große theatralische Gesten, sondern beschränkt sich auf das kleinere Format und die feine, zarte Linie der Zeichnung oder der Radierung. Das führt zu besonderer Konzentration.“

Mit Aquarellfarben koloriert der Künstler die meisten seiner Zeichnungen und Drucke – bei Kaltnadelradierungen wird das Motiv mit spitzer Feder in eine Metallplatte aufgebracht und später spiegelverkehrt auf Papier gedruckt – wobei er den Pinsel ebenso sorgfältig führt wie bei den Zeichnungen selbst.

Schon früher Erfolg für Wilde

Die feinen, zarten Farben passen zum Werk des Künstlers. Hier ist nichts plakativ und hart, sondern weich und zart, wodurch die Bilder trotz oft ernster Themen eine besondere Leichtigkeit erhalten. „Es werden Bilder der Fantasie, der Erinnerung, des Traums“, führte Antje Prager-Andresen in ihrer Einführung aus.

Der Erfolg gab Wilde schon früh Recht. Bereits 1992 fand er mit seiner ersten Ausstellung breite Anerkennung. Er begann sich zunächst rund um Münster zu präsentieren, bekam aber bald Einladungen aus dem gesamten nordwestdeutschen Raum, sowie aus den Niederlanden, Norwegen, Österreich bis hin nach Russland. Heute ist Erhard Wilde ganz frei für die Kunst – man darf also noch auf viele interessante Bilder des Münsteraner Künstlers gespannt sein.

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