Gericht

Lippstädter wegen Untreue in 258 Fällen verurteilt

Urteil wegen Untreue: Das Landgericht Paderborn schickt einen 38 Jahre alten Lippstädter ins Gefängnis, weil er in 258 Fällen

Foto: Thomas Nitsche

Urteil wegen Untreue: Das Landgericht Paderborn schickt einen 38 Jahre alten Lippstädter ins Gefängnis, weil er in 258 Fällen

Lippstadt/Paderborn.   Zwei Jahre und vier Monate in Haft muss ein Lippstädter, der 300 000 Euro aus der Firmenkasse gestohlen hat. Er hatte eine Vertrauensstellung.

Er galt als ein Mitarbeiter, der über jeden Verdacht erhaben war. Aber ausgerechnet das war er letztlich nicht. Weil er seinen Arbeitgeber um mehr als 300 000 Euro betrogen hatte, muss ein Lippstädter für zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter. Es war ein Fall aus dem Kuriositätenkabinett, den das Landgericht Paderborn gestern verhandelte.

Bis zur rechten Hand der Firmenleitung hochgearbeitet

Korrekt, kompetent und fleißig, so kannte man den jetzt 38-Jährigen in dem Erwitter Unternehmen, das an seinen verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen 600 Mitarbeiter beschäftigt und bundesweit durch seine schweren gelben Fahrzeuge bekannt ist. Dort hatte der Lippstädter seine Ausbildung absolviert und sich durch seine Tugenden bis zur rechten Hand der Firmenleitung hochgearbeitet.

Er sei „ein wertvoller, geschätzter Mitarbeiter“ gewesen, beschrieb sein heutiger Ex-Chef den Mann, der als Angeklagter vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Paderborn saß. Was ihn dorthin gebracht hatte, habe seine Kollegen und Vorgesetzten aus allen Wolken fallen lassen.

Rechnungen kopiert für doppelte Buchführung

Der 38-Jährige war unter anderem zuständig für die Bar-Kasse, Rechnungsführungen und elektronische Überweisungen. 2012 begann er, wie er selbst gestand, seine Position in dem Unternehmen zu nutzen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften: Er gab geprüfte und abgezeichnete Rechnungen für Übernachtungen von Mitarbeitern an die Buchhaltung zur Überweisung weiter, holte sich aber den Rechnungsbetrag selbst zusätzlich aus der Bar-Kasse. Damit dies nicht auffiel, fertigte er Farbkopien der Rechnungen an und betrieb damit quasi eine doppelte Buchführung. Insgesamt waren es nach Erkenntnis des Gerichts 302 000 Euro, die er bis April 2016 so abzweigte.

Die Beträge – zwischen 500 und 3500 Euro – zahlte er in bar auf sein Girokonto ein, manchmal zweimal am Tag. Das fiel 2014 der Bank auf, die wegen des Verdachts der Geldwäsche die Steuerfahndung informierte – aber zunächst konnte der Lippstädter das Auftauchen der Bargeldbeträge wie aus dem Nichts mit angeblichen Gewinnen in Wettbüros erklären. Erst später bekam die Staatsanwaltschaft einen konkreten Ansatz, nachdem die Polizei eine Farbkopie einer Rechnung im Schreibtisch des Angeklagten fand.

Eigenheim, Uhren und Kreuzfahrt finanziert

Der bis dahin untadelige Mitarbeiter flog 2016 raus. Das unterschlagene Geld hatte er, laut eigenem Geständnis, zum Abtragen seines Eigenheim-Kredits, für eine Uhrensammlung, schicke Kleidung und eine Kreuzfahrt ausgegeben – und einen Teil davon tatsächlich in Wettbüros verzockt.

Die Wirtschaftsstrafkammer verurteilte den 38-Jährigen schließlich wegen Untreue in 258 Fällen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

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