Klinikchef

LWL-Klinik: Neuer Ärztlicher Direktor will Ambulanz ausbauen

LWL-Klinik Warstein: Dr. Volkmar Sippel, neuer Ärztlicher Direktor.

Foto: Thorsten Streber

LWL-Klinik Warstein: Dr. Volkmar Sippel, neuer Ärztlicher Direktor. Foto: Thorsten Streber

Suttrop.   Seit Jahresbeginn ist Volkmar Sippel neuer Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt. Im Interview spricht er über seine Pläne.

In seinem neuen Büro fühlt sich Dr. Volkmar Sippel schon wohl. „Ich würde hier glatt einziehen“, sagt er. Denn im Gegensatz zu seiner frisch bezogenen Wohnung ist sein Arbeitsort bereits komplett hergerichtet. Der 49-Jährige ist neuer Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt.

Im Exklusiv-Interview erzählt er, wie er vom Theaterregisseur zum Psychiater wurde, was ihn zum Wechsel nach Warstein bewegt hat und wie er die großen Fußspuren seines Vorgängers ausfüllen möchte.

Sie sind seit einer Woche als Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt im Dienst. Wie sind Sie aufgenommen worden?

Dr. Volkmar Sippel: Mein Eindruck ist, dass mich die Kollegen sehr zuvorkommend aufgenommen haben. Ich habe das Gefühl, dass der Vertrauensvorschuss hier auf dem Land größer ist als in Städten, dass es eine größere Wärme gibt. Das freut mich, denn davon können auch unsere Patienten profitieren.

Fällt Ihr erster Eindruck aus fachlicher Sicht ebenso positiv aus?

Absolut. Denn die alten Gebäude auf dem Gelände hier in Warstein täuschen. Die Konzepte auf den Stationen sind voll auf der Höhe. Der Klinik ist es nach meinem Eindruck gelungen, die äußeren Strukturen aufrecht zu erhalten und mit zeitgemäßer Psychiatrie zu verbinden. Es gibt viele Beratungsangebote und die Mitarbeiter bemühen sich, stationäre Liegezeiten zu begrenzen und stattdessen möglichst ambulant zu arbeiten. Das möchte ich noch weiter fördern. In Dänemark und England ist man da schon weiter.

Sie haben zuletzt mehr als vier Jahre lang als Chefarzt einer Fachklinik in Dänemark gearbeitet. Welche Unterschiede zu Deutschland gibt es sonst noch?

Der Arzt wird dort als gleichberechtigter Teil des Teams – zusammen mit Sozialarbeitern, Psychologen und Pfleger – angesehen. Auch insgesamt funktioniert Leitung in Dänemark eher im Team, während in Deutschland immer noch die Vorstellung einer Pyramide vorherrscht, bei der ein einzelner oben steht. Mein Bestreben ist es, hier mit dem Pflegedirektor auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.

Warum haben Sie sich entschieden, aus Dänemark jetzt nach Warstein zu wechseln?

Als Chefarzt ist man dort in einer reinen Management-Position, der Kontakt zu den Patienten hat mir gefehlt. Hier möchte ich schon eineinhalb bis zwei Tage pro Woche klinisch arbeiten.

Sie haben erst eine Ausbildung zum Theaterregisseur in München gemacht, bevor Sie Medizin studiert haben und Psychiater geworden sind. Wie kam es zu dem Wechsel?

Meine damalige Partnerin hat eine Schizophrenie entwickelt und auch mein bester Schulfreund erkrankte in dem Zeitraum psychisch. Ich war also oft als Angehöriger in Fachkliniken unterwegs und habe gesehen, wie Patienten dort behandelt wurden. Den Umgang habe ich als nicht okay empfunden und das wollte ich besser machen.

Haben Sie die Entscheidung danach bereut?

Nein, denn ich sehe auch Therapie als kreativen Prozess an. Kreativität und Humor spielen eine genauso große Rolle wie das Vorgehen nach Richtlinien. Und ich konnte Theatertherapie sogar zum Thema für meine Doktorarbeit machen.

Ihr Vorgänger Dr. Leßmann hat das Amt 20 Jahre lang geprägt. Er behält auch weiter ein Büro auf dem Klinikgelände. Wie stellen Sie sich Ihre Zusammenarbeit vor?

Wir stehen beide für eine Psychiatrie, die den einzelnen Menschen und seine Lebensgeschichte in den Mittelpunkt rückt, nicht die Erkrankung. Deswegen werde ich natürlich sein Wissen und besonders seine Vernetzung vor Ort in Anspruch nehmen. Zugleich ist klar, dass er nicht mehr die Verantwortung trägt und das ist, so hoffe ich, für ihn persönlich auch eine Erleichterung.

Dr. Leßmann ist als Westfale sehr mit der Region verbunden, Sie stammen aus Hamburg und haben schon in Polen, England und Dänemark gearbeitet. Wie schwer fiel der Umzug ins Sauerland?

Damit bin ich schon ein persönliches Risiko eingegangen, wegen der vielen Vorteile aber gerne. Dass wir mit Warstein und Lippstadt zwei Standorte haben, ermöglicht es uns etwa, mehr spezifische Angebote zu schaffen und zugleich unnötige Doppelangebote zu vermeiden. Die Akutbehandlung ist davon natürlich ausgenommen. Insgesamt können wir den Menschen im Kreis Soest damit ein Angebot machen, das durchaus mit dem einer Uni-Klinik vergleichbar ist.

Bisher haben Sie Ihre Arbeitsstellen oft nach einigen Jahren gewechselt. Wie lange wollen Sie in Warstein bleiben?

Als ich in Dänemark war, hatte ich meine Basis immer noch in Hamburg. Dort hat meine Partnerin mit unserem Sohn gelebt. Sie sind jetzt mit hierher gezogen. Das zeigt, dass ich die Hoffnung habe, hier länger zu bleiben. Aber es gilt auch: Wenn ich das Gefühl bekomme, hier nicht mehr zur Weiterentwicklung beitragen zu können, werde ich das ehrlich eingestehen.

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