Güterverkehr

Mehr Güter auf die Schiene: „Bahn fahren muss man wollen“

Die Warsteiner Brauerei schickt jede Woche zwei Bierzüge zum Hamburger Hafen – als eines von nur wenigen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen.

Die Warsteiner Brauerei schickt jede Woche zwei Bierzüge zum Hamburger Hafen – als eines von nur wenigen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen.

Foto: Bernd Thissen / FUNKE Foto Services

Warstein.  NRW und Hamburg wollen mehr Gütertransporte auf die Schiene verlagern. Doch die Bedingungen bleiben schwierig, wie das Beispiel Warsteiner zeigt.

In Feierlaune waren der damalige NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch, als vor zwei Jahren das Programm „Hamburg - NRW plus“ an den Start ging. Beide Bundesländer hatten sich zum Ziel gesetzt, mehr Güter zum Hamburger Hafen auf die Schiene zu verlagern. Jetzt geht das Projekt in eine zweite Runde. Doch die Feierlaune scheint verflogen.

Statt des Ministers vertrat Abteilungsleiterin Karin Paulsmeyer die NRW-Landesregierung bei der Auftaktveranstaltung für die zweite Projektphase, die wie schon die Premiere vor zwei Jahren im Besucherzentrum der Warsteiner Brauerei stattfand. Selbst der Staatssekretär sei wegen anderer Termine verhindert gewesen.

Großteil des Verkehrs noch per Lkw

Am Ziel, mehr Güter auf Schiene und Binnenwasserstraßen zu verlagern, hält das Verkehrsministerium fest. „Das ist nicht nur verkehrspolitisch von großer Bedeutung, sondern auch wirtschafts- und umweltpolitisch“, betont Ministerialdirektorin Karin Paulsmeyer – insbesondere in Zeiten von „Fridays for Future“ und Grünen-Umfragehoch. „Die Mitte der Gesellschaft erwartet Antworten zu umweltgerechter Mobilität von uns.“

79 Prozent der Güter aus NRW, die für den Hamburger Hafen bestimmt sind, werden per Lastwagen transportiert – obwohl dabei drei Mal mehr klimaschädliche Emissionen ausgestoßen werden als per Zug.

Verlagerung auf die Schiene beschleunigen

Um das Klimaschutzziel trotz weiter wachsenden Güterverkehrs zu erreichen, müsse die Verlagerung auf die Schiene beschleunigt werden, folgert Lutz Birke, Leiter des Amtes Hafen und Innovation in Hamburg. Durch einen Zuwachs von 13 Prozent in diesem Jahr würden schon heute mehr Güter per Schiene nach Hamburg transportiert als nach Rotterdam, Antwerpen und Bremen zusammen.

Doch die Hürden für Unternehmen aus NRW seien nach wie vor zu hoch, bemängelt Ulrich Brendel, Technischer Direktor der Warsteiner Brauerei. Seit 14 Jahren betreibt das mittelständische Unternehmen ein eigenes Container-Terminal. „Bahn fahren muss man wollen“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

Trassenmaut stärker gestiegen als Lkw-Maut

Der Plan des damaligen Brauerei-Inhabers Albert Cramer, die Logistik seines Unternehmens durch den Bahnanschluss zukunftsfähig aufzustellen, sei nur zum Teil aufgegangen. Mit Blick auf die drohende Lkw-Maut entstand das Container-Terminal am Rande des Werksgeländes. Doch die Gebühr für die Nutzung der Bahntrassen sei seitdem deutlich stärker angestiegen als die Autobahn-Maut für Lastwagen. „Wenn wir mehr Güter auf die Schiene bekommen wollen, kann sowas nicht sein“, appelliert Ulrich Brendel an die Politik.

Hamburg ist inzwischen das wichtigste Ziel für die Biertransporte aus dem Sauerland. Zwei Züge verkehren wöchentlich zwischen Warstein und dem Seehafen in der Hansestadt. Außerdem wird das Bier per Bahn nach München, Berlin und Bremerhaven gebracht.

Warsteiner Brauerei will an Bahntransporten festhalten

84.000 Tonnen Treibhausgase konnten durch die Güterzüge seit 2005 eingespart werden, rechnet Ulrich Brendel vor. „Damit können wir die Emissionen der rund 8000 Einwohner der Warsteiner Kernstadt für ein Jahr kompensieren“, erklärt der Technische Direktor, warum die Brauerei trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Zugverkehr festhalten wolle.

Um mehr Nachahmer zu finden, müsse die Politik zwei Forderungen erfüllen, sagt Ulrich Brendel: Mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur und eine Starthilfe für motivierte Unternehmen. „Solche Projekte sind nicht auf Anhieb wirtschaftlich“, hat er gelernt. „Wir mussten sehr viel lernen.“

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