Konzert

Musiker-Duo im Haus Kupferhammer punktet mit Herzlichkeit

Kupferhammer-Konzert: Duo-Abend mit Marianna Shirinyan und László Fenyö.

Foto: Elisa Sobkowiak

Kupferhammer-Konzert: Duo-Abend mit Marianna Shirinyan und László Fenyö. Foto: Elisa Sobkowiak

Warstein.   Pianistin Marianna Shirinyan und Cellist Lázló Fenyö suchen beim Konzert im Haus Kupferhammer die Nähe des Publikums. Der Funke springt über

Ein strahlendes Lächeln Marianna Shirinyans in das Publikum und zu ihrem Partner László Fenyö, dann wird beherzt in Tasten und Saiten gegriffen. Herzlich und frohlockend beginnt der konzertante Abend am Freitag in Warsteins Wohnzimmer.

Nicht nur wegen des frühlingshaften, bunten Kleids der Pianistin soll die Atmosphäre gleich vielversprechend aufgelockert werden. Auch Beethovens Variationen von „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ – angelehnt an Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ – hüllen die Zuhörer sogleich in verträumt romantische Cello- und Klavierklänge, gefolgt von schweren, nachdenklichen Passagen.

Ein würdiger Auftakt, der bereits eine Vorahnung von der musikalischen Bandbreite des Duos gibt. Und solch eine starke Klangfarbe erzeugt, wie sie der vollbesetzte Kammermusiksaal im Kupferhammer kaum fassen kann.

Erster Teil sorgt für „Bravo“-Rufe

Tiefgründig, gar dramatisch geht es mit Robert Schumanns „Adagio und Allegro op. 70“ weiter, mit dominierendem Cellisten, scharf einatmend und heftig in das Instrument greifend, die Augen konzentriert geschlossen.

Ein zunächst zart phrasierter Schluss entpuppt sich dann lediglich als kurze Atempause vor hektischen, energischen Bewegungen des Bogens auf den Saiten mit Beginn des Allegros. Die dabei fortwährend sich wiederholende Melodie lässt das Publikum immer weiter in das Stück eintauchen und schließlich zu „Bravo“-Rufen hinreißen, als der letzte Ton des ersten Konzertteils verklingt.

Cellist bringt besondere Raffinesse ins Programm

Wahres Fingerkunstwerk vollbringen Fenyö und Shirinyan dann auch in der „Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll“ von Claude Debussy, präsentieren in den drei je vollkommen unterschiedlichen Teilen „Prologue“, „Sérénade“ und „Finale“ übergangslos spannungsgeladene Ausbrüche – eine der wohl größten künstlerischen Herausforderung des Abends.

Spielerisch tippen die beiden Künstler Tasten und Saiten jeweils nur kurz an, mit der Technik des Pizzicatos bringt der Cellist noch einmal eine besondere Raffinesse in das Konzertprogramm. Im Wechsel mit diesen kurzatmigen Zupfbewegungen und dann weit ausschweifenden Armen widmen sich die Musiker voller Inbrunst ihren Instrumenten.

Töne der Instrumente verschmelzen

„Ich hoffe, Sie haben Verständnis, dass ich das Jackett ausgezogen habe“, entschuldigt sich Fenyö lächelnd nach der Pause, erntet dafür aber lediglich weitere Sympathiepunkte aus dem Publikum, „man soll bei diesem Konzert ja hören und nicht sehen.“

Als handele es sich nur um ein Instrument, so sehr verschmelzen die Töne von Cello und Klavier in der „Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll“ von Sergei Rachmaninov miteinander.

Sich teils von den Stühlen erhebend vollbringen die Künstler Höchstleistungen, erfüllen den Saal mit versöhnlich friedlichen Klängen – widmete Rachmaninov das Stück doch einst seinem Psychiater zum Dank für seine Genesung von einer Depression.

Ein Wendepunkt in dessen künstlerischer Entwicklung, feinste virtuose Kammermusik gaben Fenyö und Shirinyan mit den vier verschiedenen Passagen Allegro moderato, Allegro scherzando, Andante und Allegro mosso so zum Besten.

Publikum fordert zwei Zugaben ein

Mit einleitenden Klaviersoli konnten sich die Zuhörer ein letztes Mal in ihren Stühlen zurücklehnen, die kontrastierende, dunkle Bass-Stimme vermischt mit de melodischem Klavier genießen.

Für zwei weitere Zugaben aber sollte der nicht enden wollende Applaus des Publikums anschließend noch sorgen. „Wir könnten noch die Vocalise von Rachmaninov spielen. Das ist natürlich ein tolles Stück, aber entschuldigen Sie – wir beide können es einfach nicht mehr hören“, behielt das Duo mit Ehrlichkeit und Humor die familiäre Atmosphäre des Konzerts auch bis zum Schluss bei.

So entließen sie ihre Zuhörer mit Tchaikovskys Valse sentimentale und einer von dem Publikum lautstark eingeforderten Kostprobe der Werke Béla Bartóks – ein Konzertabend mit ganz besonderer Publikumsnähe.

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