Brauerei

Nach Stellenabbau: So will Warsteiner fit für Zukunft werden

Warsteiner Brauerei: Die Geschäftsführer Carsten Rockholtz und Alessandra Cama stellen das "Zukunftsprogramm" vor, das unter anderem Stellenstreichungen enthält.

Warsteiner Brauerei: Die Geschäftsführer Carsten Rockholtz und Alessandra Cama stellen das "Zukunftsprogramm" vor, das unter anderem Stellenstreichungen enthält.

Foto: Thorsten Streber

Warstein.  Die Warsteiner Brauerei stellt sich neu auf. Mit weniger Personal, weniger Geschäftsfeldern und mehr Produkten soll die Wende gelingen.

Die Warsteiner Brauerei reagiert auf sinkende Absatzzahlen und kündigt einen massiven Personalabbau an: In der gesamten Gruppe sollen bis zu 240 Stellen gestrichen werden. Der Hauptstandort in Warstein ist besonders stark betroffen. Bis zu 80 Mitarbeiter müssen gehen – in fast allen Abteilungen. Betroffen sind neben Verwaltung und Produktion auch die Bereiche Distribution, Marketing und das Auslandsgeschäft.

Der Stellenabbau ist Teil eines weitreichenden Umbaus der Unternehmensgruppe, zu dem sich die Brauerei die Hilfe der Beratungsfirma Roland Berger geholt hatte – und aus Sicht der Geschäftsführung unumgänglich. „Wir müssen natürlich austarieren, dass wir auf der einen Seite eine lange Tradition haben, aber auf der anderen Seite die Notwendigkeit besteht, uns zeitgemäß aufzustellen“, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Carsten Rockholtz im Gespräch mit der WESTFALENPOST .

Unternehmen will sich auf Kerngeschäft konzentrieren

In einem zunehmend digitalisierten Arbeitsumfeld könne an einigen Stellen auf Personal verzichtet werden. „Gerade als Familienunternehmen werden wir uns aber bemühen, gute Lösungen zu finden – bei aller Härte, die das für die Kollegen bedeutet“, kündigt er unter anderem Altersteilzeit- und Vorruhestandsmodelle an. Zudem soll es ein Freiwilligenprogramm geben.

Das selbst ernannte „Zukunftsprogramm“ der Brauerei fußt daneben auf weiteren Eckpfeilern. So will sich das Unternehmen künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren. „Wir sind Brauer, keine Händler“, sagt Alessandra Cama, die neue Geschäftsführerin für Strategie, Unternehmensentwicklung, Marketing und Vertrieb. Daher soll die Warsteiner Distribution mit vier Getränke-Fachgroßhändlern und zehn Getränkemärkten – unter anderem an der Rangestraße – verkauft werden. Gespräche mit Interessenten laufen bereits. Die Beteiligung an der Trinks-Gruppe, einem Logistik-Dienstleister, soll hingegen bestehen bleiben.

Verkauf der Brauerei in Herford nicht ausgeschlossen

Große Veränderungen wird es bei der Brauerei in Herford geben. „Unser primäres Ziel ist es, da einen Kooperationspartner zu finden, aber auch ein Komplettverkauf ist nicht ausgeschlossen“, erläutert Carsten Rockholtz. Ausgebaut werden soll hingegen der Vertrieb der bayerischen Bierspezialitäten, die unter der Marke „König Ludwig“ verkauft werden.

Alessandra Cama, die seit Oktober in der Chefetage der Brauerei sitzt, versichert zudem, die Strategie des Unternehmens künftig stärker am Kunden auszurichten. „Aus der großen Tradition heraus bestand bisher die Neigung, sich auf das Produkt zu fokussieren.“ Dabei sei übersehen worden, auf Veränderungen bei den Kunden zu reagieren. „Das wachsende Bedürfnis nach Individualität wird durch ein Mono-Produkt, wie bisher das Pils, nicht abgedeckt“, glaubt die Managerin. „Wir müssen mehr Spieler ins Spiel bringen.“

Neues Mix-Bier zur Fußball-Weltmeisterschaft

Schon im April wird daher die Sonderedition „Moscow Mule“, ein Ginger-Mix-Bier, das passend zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland entwickelt wurde, auf den Markt gebracht. Weitere Produktinnovationen sollen folgen.

Um künftig schneller besondere Biersorten entwickeln und damit auf neue Wünsche der Konsumenten reagieren zu können, ist der Ausbau der hauseigenen Brauakademie wichtiger Bestandteil eines Investitionspakets. In den kommenden fünf Jahren sollen 250 Millionen Euro in die Modernisierung der Produktionsanlagen gesteckt werden, größtenteils am Hauptstandort im Langenbachtal.

Veränderungen bei Marketing und Vertrieb

Als weitere Schwäche wurde die fehlende Strategie bei Marketing und Vertrieb ausgemacht. „Warsteiner hat mit der Marke in den vergangenen Jahren zu viele Geschichten auf einmal erzählt“, bemängelt Alessandra Cama. Künftig wolle sich das Unternehmen auf einen Erzählstrang konzentrieren.

Außerdem sollen die Vertriebler, deren Zahl nicht reduziert wird, geschult werden. „Wir wollen mit den Kunden im Handel zusammen Ideen entwickeln, wie unsere Produkte präsentiert werden können“, erklärt die Geschäftsführerin, die erst zum Jahresbeginn die Verantwortung für die Sparten Marketing und Vertrieb von Martin Hötzel übernommen hatte.

Brauerei soll dauerhaft in Familienhand bleiben

Konzentriert wird auch das Auslandsgeschäft: Der Fokus soll künftig auf Italien, die Niederlande und die USA gelegt. Außerdem soll der Marktanteil in Großbritannien und Spanien wachsen. Kleinere Märkte, für die bislang meist trotzdem eigene Flaschen oder Etiketten hergestellt werden mussten, sollen nicht mehr bedient werden.

Mit all diesen Änderungen soll die Warsteiner Brauerei zukunftsfest aufgestellt sein. „Wenn man von 1753 kommt, liegt der Horizont nicht bei zwei bis drei Jahren“, betont Carsten Rockholtz, „dann geht es um Generationen.“

Brauerei-Inhaberin Catharina Cramer formuliert ihr Ziel in einer Pressemitteilung: „Ich möchte dieses grundsolide Unternehmen eines Tages an die zehnte Generation übergeben können.“ Zunächst stehen nun Gespräche mit Arbeitnehmervertretern an.

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