Heimatgeschichte

Neue Hoffnung auf Fund von Oestervelde

Die Spurensuche nach der Kirche im Kallenhardter Ur-Dorf Ostervelde geht weiter: Torsten Riese und seine Helfer von den Heimatfreunden untersuchen das Gelände mit dem Bodenradar.

Die Spurensuche nach der Kirche im Kallenhardter Ur-Dorf Ostervelde geht weiter: Torsten Riese und seine Helfer von den Heimatfreunden untersuchen das Gelände mit dem Bodenradar.

Foto: Armin Obalski

Kallenhardt.   Bei Bodenradarmessung zeichnet sich etwas im Boden ab. Auswertung dauert noch an. Warum der Fund eine große Bedeutung für Kallenhardt hätte.

Bei der Suche nach der Kirche des Kallenhardter Ur-Dorfes Ostervelde gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht. Die am Montag vorgenommenen Magnetfeldmessungen haben keine weitere Erhellung gebracht auf der Suche nach den Grundmauern der Kirche.

„Es hat sich keine Mauer oder Ähnliches gezeigt“, berichtete am Dienstag Torsten Riese, der die Messungen mit Unterstützung von Mitgliedern des Fördervereins für Heimatpflege und traditionelles Brauchtum vornimmt. Gestern folgte dann die bereits angekündigte Bodenradarmessung. Und siehe da: Irgendetwas muss da tatsächlich unter dem Grün der Wiese sein: „Profile bilden sich im Display ab“, so Riese.

Langwierige Auswertung

Zum Jubeln ist es aber für die Heimatfreunde genauso zu früh, wie zum Trübsalblasen: Erste konkrete Ergebnisse sind frühestens Mitte kommender Woche zu erwarten. Dann haben Riese oder seine Kollegen des auf so genannte archäologisch-geophysikalische Prospektionen spezialisierten Unternehmens die Datensätze der einen, wie der anderen Untersuchung ausgelesen und zu sichtbaren Bilden verarbeitet, die einen tatsächlichen Blick unter die Erdoberfläche erlauben.

Der 3D-Datenblock werde, wie Torsten Riese erläutert, in horizontale Scheiben geschnitten. „Damit kann man in die Tiefe sehen und feststellen, ob sich dort tatsächlich Mauern oder Fundamente befinden.“

Keinesfalls überflüssig waren aber auch die Magnetfeldmessungen. Hiermit sollten Störungen etwa geologischer oder archäologischer Art im Magnetfeld der Erde aufgespürt werden. Jetzt ist klar: Diese gibt es im Bereich der Ostervelde-Kirche nicht. „Die Magnetfeldmessung funktioniert nur, wenn eventuell vorhandene Mauern sich anders verhalten als das Umgebungsgestein“, erläutert Torsten Riese. Hochgebrannte Ziegel oder Kalkstein würden solche Störungen verursachen. „Das Gestein hier verhält sich genau so wie die Umgebung“, so Riese.

6000 Quadratmeter hatte er mit dem Magnetometer abgelaufen. 2000 Quadratmeter davon, die im Kernbereich rund um den mutmaßlichen Kirchenstandort liegen, nahm er gestern in jeweils 50 Zentimeter breiten, ebenfalls mit Maßband und Wäscheleinen exakt abgegrenzten Streifen unter das Bodenradar. Dessen Auswertung sei ohnehin allgemein langwierig, werde in diesem Fall aber noch erschwert durch das schwierige, hügelige Gelände, das zudem spitz zuläuft, so dass die einzelnen Profile unterschiedlich lang sind.

„Wir werden sehen, ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat“, war Rainer Geesmann, Vorsitzender der Heimatfreunde, am Dienstagmittag, als sich die Arbeiten dem Ende zuneigten, hin und her gerissen zwischen Optimismus und Skepsis. Einen Sandsteinquader, der ein Stück aus der Erde ragt, erklärte er spontan schon zum Fundamentstein der Sakristei. Aber: „Wir sind schon zufrieden, wenn wir nur fünf Meter Grundmauern finden“, schraubte er die Ansprüche herunter.

Auswirkung auf Gründungsdatum

Ein solcher Fund aber hätte für Kallenhardt große Bedeutung: In historischen Schriften ist nach Rainer Geesmanns Angaben vermerkt, dass schon im 9. Jahrhundert die Menschen zur Kirche in Ostervelde gingen. Würde jetzt der Nachweis für den Kirchenstandort erbracht, „dann müssen wir einen neuen Geburtstag feiern“, findet Rainer Geesmann. Bisher ist das Jahr 1072 verbrieft als Gründungsdatum Osterveldes und damit in seiner Nachfolge Kallenhardts.

2022 könnte somit das 950-jährige Jubiläum gefeiert werden – vielleicht aber auch ein noch viel höheres.

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