Beichten in Sichtigvor

Pfarrer Sauerwald: Warum die Beichte immer noch wichtig ist

Pfarrer Josef Sauerwald am Beichtstuhl der Pfarrkirche St. Margaretha in Sichtigvor. Der 76-Jährige nimmt hier seit knapp 27 Jahren die Beichte ab.

Foto: Sebastian Hahn

Pfarrer Josef Sauerwald am Beichtstuhl der Pfarrkirche St. Margaretha in Sichtigvor. Der 76-Jährige nimmt hier seit knapp 27 Jahren die Beichte ab. Foto: Sebastian Hahn

Mülheim.   Pfarrer Josef Sauerwald hat in 44 Jahren einiges im Beichtstuhl erlebt. Warum er einst einen Polizeieinsatz mit seiner Zivilourage beendete.

Das Telefon klingelt spät am Abend, Josef Sauerwald nimmt ab: „Josef kannst du nochmal rausfahren, es ist dringend. Der Pfarrer ist nicht da“, sagt die besorgte Stimme am anderen Ende des Apparats. Josef Sauerwald, noch junger Vikar, setzt sich ins Auto und fährt raus.

Ein Mann, Sauerwald kennt ihn persönlich, hat sich in seinem Haus eingeschlossen, das Gewehr in der Hand. Polizei und Notarzt sind ebenfalls vor Ort, seine Frau sitzt weinend auf der Treppe. „Jeden, der reinkommt, knall’ ich ab“, sagt der Mann. Josef Sauerwald ist sich der Gefahr bewusst, zögert aber nicht lange. „Mich knallst du nicht ab“, sagt der Vikar entschlossen und geht in den Raum, beruhigt den Mann. Später nimmt er ihn mit nach Hause, redet die ganze Nacht mit ihm. „Um halb fünf morgens habe ich gesagt: ‘Du kommst später nochmal wieder.“

Vertrauen als oberste Priorität

Vertrauen steht für Josef Sauerwald, heute 76 Jahre alt, bei der Beichte besonders im Vordergrund. Auch, wenn er an den Vorfall aus seiner Anfangszeit zurückdenkt. „Später war er regelmäßig bei meinen Gottesdiensten, hat mich in den Arm genommen, geschluchzt. Das war seine Art, Danke zu sagen.“

Beide kennen sich heute noch, haben ein gutes Verhältnis zueinander. „Viele Menschen kommen immer wieder zum Gespräch zu mir, weil sie mich eben kennen. Egal ob aus dem Ort, von Festen oder von früher.“

Ehrlichkeit sei ein Punkt, der vor allem in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist, so Sauerland. „Es kommen zwar nicht mehr so viele Menschen wie früher, dafür sind sie aber offener und ehrlicher. Bei der Beichte geht es auch darum, Schuld einzugestehen und sich Gott wieder zuzuwenden. Denn dieser wendet sich nicht von einem ab, sondern steht immer an der Seite der Gläubigen.“

Beichte mit Bildern erklären

Eine Kirche in Spanien: Josef Sauerwald ist zu Gast bei einem Kollegen. Immer wieder hört der spanische Pfarrer ein Gemeindemitglied an, immer wieder vergibt er ihm. Doch es nützt nichts: Jede Woche kehrt der Mann wieder im Beichtstuhl ein, gesteht die gleichen Sünden. Als der Pfarrer ihn nicht mehr freisprechen will, klirrt es hinter dem Spanier: Der Arm des Jesus-Figur, die am Kreuz hängt, ist abgefallen. „Als würde Jesus zu dem Pfarrer sagen: ‘Wenn du ihm nicht vergibst, mache ich es’“, berichtet Josef Sauerwald.

Bilder sind für Josef Sauerwald wichtig, um das Sakrament der Beichte zu vermitteln. „Vor allem im Bußgottesdienst arbeiten wir mit Bildern und Beispielen, damit jeder diese auch auf seine persönliche Situation übertragen kann.“

Dabei arbeitet er oft mit einfachen Geschichten: Wie Kindern, die zusammen eine Brücke aus Schlamm bauen oder Vater und Sohn, die sich nach kurzem Streit doch wieder vertragen. Wichtig ist Sauerwald auch, dass die Menschen den Sinn der Beichte verstehen: „Viele wissen nicht, was genau eine Sünde ist-"

Straftaten sind in 44 Jahren auch schon mal Thema im Beichtstuhl gewesen. „Ich unterliege ja der Schweigepflicht, versuche den Menschen aber immer einen Lösungsweg aufzuzeigen.“ Am besten mit Bildern und Beispielen.

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