Geschichte

Ratsschänke ist Rüthens Schatzkästchen

Es gibt viel zu entdecken: Martin Krüper weist auf die Hansekogge hin, die ein prägendes Element in der Hansestube der Ratsschänke ist.

Es gibt viel zu entdecken: Martin Krüper weist auf die Hansekogge hin, die ein prägendes Element in der Hansestube der Ratsschänke ist.

Foto: Armin Obalski

Rüthen.   Bier und Kunst: Die Ratsschänke in Rüthen vereint beides unter einem Dach. Wer mehr wissen will, ist bei einer Führung mit Martin Krüper richtig.

Oft hat Martin Krüper in den vergangenen Jahren bei seinen Stadtführungen vor der Historischen Ratsschänke gestanden und gedacht, dass sich in deren Räumen eine ganze Stadtführung im Trockenen und bei einem Glas Bier anbieten würde. Nur war das Haus lange geschlossen. Seit einem Jahr ist es wieder geöffnet und Krüper setzt seine Idee in die Tat um.

Multitalent und Rüthener Ehrenbürger

Um die Bier- und Brauereigeschichte geht es bei der Führung, die Martin Krüper am Samstag, 27. Januar, anbietet. Um die Familie Helle als Inhaber der früheren Brauerei und besonders um Eduard Bufé. Der Rüthener Ehrenbürger, geboren 1898 in Münster, gestorben und begraben 1982 in Rüthen, war ein Multitalent: Pädagoge, Künstler und Architekt. Er hat die Historische Ratsschänke, einst das Stammhaus der Brauerei Helle gestaltet. Ihr Inneres, von der Brau- über die Hanse bis zur Ratsstube, ist bis heute von seiner künstlerischen Schaffenskraft geprägt – von den Wandverkleidungen über die Fenstergestaltung bis zu den mächtigen Leuchtern.

Viele Anspielungen auf die Stadtgeschichte

Dies alles – und vieles mehr – möchte Martin Krüper in den Blickpunkt rücken, mehr als es bei einem normalen Gasthausbesuch möglich ist. „Es gibt so viele Anspielungen auf die Stadtgeschichte“, berichtet der Rüthener, der zwei Ecken weiter aufgewachsen ist und dort lebt. Da sind die Namen der Bürgermeister, die angefangen mit Rolandus von Langenstrut 1282 bis in das 20. Jahrhundert in den Butzenscheiben der Ratsstube verewigt sind. Da ist die große Hansekogge, die in der Mitte der Hansestube thront und Rüthens Zugehörigkeit zur Hanse unterstreicht. Da ist die Bierprobe, die samt eines deftigen Spruchs eines der Fenster in der Braustube ziert.

Zahlreiche gastliche Häuser vom „Pinkus Müller“ in Münster über den „Goldenen Hahn“ in Lippstadt und den „Wilden Mann“ in Soest bis zur „Domschänke“ in Warstein hat Eduard Bufé gestaltet. Auch das Alte Rathaus in Rüthen und die Eingangshalle des Briloner Rathauses tragen seine unverkennbare Handschrift.

Eduard Bufés wohl persönlichstes Objekt

Die Ratsschänke in Rüthen jedoch ist sein persönlichstes Objekt. Als künstlerischer Mitarbeiter der Dortmunder Union Brauerei, berichtet Krüper, ist Bufé während der 2. Weltkrieges nach Rüthen gekommen – und blieb der Liebe wegen. Hier hat er die Tochter eines wohlhabenden Gastwirtes geheiratet, hier erhielt er von seinem Schwager Willi Helle den Auftrag zur Innenausstattung der 1926 neu gebauten Ratsschänke. Er wusste was er an Rüthen hatte: „Fette Fische und schöne Mädchen fängt man an der Möhne“, heißt es – allerdings auf Platt – in Anspielung auf seine Familiengeschichte auf einer Kachel neben der Theke.

Auch für Martin Krüper ein Stück Familiengeschichte

Und auch für Martin Krüper bedeutet die Ratsschänke ein Stück Familiengeschichte. „Es gibt mein ganzes Leben lang Berührungspunkte“, sagt er. Als Kind hat er bei einer Hochzeitsfeier im Saal ein Gedicht ausgesagt, als Student bei Helles Bier ausgefahren, seine Mutter hat sogar ein Jahr lang das Lokal betrieben.

Die Führung beginnt am Samstag, 27. Januar, um 17 Uhr vor der Ratsschänke. Weiter geht es im Lokal mit vielen Informationen und Anekdoten. Die Teilnahme kostet zehn Euro inklusive einer Brotzeit und zwei Bergstadtpils. Mark Wiegelmann, Inhaber der Ratsschänke, lässt die Traditionsmarke der Brauerei Helle wieder exklusiv brauen.

Da die Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt ist, sind Anmeldungen unbedingt erforderlich entweder direkt in der Ratsschänke oder unter 0151/40105402.

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