Geschichte

Rüthener Schüler pflegen Erinnerung an jüdische NS-Opfer

Machen die Stolpersteine wieder lesbar (von links): Anne, Mausbach, Lehrer Christian Neuhaus, Niels Leunis, Pia Lübke und Torben Bartsch. Die Jugendlichen sind Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums und engagieren sich zugleich bei den Jungen Liberalen (Julis).

Machen die Stolpersteine wieder lesbar (von links): Anne, Mausbach, Lehrer Christian Neuhaus, Niels Leunis, Pia Lübke und Torben Bartsch. Die Jugendlichen sind Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums und engagieren sich zugleich bei den Jungen Liberalen (Julis).

Foto: Armin Obalski

Rüthen.   Stolpersteine erinnern in Rüthen an das Schicksal jüdischer Mitbürger in der NS-Zeit. Schüler sorgen dafür, dass deren Spuren sichtbar bleiben.

Selbstverständlich gibt es auch in Rüthen Folgen des Nazi-Terrors. Jüdische Mitbürger, vormals geachtete Mitglieder der Gesellschaft, wurden drangsaliert, enteignet, vertrieben und/oder in Konzentrationslagern ermordet. Viele Spuren ihres Lebens inmitten der damaligen Bürgerschaft sind inzwischen verschwunden. Stolpersteine, elf Stück an der Zahl, an sechs Orten verlegt, erinnern an sie. Damit diese Erinnerung nicht verblasst, haben vier Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums (FSG) sie jetzt wieder zum Glänzen gebracht.

Durch den Künstler Gunter Demnig verlegt

Zwar erst in den Jahren 2015 und 2016 durch den Künstler Gunter Demnig verlegt, sind die Stolpersteine in die Jahre gekommen, was man ihnen ansieht. Das Messing ist schwarz geworden, Namen und Daten der früheren Bewohner der Häuser sind nahezu unleserlich. Die Menschen gehen achtlos über sie hinweg.

Pia Lübke, Anne Mausbach, Niels Leunis und Torben Bartsch wollen daran etwas ändern. Die vier jungen Leute sind Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums, besuchen dort Geschichtskurse. Und sie sind zugleich Vorstandsmitglieder der erst vor wenigen Monaten in Rüthen gegründeten Jungen Liberalen (Julis). Sie polieren die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger in Rüthen auf. Das ist ihr erstes Projekt als Julis. „Die Steine müssen glänzen, wenn man über sie stolpern soll“, sagt Christian Neuhaus von der Fachschaft Geschichte am FSG. „Unser Interesse ist, dass sich Schüler sozial und politisch engagieren“, erklärt er. Hier kommt beides zusammen. Die politische Ausrichtung bei solchen Projekten spielt dabei (fast) keine Rolle.

Auschwitz-Fahrt gibt Anstoß für Aktion

„Die Idee zur Pflege der Stolpersteine wurde durch eine Auschwitz-Fahrt geboren“, erklärt Niels Leunis, Vorsitzender der Jungen Liberalen in Rüthen, rückblickend auf eine Fahrt in das heute in Polen gelegene Konzentrationslager. Die Julis wollen auch zukünftig die Pflege der Stolpersteine übernehmen, gemeinsam mit jetzigen und künftigen Schülern der Fachschaft Geschichte am FSG, die ohnehin laut Lehrer Neuhaus regelmäßig im Rahmen des Unterrichts die Erinnerungsstätten vor Ort aufsuchen. Die Stolpersteine würden einen Beitrag dazu leisten, „die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und den Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, erklären die politisch engagierten Schüler ihre Initiative. „Dieses Thema ist zu wichtig, um es in Vergessenheit geraten zu lassen“, so Niels Leunis.

Mit speziellem Poliermittel und Scheuerschwamm

Mit einem speziellen Poliermittel und Scheuerschwamm arbeiten sich die jungen Leute von Stolperstein zu Stolperstein, von Standort zu Standort vor. Ganz so blank und goldglänzend wie nach der Verlegung werden die kleinen Messingplatten zwar nicht mehr, aber das spielt keine Rolle. Es ist wieder lesbar, welcher jüdische Mitbürger hier wohnte und welches Schicksal ihm widerfuhr.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben