Schule

Schulnoten durch Berichte ersetzen

Beurteilung durch Noten oder Berichte? Die Schüler der Klasse 10a (hier mit Deutschlehrer Klaus Herting) der Belecker Realschule sind geteilter Meinung.

Foto: Nina Meise

Beurteilung durch Noten oder Berichte? Die Schüler der Klasse 10a (hier mit Deutschlehrer Klaus Herting) der Belecker Realschule sind geteilter Meinung. Foto: Nina Meise

Warstein/Belecke.   Sollen Schüler künftig mit Berichten anstatt mit Noten beurteilt werden? Lehrer- und Schülermeinungen gehen auseinander.

Wie gut oder schlecht man seine schulische Karriere bestreitet, wird seit Urzeiten durch Noten protokolliert. Das herkömmliche Bewertungssystem ist also aus den Köpfen von Schülern, Eltern und Lehrern gar nicht mehr wegzudenken.

Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, sprach sich kürzlich jedoch für eine Abschaffung von Schulnoten aus und forderte stattdessen die Einführung von individuellen Berichten, die der Bewertung der Schüler gerechter werden sollen. Kann eine Bewertung ohne Noten funktionieren? Sind individuelle Berichte eine gute Alternative?

Einheitliche Meinung unter Lehrern

Karin Scheithauer, Schulleiterin der Liobagrundschule in Warstein, spricht sich ganz klar für die Bewertung durch Noten aus. „Die Note gilt als klare Aussage“. Dadurch dass die Kinder in der Grundschule bis zur dritten Klasse nur durch Berichte bewertet werden, fragen sich vor allem Eltern oft, welche Note dahinter steht, erklärt sie. Im Sachunterricht werden an der Grundschule, laut Scheithauer, nur Punkte vergeben. „Da fragen die Kinder dann auch welche Note die Punktzahl ergibt.“

Durch das Notensystem lassen sich außerdem Steigerungen besser erkennen und die Schüler seien dann auch motivierter, so die Schulleiterin. „Wenn man sich beispielsweise in einem Halbjahr verbessert, ist durch Noten der Erfolg schneller sichtbar“.

Auch Markus Schiffer, Schulleiter der Sekundarschule in Belecke sieht durch das Notensystem eine aussagekräftigere Evaluierung der Leistungsstärke: „Noten sind immer ein Mittel der Vergleichbarkeit. Berichte reduzieren diese Vergleichbarkeit womöglich.“ Falls es zu der Einführung der Berichte kommen sollte, überlegt der Schulleiter weiter: „Schulnoten begleiten alle mit mehr oder weniger gutem Bauchgefühl. Würde man diese mit einem Bericht verbinden, wäre das vielleicht eine praktikable Umsetzung.“

Christine Terske, Schulleiterin der Realschule in Belecke, sieht die Vorteile von Berichten ganz klar nur in der Grundschule begründet: „Die Berichtsform ist in der Grundschule dezidiert, sie beschreiben dort die Kompetenzen konkret.“

Genau wie für Schiffer, liegt für Terske die Schwierigkeit von Berichten in weiterführenden Schulen darin, dass die Vergleichbarkeit für Schüler und Eltern wegfällt. „Das Notensystem bietet eben den Vorteil der besseren Orientierung, der schnelleren Einordnung.“ Dennoch spricht sich die Schulleiterin prinzipiell nicht gegen Berichte aus, findet „Noten aber praktikabler“.

Schüler sind zwiegespalten

Unter den Schülern der Realschule in Belecke herrscht eine geteilte Meinung. „Ich finde Berichte besser, da stehen immer liebe Sachen drin und man erfährt, was man besser machen kann“, erklärt eine Schülerin der zehnten Klasse. Eine andere Schülermeinung zu dem Thema lautet: „Ich finde Noten besser, da weiß man genau wo man steht.“

Zwiegespalten zeigt sich eine weitere Schülerin, die eine Kombination aus beiden Bewertungssystemen vorschlägt: „Eine Note sagt nicht unbedingt was aus, manchmal hat man einen schlechten Tag und schreibt eine schlechte Note, kann diese aber dann durch das Mündliche ausgleichen, das in einem Bericht dann ja vielleicht auch so berücksichtigt werden würde.“

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