Verschwundenes Mädchen

Sechsjährige Olivia bleibt verschwunden – Rätselraten geht weiter

„Wenn das Mädchen tatsächlich jetzt in Polen ist und die Mutter damit einverstanden ist, dann reden wir hier nicht von einer Entführung“, erklärt Oberstaatsanwalt Werner Wolff aus Arnsberg.

„Wenn das Mädchen tatsächlich jetzt in Polen ist und die Mutter damit einverstanden ist, dann reden wir hier nicht von einer Entführung“, erklärt Oberstaatsanwalt Werner Wolff aus Arnsberg.

Foto: WP

Belecke.   Die sechsjährige Olivia aus Belecke wird noch immer gesucht. Es ist unklar, ob es sich um eine Entführung handelt, da die Rechtslage sehr kompliziert ist. Der leiblichen Mutter obliegt das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Das Jugendamt hofft auf einen schnellen Ermittlungserfolg.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wo ist Olivia? Die Sechsjährige, die vor Weihnachten verschwand, wird immer noch gesucht. „Wir haben derzeit wenige Möglichkeiten. Im Grunde können wir nur hoffen, dass die Polizeibehörden Erfolg mit ihrer Suche haben“, erklärt Jugendamtsleiterin Jutta Heinert, „wir können nicht beruhigt sein, so lange wir nicht wissen, wo sie ist und wie es ihr geht.“

Heinert betont, dass es in der Vergangenheit keinerlei Auffälligkeiten bei den Besuchsregelungen gegeben habe: „Olivias leibliche Mutter hat nach wie vor das alleinige Sorgerecht. Die Kleine lebt für die Dauer der Therapie ihrer leiblichen Mutter in der Pflegefamilie, aber sie hat sowohl ihre Mutter als auch ihren leiblichen Vater regelmäßig gesehen.“

Diese Besuche seien aus Sicht des Jugendamtes stets gut verlaufen, so Heinert: „Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter war gut.“ Auch der leibliche Vater habe sich stets an die Absprachen gehalten. „Es gab keine Hinweise, dass so etwas passiert.“

So habe auch nichts dagegen gesprochen, dem Wunsch des Vaters, seine Tochter vor Weihnachten noch zu sehen, zu gewähren. „Auch wenn er nicht das Sorgerecht hatte, er hat sich an alle Absprachen gehalten und als leiblicher Vater hat er natürlich auch Rechte“, stellt Franz Wiese als zuständiger Fachbereichsleiter klar.

Leibliche Mutter nicht beunruhigt

Dass die Pflegefamilie über den spontanen Besuch nicht informiert wurde, sei ein bedauerliches Versäumnis, aber kein Verstoß, erklärt Jutta Heinert: „Das Kindergartenteam hat bei uns nachgefragt, ob dieser Besuch erlaubt ist. Das war richtig.

Aber die Pflegefamilie muss bei solchen Besuchen nicht informiert werden, weil das alleinige Sorgerecht ja nach wie vor bei der leiblichen Mutter liegt.“ Trotzdem sei die Pflegefamilie in der Vergangenheit über die Besuche im Vorfeld in der Regel unterrichtet worden: „Da bedarf es ja auch einer gewissen Vor- und Nachbereitung“, so Heinert.

Nachdem der Kindergarten am 19. Dezember meldete, dass Olivias leiblicher Vater seine Tochter anders als verabredet nicht zurückgebracht hatte, stimmte auch die leibliche Mutter der Vermissten-Meldung zu. Jutta Heinert selbst besuchte die 46-Jährige. „Sie wirkte nicht beunruhigt und sagte mir, dass sie denke, es gehe Olivia gut.“

Rechtslage schwierig

Für die Staatsanwaltschaft stellt sich der Fall schwierig dar: Da die leibliche Mutter nach Auskunft des Jugendamtes nach wie vor das alleinige Sorgerecht für Olivia hat, obliegt ihr auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind. Das bedeutet, dass sie entscheiden kann, wo ihr Kind lebt.

„Wenn das Mädchen tatsächlich jetzt in Polen ist und die Mutter damit einverstanden ist, dann reden wir hier nicht von einer Entführung“, erklärt Oberstaatsanwalt Werner Wolff aus Arnsberg. Dies sei jedoch zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Zunächst bleibt die drängenden Frage: Wo ist Olivia?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >