Leseabende

Sein Hobby ist mörderisch

Der mörderische Buchhändler: Bernhard Dust schreibt selbst Krimis und ist Initiator von Mord auf'm Dieploh

Foto: Tanja Frohne

Der mörderische Buchhändler: Bernhard Dust schreibt selbst Krimis und ist Initiator von Mord auf'm Dieploh Foto: Tanja Frohne

Warstein.  Bernhard Dust ist Initiator von „Mord auf’m Dieploh“. Für das Warsteiner Formatkombiniert er seine Leidenschaft für Krimis mit der Liebe für Literatur.

Es ist später Abend. Ein roter Wagen steht vor der Buchhandlung Dust. Die Scheiben sind mit blutigroten Schlieren verschmiert, eine zusammengesunkene Gestalt sitzt am Steuer. Hat der mörderische Buchhändler wieder zugeschlagen? Ins Leben gerufen hat diesen – ebenso wie die literarische Veranstaltung „Mord auf’m Dieploh“ – Bernhard Dust. Beides, seine Leidenschaft fürs Mörderische und die Leseabende hängen eng zusammen.

Schon lange war Bernhard Dust mit der Idee, einen Krimi-Leseabend anzubieten, schwanger gegangen. In Soest, wo seine Familie ebenfalls eine Buchhandlung hatte, habe man die Einzelhändler aber nie unter einen Hut bekommen können. Also startete er in Warstein in der Dieplohstraße einen Vorstoß. „Die Händler waren sofort mit im Boot und die Veranstaltung hat gut eingeschlagen.“ Innerhalb kürzester Zeit waren alle Eintrittskarten vergeben. Das Besondere an „Mord auf’m Dieploh“: Gelesen wird im intimen Rahmen der Geschäftslokale, im Bus und im Kirchturm der Pfarrkirche. Hinzu kommen Fackeln und mörderische Dekorationen – von der blutigen Axt bis zur Leiche – die für ein besonderes Ambiente sorgen.

Schon immer gerne geschrieben

Da er schon immer gerne selbst Geschichten geschrieben habe – allerdings keine Krimis – überlegte sich Dust, seinen mörderischen Beitrag selbst zu verfassen und vorzulesen. „Ich hab’ das Schreiben immer weiter vor mir hergeschoben bis zur Krimi-Nacht. Dann habe ich mich hingesetzt und meine kriminalistische Ader ausgelebt“, erzählt Dust. Das Ergebnis war die Geschichte „Warstein kann sehr kalt sein“ mit einem psychopathischen Buchhändler als Täter.

Gekonnt vermischte Dust Lokalkolorit und schrullige Gestalten zu einer spannenden – aber vor allem auch komischen – Geschichte. „Die Geschichte sollte schon lustig sein, ein ernster Thriller ist nicht mein Ding“, erklärt Dust. „Ich hab mich vorher nie getraut, eine eigene Geschichte vorzulesen. Ich wusste ja nicht, wie sie bei den Leuten ankommt. Man hätte mich ja für total schrullig halten können.“ Die Sorge war unbegründet. Die Warsteiner waren begeistert – von „Mord auf’m Dieploh“ und von Bernhard Dusts Fabulierkunst.

„Ich treffe wohl einen gewissen Nerv. Den Leuten macht es Spaß – und mir auch.“ Eine Neuauflage war somit schnell beschlossene Sache – sowohl, was die Krimi-Nacht betrifft, wie der Entschluss, seine eigenen Mordgedanken wieder in eine Kurzgeschichte zu fassen. Dieses Mal verschlug es Hauptkommissar Otte an den Lörmecketurm, ein Jahr später galt es, in „Fleischeslust“ einen Mord im Legoland aufzuklären.

Inzwischen hat sich Dust auch getraut, in seiner Heimat Soest mörderisch tätig zu sein und hier einen seiner Krimis spielen zu lassen. Zwei weitere Kurz-Krimis wurden bisher nicht veröffentlicht. „Ich weiß noch nicht, ob ich die als Heftchen herausbringen werde“, meint Dust.

Eher möchte sich Dust auf die nächsthöhere Stufe begeben und sich einen guten Verlag suchen, um seine Krimis an die Leser zu bringen. Allerdings nicht als Kurzgeschichten-Sammlung. „Alle Krimis sind so ausgelegt, dass man sie auf ein paar hundert Seiten ausdehnen könnte. Ich würde meine Geschichten lieber erweitern, als dass ich drei kleine schreibe.“

Der jüngste Kurz-Krimi über das Altstadtcafé in Soest habe im Original schon 150 Seiten gehabt. „Wenn ich eine Lesung habe, kürze ich die Geschichten ein.“ Auf etwa 30 Seiten, was 30 Minuten Lesezeit entspreche.

Auch auf anderen Feldern aktiv

Liegt Bernhard Dust das Mörderische im Blut? Ist er selbst ein Krimi-Fan? „Ich bin nicht nur im Spannungs-Bereich unterwegs“, erzählt Dust. „Krimis überraschen mich wenig. Vieles ist vorhersehbar.“ Dabei meint er weniger, dass er als Experte schon auf Seite 10 weiß, wer der Mörder ist, sondern, dass immer die gleichen Klischees, wie der problembelastete Kommissar aus dem hohen Norden, bedient werden.

„Das ist auch ein bisschen bei meinen Krimis das Problem“, räumt der Buchhändler ein. „Die Leute wissen, dass was Lustiges mit Lokalkolorit kommt, immer mit der gleichen Hauptperson.“ Daher sei er manchmal „selbst ein bisschen von mir genervt“.

Zur Lesenacht auf’m Dieploh müsse daher in diesem Jahr etwas Neues her. Vielleicht wird ja Kommissar Otte selbst das Mordopfer. „Aber ich habe noch keine konkrete Idee.“ Vielleicht kommt ihm die wieder kurz vor knapp, wie bei seinem ersten Kurz-Krimi.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik