Tag der Brieftaube

So sehen Warsteins Taubenschläge von innen aus

Marco Cordes (16) balanciert zwei Jungtauben auf seinem Arm.

Marco Cordes (16) balanciert zwei Jungtauben auf seinem Arm.

Foto: Elisa Sobkowiak

Allagen.  Am Tag der Brieftaube öffnen die Warsteiner Taubenzüchter ihre Schläge. Was die Züchter antreibt und warum in „Schnuckis“ Tochter Hoffnung liegt.

Rot, grün, blau, weiß – wenn ein paar Sonnenstrahlen auf den Schlüsselbund von Franz-Josef Rubarth treffen, beginnt er erst recht kunterbunt zu schillern. Nicht, weil Rubarth eine besondere Vorliebe für außergewöhnliche Schlüsselanhänger hätte – sondern weil sie den 48-Jährigen tagtäglich an sein jahrzehntelanges Hobby erinnern, seine Leidenschaft. Denn seit nun 32 Jahren schon betreibt er Taubensport.

Und seit 32 Jahren sammelt er einige der Ring-Kennzeichnungen der Tauben, die sie wie ihren Personalausweis um den Fuß tragen, an seinem Schlüsselbund.

Umzug von Erwitte nach Allagen

Zunächst war der Taubenzüchter in einem Erwitter Verein aktiv. Ihm wurde der gefiederte Tiersport ebenso in die Wiege gelegt, wie auch Jörg Cordes – schon ihre Väter beschäftigten sich mit Brieftauben und den damit einhergehenden Wettkämpfen. Nachdem Rubarths Verein dicht machte, schloss er sich im Frühjahr 2009 mit Cordes und seinen beiden Söhnen Jonas (13) und Marco (16) zusammen: „Eigentlich haben wir uns die vorherigen zehn Jahre eher als Konkurrenten betrachtet“, denkt Franz-Josef Rubarth heute lachend zurück, „aber schon als wir uns das erste Mal getroffen haben, wusste ich, das harmoniert.“

Und heute, fast zehn Jahre später, sitzen die vier Inhaber des Taubenschlags im Garten Cordes in Allagen zusammen – begrüßen am Sonntag rund 80 Besucher des ersten Tags der offenen Tür zum Tag der Brieftaube, die sich ihre insgesamt 100 Alt- und 60 Jungtiere ansehen und über den Sport informieren wollen.

Aussterbende Spezies

Alleine ist ein Taubenschlag kaum zu bewältigen, erzählt Franz-Josef Rubarth. Mit Familie, Job und Urlaub kann es da schon eng werden. Denn mal eben in der warmen Jahreszeit wegfahren? In der Hauptsaison der Wettbewerbe, auf die sich ungefähr ab August des Vorjahres vorbereitet wird, undenkbar.

„Da ist es ganz gut, dass ich mit meinem Job beim Caritasverband in Soest so flexibel bin und einen verständnisvollen Chef habe“, sagt Rubarth. Und dennoch befinde sich die Leidenschaft auf dem absteigenden Ast – neben der Pflege und dem Training mit den Tauben sei der Sport dazu auch noch kostenintensiv.

Die Reisevereinigung Warstein bestehe aktuell aus etwa rund 120 Mitgliedern. „Aber wir sind eher eine aussterbende Spezies. Ich glaube nämlich nicht, dass unser Schlag nach Jörgs und meiner Generation noch fortgeführt wird“, prophezeit Rubarth.

Wohlverdiente „Rente“

Umso mehr aber stecken Jörg Cordes und Franz-Josef Rubarth volles Herzblut in ihr Hobby. Wenn die Tauben für die Wettbewerbe von Warstein aus mit dem Express weggefahren werden, herrsche bis zu ihrer Rückkehr Stress und Adrenalin pur daheim in Allagen.

„Da unterscheidet man nicht von Taube zu Taube – jede einzelne, die den Rückweg nicht schafft, schmerzt. Das fühlt sich an wie bei den eigenen Kindern“, sagt Rubarth. Immerhin begleite man die Tiere von Lebensanfang bis -ende: Vor allem Franz-Josef Rubarth, kehren die Tauben nach ihrer Karriere doch zu ihm nach Hause zur wohlverdienten „Rente“ in den Taubenschlag ein.

Weibliche Tauben haben Vorteile

Zwei Lieblingstauben nennt Rubarth dennoch: „Schnucki“ und „Omma“, zwei der erfolgreichsten Tauben der vergangenen Jahre, haben im Vergleich zu den anderen Tieren aus dem Schlag sogar einen Namen erhalten.

Mit ausschließlich weiblichen Wettbewerbstauben geht der Allagener Taubenschlag sogar das Risiko von widerspenstigen oder manchmal auch zickigen Tieren ein: „Männchen sind normalerweise leichter zu handhaben. Dafür sind weibliche Tiere durch ihre Triebe aber wettbewerbsstärker“, schmunzelt Rubarth über die Charakterzüge seiner zahlreichen Schützlinge.

Hoffnung liegt in diesem Jahr auf „Schnuckis“ Tochter. Sollte dieses Mal aber keine Taube des Cordes-Rubarth-Schlags unter den Besten landen oder Preise abräumen, sieht es Rubarth dennoch gelassen: „Ehre, wem Ehre gebührt – das muss man sportlich sehen. Während des Wettkampfs kann man sich unter den Konkurrenten zwar gegenseitig nicht leiden, aber schlussendlich sitzen wir dann alle wieder bei einem Bier zusammen und tauschen uns aus.“

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