Hundeserie

So sieht tierische Pflege im Haus Piening in Warstein aus

Hunde sind im Haus Piening keine Seltenheit. Anita Köhler hat beispielsweise bei ihrem Rundgang durch die Räumlichkeiten Gesellschaft von Sandy. Fotos:Lisa Klaus

Hunde sind im Haus Piening keine Seltenheit. Anita Köhler hat beispielsweise bei ihrem Rundgang durch die Räumlichkeiten Gesellschaft von Sandy. Fotos:Lisa Klaus

Suttrop.   Sandy kümmert sich um ihre „Patienten“ und weiß ganz genau, wann sie gebraucht wird und wann es besser ist, die Bewohner für sich zu lassen.

Ein Klingeln ertönt. Das Signal für Pflegerin Anita Köhler, dass ein Bewohner des Hauses Piening Hilfe benötigt. Sie steht auf und geht in den Flur des Altenheims. Doch auf dem Weg zu dem Zimmer des Bewohners ist sie nicht allein, denn pflichtschuldig ist auch Hündin Sandy aufgesprungen und läuft Anita Köhler hinterher.

„Seit wir im Jahr 2006 hier eingezogen sind, war es so, dass Mitarbeiter ihre Hunde mitbringen konnten“, blickt Einrichtungsleiterin Cornelia Wilding zurück. Probleme habe das nie gegeben, im Gegenteil: Bewohner erfreuen sich an dem Leben, dass die Hunde in das Pflegeheim bringen und die Mitarbeiter müssen ihre Tiere nicht alleine zu Hause lassen.

Keine Therapiehunde im Einsatz

Therapiehunde sind es jedoch nicht, denn die sind speziell ausgebildet und werden unter anderem in der Psychotherapie, Ergotherapie oder auch Sprach- und Sprechtherapie eingesetzt. Die Hunde, die die Mitarbeiter des Hauses Piening mit zum Dienst bringen, sind ihre Privathunde. „Wenn jemand Angst vor einem Hund hat, dann geht das Tier natürlich nicht mit ins Zimmer.

Aber es gibt auch viele Bewohner, die sich darüber freuen, wenn der Hund mit ins Zimmer kommt“, sagt Wilding. Die Hunde, die mitgebracht werden, sind ausgeglichen und aufmerksam – sie spüren, wenn ein Bewohner Aufmerksamkeit oder Trost braucht oder auch alleine gelassen werden will. „Die merken schon, wenn es angebracht ist, hinzugehen oder eben wegzubleiben“, sagt Wilding.

Bewohner dürfen Tiere mitbringen

„Für Sandy ist das wie ihr Beruf“, sagt Pflegerin Anita Köhler. Wenn nichts zu tun ist, schläft Sandy im Pausenraum der Pfleger. Beginnt jedoch der Rundgang oder ertönt die Klingel, steht sie Gewehr bei Fuß und tut wie Anita Köhler ihren Dienst. Wenn zwischendurch Zeit ist, geht es auch mal eine Runde Gassi. „Aber sie ist nach Feierabend schon ziemlich erledigt“, sagt Köhler lachend.

Für die Bewohner ist der Besuch der Hunde ein Segen – zwar dürfen sie generell eigene Tiere mitbringen, doch muss immer die Versorgung sichergestellt werden können. „Manche Bewohner bringen Fische mit. Aber zum Beispiel ein großer Hund müsste regelmäßig laufen können, er müsste auch zum Tierarzt und das kann ein Bewohner meistens nicht leisten. Dann müssen wir die Familien mit ins Boot holen“, sagt Wilding.

Gebiss unter dem Weihnachtsbaum versteckt

Doch die Bewohner haben Freude an den Hunden der Mitarbeiter, geben ihnen auch gerne Leckerchen. „Sandy stellt sich manchmal mit ihren Pfoten auf meine Beine und will gestreichelt werden“, sagt eine Bewohnerin lachend. Eine andere erinnert sich an einen lustigen Moment: „Es gab mal eine Bewohnerin, die hat immer ihre Sachen versteckt und es mussten dann alle immer suchen helfen.

Eines Tages, es war Weihnachten, war ihr Gebiss verschwunden und wir konnten es nirgends finden. Nach Weihnachten wurde der Baum weggeräumt und da lag das Gebiss. Einer der Hunde hatte es dort hingelegt“, erzählt sie lachend.

Hund aus Rumänien resozialisiert

Dass es nicht nur für die Bewohner von Vorteil ist, dass die Hunde mit ins Heim dürfen, zeigt das Beispiel von Hündin Sally. Sie gehört zu Udo Prangenberg, Hauswirtschaftsleitung, und seiner Frau Jutta. Sie kommt aus einer Tötungsstation in Rumänien.

„Sie war anfangs sehr scheu“, erinnert sich Udo Prangenberg. Doch sie habe sich in der Zeit sehr zum Positiven verändert, sei sozusagen resozialisiert worden. „Der Hund gehört mit zur Familie“, sagt Udo Prangenberg. Mittlerweile springt sie schon mal mit ins Bett der Bewohner – wenn diese das wollen – und legt sich ans Fußende. Es kommt auch schon mal vor, dass sie verschwunden ist. Dann ist sie mit dem Fahrstuhl in eine andere Etage gefahren und sitzt im Zimmer eines Bewohners.

Vor dem Tod Abschied von den Bewohnern genommen

Sally ist für das Ehepaar Prangenberg bereits der dritte Hund aus Rumänien. Sallys Vorgänger, Felix, war auf eine ganz besondere Art mit dem Haus Piening verbunden. „Er ist von sich aus zum Heim spaziert“, erinnert sich Prangenberg. Die Familie wohnt ganz in der Nähe des Hauses Piening. „Felix war nie verschwunden. Wenn er nicht zu Hause war, wussten wir, er ist im Haus Piening.“ Dann ging er auch gerne die Feuertreppe hinauf ins Heim. Selbst am Tag vor seinem Tod bestand er noch einmal darauf, ins Haus Piening gehen zu können. „Er wollte sich wohl noch einmal von den Bewohnern verabschieden“, sagt Prangenberg.

Er und seine Frau Jutta beobachten regelmäßig, wie sehr sich die Bewohner über die Hunde freuen. „Die haben ihre helle Freude daran. Manchmal lassen sie beim Essen auch ganz heimlich ein Stückchen Fleisch für den Hund unter den Tisch fallen.“

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus Warstein und dem Umland.

Folgen Sie der Westfalenpost Warstein auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik