Brauchtum

Stadt will Kulturerbe-Qualität des Belecker Sturmtags prüfen

Morgendliches Böllern beim Sturmtag in Belecke: Adalberg Friederizi füllt die Kanonen.

Morgendliches Böllern beim Sturmtag in Belecke: Adalberg Friederizi füllt die Kanonen.

Foto: Laura Handke

Belecke.   Die Idee, sich für eine Aufnahme des Belecke Sturmtags ins Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes einzusetzen, findet viele Freunde.

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Der Rheinische Karneval gehört schon dazu, genauso wie das Sternsingen und die Passionsspiele in Oberammergau – all diese Traditionsfeste und Bräuche stehen im Bundesverzeichnis für immaterielles Kulturerbe. Bald auch der Belecker Sturmtag? „Wir werden uns auf jeden Fall mal schlau machen und die Voraussetzungen klären“, will Bürgermeister Thomas Schöne eine Anregung des ehemaligen Landtagspräsidenten Eckhard Uhlenberg aufgreifen.

Der Präsident der NRW-Stiftung rief die Belecker bei der Sturmtagsfeier vergangene Woche dazu auf, eine Aufnahme in die Liste in Angriff zu nehmen. „Der Belecker Sturmtag ist etwas ganz Historisches und etwas ganz Großes“, sagte er.

Die Reaktionen

Thomas Schöne, als Privatmann zugleich Vorstandsmitglied des ausrichtenden Kultur- und Heimatvereins Badulikum, freut sich über den Vorstoß. „Diese Anregung nicht aufzunehmen, wäre doch töricht“, erklärt er auf Anfrage der WESTFALENPOST.

Ähnlich sieht das Beleckes neuer Ortsvorsteher Heiner Maas: „Eine Aufnahme in das Bundesverzeichnis wäre eine tolle Bestätigung und Anerkennung für den Kultur- und Heimatverein, der diese Tradition aufrecht erhält.“ Wie Uhlenberg betont auch Heiner Maas die Bedeutung des Sturmtags für die Vermittlung der Stadtgeschichte an die nachrückende Generation. „Der Sturmtag bringt viele Kinder von Vorneherein mit unserer Heimatgeschichte in Verbindung.“

Allerdings warnt der Ortsvorsteher vor einem Schnellschuss – und ist sich dabei mit dem Badulikum- Vorsitzenden Hans-Jürgen Raulf einig. „Wir werden vom Vorstand aus auch unsere Recherchen anstellen“, kündigt er an, „und dann werden wir sehen, inwieweit das zu realisieren ist.“ Zu große Ankündigungen will Raulf vermeiden und zunächst die Prüfung abwarten: „Von heute auf morgen wird das ja eh nicht gehen.“

Die Aufnahmekriterien

Das Verzeichnis der Deutschen Unesco-Kommission enthält bislang 72 Kulturformen, neben Brauchtumsveranstaltungen auch bundesweite Traditionen wie das Köhlerhandwerk, das Schützenwesen und die deutsche Brotkultur.

Zu den Aufnahmekriterien gehören „unter anderem eine nachweisbare Lebendigkeit sowie die kreative Weitergabe und Weiterentwicklung der Kulturform durch die Trägergemeinschaften“, in diesem Fall also durch Badulikum.

Außerdem müsse seine „Anwendung in der Vergangenheit, Gegenwart und der (nahen) Zukunft“ belegt werden, fordert die Kommission. „Da müssen wir schauen“, sieht Thomas Schöne mögliche Stolperfallen, „vieles ist ja nur mündlich tradiert, weil die meisten Unterlagen beim Stadtbrand 1805 zerstört wurden.“

Der Ablauf

Bis zu einer möglichen Aufnahme in die Liste dürften tatsächlich noch einige Jahre vergehen. Nach Angaben der Unesco-Kommission findet alle zwei Jahre eine Bewerbungsrunde statt, die nächste wohl im Sommer 2019.

Zunächst müssten sich die Belecker dann beim Landesministerium für Kultur und Wissenschaft in Düsseldorf bewerben. „Jedes Bundesland trifft in der Folge eine Vorauswahl aus den eingegangen Vorschlägen und kann bis zu vier davon an die Kultusministerkonferenz weiterleiten“, erklärt die Unesco-Kommission, die daraufhin ein Expertenkomitee mit der Prüfung beauftragen würde. Die Entscheidung treffen schließlich wieder die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters.

Die Deutsche Unesco-Kommission wirbt mit den Vorteilen einer Eintragung: „Die Aufmerksamkeit kann dazu genutzt werden, die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit der Kulturform zu erhalten und kreativ weiterzuentwickeln.“

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