Geschichte

Stolpersteine wider das Vergessen

Stolpersteine: So wie hier in Netphen im Siegerland könnte die Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger auch in Rüthen aussehen. Gunter Demnig gestaltet dieses Gedenken besonderer Art.

Stolpersteine: So wie hier in Netphen im Siegerland könnte die Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger auch in Rüthen aussehen. Gunter Demnig gestaltet dieses Gedenken besonderer Art.

Foto: WP

Rüthen.   Verwischt sind auch in Rüthen die Spuren jüdischen Lebens. Eine Initiative will mit Stolpersteinen die von den Nazis ermordeten Mitmenschen ins Gedächtnis holen.

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Bis auf den jüdischen Friedhof in Rüthen, der als der älteste erhaltene in Westfalen gilt, sind die Spuren der früheren jüdischen Mitbürger auch hier weitestgehend verwischt. Dies soll sich ändern: Ein Initiativkreis von Rüthener Bürgern will sich der europaweiten „Aktion Stolpersteine“ anschließen. Mit ihr wird dem Vergessen und Verdrängen der Verbrechen des Nationalsozialismus entgegengetreten. Lehrer der Maximilian-Kolbe-Schule und des Friedrich-Spee-Gymnasiums, die mit dem Thema Nationalsozialismus befasste Schüler betreuen, sind an der Vorbereitung der Aktion beteiligt.

Neun Rüthener deportiert

In der „Geschichte der Stadt Rüthen“ (Ausgabe 2000) ist in dem von Dr. Hans-Günther Bracht verfassten Beitrag „Rüthen im Nationalsozialismus“ ausgeführt, dass jüdische Bürger auch in Rüthen dem Terror der Nazis ausgesetzt waren und deshalb Rüthen verließen, ins Ausland auswanderten oder sich das Leben nahmen.

Neun Menschen wurden schließlich 1941/42 deportiert. Sie wurden später in Konzentrationslagern umgebracht, starben in Ghettos oder galten als verschollen.

„Für zehn nachweislich in den Tod getriebene jüdische Bürger sollen personenbezogene Zeichen der individuellen Erinnerung und Mahnung im öffentlich-alltäglichen Raum gesetzt werden. Dies soll an markanten, biografisch relevanten Stellen im Rüthener Stadtbild durch ‘Stolpersteine’ geschehen“, erklärt Franz Kaps namens des Initiativkreises.

Bei dem Projekt „Stolpersteine“, handelt es sich um ein Kunstdenkmal des Kölner Künstlers Gunter Demnig. In etwa 1000 Orten in zwölf europäischen Ländern sind von ihm bisher über 40 000 Stolpersteine verlegt worden. Bei diesen handelt es sich um 10 mal 10 mal 10 Zentimeter große Pflastersteine, die vor den Hauseingängen zu den letzten Wohnungen der betroffenen Menschen im Bürgersteig eingefügt werden. Das betrifft in Rüthen die Eingangsbereiche zu sechs verschiedenen Häusern. Auf jedem Stolperstein findet sich eine Messingplatte mit eingravierten Angaben zum jeweiligen jüdischen Mitbürger. Die Stolpersteine werden ebenerdig eingelassen und sollen die Erinnerung „zum Stolpern“ bringen – gegen das Vergessen der Gräueltaten der Nazis.

Das Friedrich-Spee-Gymnasium und auch die Maximilian-Kolbe-Schule beteiligen sich durch die Aufarbeitung der Judenvernichtung im Nationalsozialismus begleitend an der Aktion. Der Philosophiekurs des FSG unter der Leitung von Karin Singers hat sich bereits im November 2013 von Stadtarchivar Sommer die Geschehnisse der so genannten Reichspogromnacht in Rüthen erläutern lassen und die Paderborner Synagoge besucht.

Die Schüler könnten keine Wiedergutmachung für fehlende eigene Schuld und die ihrer Eltern erbringen, aber durch ihre Aufarbeitung der Geschehnisse und eine Begleitung der Aktion des Kunst-Denkmals ein Symbol der Aussöhnung mit der Vergangenheit ihrer Großeltern setzen, so der Initiativkreis.

Thema im Rat

Mit den jetzigen Eigentümern der betroffenen Hausgrundstücke ist bereits Kontakt aufgenommen und Bürgermeister Peter Weiken um Genehmigung und Unterstützung gebeten worden. Das Anliegen des Initiativkreises wird in der Ratssitzung am 10. April beraten.

Die Verlegung der Steine soll im Rahmen weiterer Aktionen gegen das Vergessen erfolgen.

Patenschaften für die Kosten des Projekts, die voraussichtlich etwa 120 Euro je Stolperstein betragen werden, können übernommen werden, betont der Initiativkreis.

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