Gericht

Streit mit Polizei auf Montgolfiade 2017 beinahe eskaliert

Weil er in dem Festzelt geraucht habe, bekam ein Mann aus Anröchte Hausverbot. Daraus enstand ein Streit, der beinahe eskalierte.

Foto: WP

Weil er in dem Festzelt geraucht habe, bekam ein Mann aus Anröchte Hausverbot. Daraus enstand ein Streit, der beinahe eskalierte.

Warstein.   Zwei Männer aus Anröchte wegen Beleidigung und Angriffs auf Polizisten angeklagt. Wie es dazu kam und was die Angeklagten den Beamten vorwerfen.

Gerade ist die 28. Montgolfiade zu Ende gegangen, da kommt beim Amtsgericht Warstein das Ballonspektakel aus dem vergangenen Jahr wieder auf den Tisch – denn am 2. September 2017 gingen nicht nur Ballone in die Luft.

Weil sie Polizeibeamte vor dem Festzelt der Montgolfiade beleidigt und tätlich angriffen haben sollen, saßen am Donnerstag ein 22-Jähriger und ein 26-Jähriger, beide aus Anröchte, auf der Anklagebank. Auslöser für das Gemenge gegen 22.30 Uhr war ein Platzverweis, den der 26-Jährige missachtet hatte.

„Ich hatte im Festzelt eine Zigarette in der Hand, die ich mir vor dem Festzelt anzünden wollte“, erinnerte sich der 26-Jährige. „Der Sicherheitsdienst kam dann auf mich zu und erteilte mir wegen Rauchens Hausverbot“, berichtete der Anröchter. Das habe er jedoch nicht einsehen wollen, da er die Zigarette noch nicht angezündet habe. Da er sich dem Hausverbot widersetzte, rief der Sicherheitsdienst die Polizei dazu.

Sein Freund, der 22-Jährige und ebenfalls Angeklagte, habe zu diesem Zeitpunkt – mittlerweile vor dem Festzelt – die Situation noch entschärfen wollen. „Ich habe mehrfach zu ihm gesagt, dass wir besser gehen sollten“, berichtete er. Dies bestätigte auch ein Polizeibeamter aus Soest in seiner Aussage. Die hitzige Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Hausverbots und des dann auch von der Polizei erfolgten Platzverweises sei jedoch weitergegangen und der Aufforderung, das Gelände zu verlassen, wurde nicht Folge geleistet.

Danach sei die Situation aus dem Ruder gelaufen. Eine Gruppe alkoholisierter Jugendlicher, wohl eine Fußballmannschaft, solidarisierte sich unbekannterweise mit den Angeklagten. „Die fanden die Polizei jetzt doof“, berichtete der Beamte. Es seien dann Beleidigungen gefallen. Ob da jedoch die Angeklagten ausfällig wurden oder die Fußballer, konnte der 47-Jährige nicht mehr klar zuordnen. Die Angeklagten wiesen den Vorwurf der Beleidigung mehrfach von sich.

Finger ins Auge gedrückt

Zu diesem Zeitpunkt sei laut dem Beamten auch die Stimmung bei dem 22-jährigen Angeklagten umgeschlagen, der einen anderen Polizisten angerempelt habe, woraufhin der Angeklagte zu Boden gebracht und fixiert wurde. „Mir wurde dabei ein Finger ins Auge gedrückt“, sagte der 22-Jährge. „Die Situation war für uns sehr gefährlich, es waren so viele aggressive Menschen. Wäre die Situation eskaliert, hätten wir uns in der Unterzahl befunden“, erinnerte sich der Beamte.

Der 26-Jährige wurde derweil erneut aufgefordert, das Gelände zu verlassen. „Dabei hat der Polizist mir das Bier aus der Hand geschlagen und mich zu Boden gedrückt“, sagte der 26-Jährige. Er habe sich gegen die Fixierung gewehrt, jedoch niemanden geschlagen – stattdessen habe er unter anderem einen Faustschlag ins Gesicht bekommen.

Schlag gegen Beamten kann nicht zugeordnet werden

„Das war ich“, gab ein 44-jähriger Beamter zu Protokoll, der seinen Kollegen bei der Fixierung des 26-Jährigen helfen wollte. Die Arme des jungen Mannes haben sie nicht zu fassen bekommen. Dabei habe auch der 44-Jährige einen Schlag in die Seite einstecken müssen: „Ich konnte aber nicht sehen, woher der Schlag kam.“

Beleidigungen habe er aber auch gehört. „Alles, was das Register hergibt“, erinnerte er sich. Einer Beamtin seien dabei außerdem die Finger verletzt worden. „Kann sein, dass ich das war, als sie versucht haben, mich zu fixieren und ich zu Boden gegangen bin“, mutmaßte der 26-Jährige.

Angeklagte hatten Alkohol im Blut

Die beiden Männer aus Anröchte wurden schließlich auf die Wache gebracht – bei ihnen wurden 1,1 und 1,3 Promille im Blut nachgewiesen. Beide wurden ebenfalls verletzt – der 22-Jährige erlitt unter anderem eine Gehirnerschütterung, nach seinen Angaben sei er bei der Vernehmung gegen eine Wand geschubst worden, der 26-Jährige hatte ebenfalls mehrere Verletzungen.

Er erinnerte sich auch an Drohungen seitens der Beamten, sollte er sich der Blutabnahme verweigern. „Ideal lief das nicht ab. Die Polizei musste natürlich schnell handeln, denn die Menschenmenge war unübersichtlich. Aber mein Mandant war nicht mehr gewahrsamsfähig, als sie mit ihm fertig waren“, sagte der Verteidiger.

Gegen den 22-Jährigen wurde das Verfahren eingestellt – mit der Auflage, 1100 Euro an die Staatskasse zu zahlen. Das Verfahren gegen den 26-Jährigen geht weiter.

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