Nachfolgetag Südwestfalen

Tipps für Unternehmer, die einen Nachfolger suchen

Beim Nachfolgetag Südwestfalen in der Warsteiner Welt informieren sich knapp 50 Unternehmer über ihre mögliche Zukunft. Foto:Sebastian Hahn

Beim Nachfolgetag Südwestfalen in der Warsteiner Welt informieren sich knapp 50 Unternehmer über ihre mögliche Zukunft. Foto:Sebastian Hahn

Warstein.   Beim Nachfolgetag Südwestfalen in der Warsteiner Welt stellen Experten Möglichkeiten vor, wie eine Unternehmensnachfolge geregelt werden kann.

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27 000 Schlüssel werden in deutschen Unternehmen jedes Jahr weitergereicht. Jedes Mal ploppen die gleichen Schlagworte in den Köpfen der Altbesitzer auf: Ungewissheit, Veränderung, vielleicht auch Zukunftsangst. Steffen Bolz und seine Kollegen vom Deutschen Institut für Unternehmensnachfolge (DIfU) wollen diese Schlagworte mit Leben füllen.

In die Warsteiner Welt haben Sie zum Nachfolgetag Südwestfalen eingeladen – um heimischen Unternehmern frühzeitig Lösungsmöglichkeiten anzubieten und einen geeigneten Nachfolger für sie zu finden.

Hidden Champions unterstützen

„Es ist falsch, sich Veränderung und neuen Strukturen zu verwehren. Es ist aber genauso falsch, als neuer Unternehmenschef alles einzureißen und mit Traditionen zu brechen“, umschreibt Bolz die Problematik in vielen Nachfolgesituationen. Drei Gastredner hat er für die knapp 50 anwesenden Unternehmer nach Warstein eingeladen, sie präsentieren drei unterschiedliche Optionen für die Unternehmensnachfolge.

„Wir befinden uns in einer der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands. Wir haben viele Familienunternehmen, viele ‘Hidden Champions’, die in ihrer Branche Marktführer sind. Wenn der eigene Nachwuchs nicht übernehmen möchte ist es daher umso wichtiger, an externe Alternativen zu denken“, sagt Bolz.

Industrie-Holding: Gemeinsam expandieren

Anschließend übergibt er das Mikrofon an Christoph Borges von der Industrie-Holding GESCO. Borges und seine Kollegen kümmern sich um knapp 15 Unternehmen deutschlandweit, allen haben Sie bei der Nachfolgersuche geholfen. „Wir übernehmen die Unternehmen zu 100 Prozent, in der Regel auch mit einer entsprechenden Übergangszeit zwischen altem und neuem Management. Das klassische ‘Hier hast du die Schlüssel und ich bin dann mal weg’ gibt es kaum noch“, erklärt Borges.

Stattdessen im Trend: eine frühzeitige Kombi-Lösung. „Viele Unternehmer kommen mit 50 oder 55 auf uns zu, wollen die Last im Unternehmen nicht alleine schultern. Wir suchen dann nach einem neuen Management, das schon an der Zukunft arbeitet, während der ursprüngliche Besitzer langsam ausscheiden kann.“

Borges denkt dabei nicht nur an Deutschland, immer wieder fallen in seinen Beispielen Länder wie Mexiko oder Brasilien. Auch den „nordamerikanischen Markt“ stellt Borges immer wieder in den Fokus. „Vielen Hidden Champions haben wir geholfen zu expandieren. Weil wir im Ausland ein Netz von Kontakten haben.“

Management-Buy-In: Externes Know-how einkaufen

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Nikolai Mackscheidt von der Firma BPE. „Wir haben uns darauf spezialisiert, ein Manager-Netzwerk aufzubauen, um für Unternehmer den passenden Nachfolger zu finden. Auch hier ist eine frühzeitige Planung absolut notwendig. 86 Prozent aller Unternehmensnachfolgen geschehen altersbedingt“, sagt Mackscheidt.

Sein Unternehmen sucht in einer Datenbank externe Nachfolger. „Wir haben damit bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Oft ist es bei internen Lösungen schwer für den neuen Chef, weil er von der Belegschaft nicht akzeptiert wird. Externe Manager bringen nochmal einen neuen Ansatz und Know-how mit, das bisher im Unternehmen noch gar nicht gefragt war“, ergänzt Mackscheidt.

Auch kombinierte Lösungen, in denen Mitarbeiter im Betrieb sich alleine um das Tagesgeschäft kümmern, seien möglich.

Kapitalbeteiligung: Rückkaufklausel inklusive

Zuletzt darf Martin Völker, Geschäftsführer bei VR Equitypartner, ans Mikrofon. Er steht für eine dritte Variante: Die Nachfolge mit Hilfe einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft. „Wir suchen Investoren, die bereit sind, in ein Unternehmen zu investieren und somit eine schrittweise Nachfolge zu ermöglichen. Wir unterstützen dies finanziell und helfen beim Aufbau neuer Standorte. Gleichzeitig ist die Rückbeteiligung der Ursprungsunternehmer sehr wichtig.“

Völker führt ein Beispiel aus, in dem sein Unternehmen zunächst ein neues Management installiert hatte, der ursprüngliche Besitzer nach knapp neun Jahren aber Gebrauch von seiner Rückkaufklausel machte.

Vor allem in Südwestfalen sei zudem ein weiterer Faktor nicht zu vernachlässigen: „Die Unternehmer sind sehr heimatverbunden, tragen eine hohe soziale Verantwortung. Oft hat es bei ihnen oberste Priorität, den aktuellen Standort zu erhalten.“

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