Totschlag

Versuchter Totschlag: Flüchtling nach Prügelei vor Gericht

Außenansicht Landgericht Arnsberg.

Foto: Armin Obalski

Außenansicht Landgericht Arnsberg. Foto: Armin Obalski

Arnsberg/Möhnesee.   Ein 32-jähriger Marokkaner soll auf einen anderen Flüchtling eingetreten und eingeschlagen haben. Er sieht sich selbst als Opfer.

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In Hand- und Fußfesseln sowie unter Begleitung von drei Polizeibeamten betrat der Angeklagte den Sitzungssaal im Landgericht Arnsberg. Vor der zweiten Großen Strafkammer als Schwurgericht muss sich seit gestern Morgen ein 32-jähriger Marokkaner wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit einer gefährlichen Körperverletzung verantworten.

Die Verteidigung ist überrascht wegen der Fesseln

Völlig „überrascht“ war der Verteidiger des Angeklagten über die sitzungspolizeiliche Anordnung, der sich sein Mandant gestern Morgen beim Verfahrensauftakt fügen musste.

Vor dem eigentlichen Beginn der Verhandlung warf er also die Frage auf, ob „so etwas überhaupt nötig gewesen sei“, zumal der Angeklagte – seiner Meinung nach – „derzeit einen ruhigen und keinerlei aggressiven Eindruck mache“. Der Vorsitzende Richter begründete die Entscheidung indes mit kurzer Erklärung: „Während der Inhaftierung in der Justizvollzugsanstalt in Hamm sei es bereits Mehrfach zu Vorfällen gekommen. Mir ist es daher auch wichtig, dass eine störungsfreie Sitzung gewährleistet wird, und alle hier anwesenden Beteiligten geschützt werden.“

Der Angeklagte gab sich zurückhaltend

Zumindest während der ersten, mehrstündigen Verhandlung, trat der Angeklagte eher zurückhaltend und bescheiden, statt impulsiv und angriffslustig auf. Letzteres Verhalten soll der Marokkaner jedoch am 19. Mai dieses Jahres gegen Mitternacht an den Tag gelegt haben. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Möhnesee-Echtrop soll der Angeklagte einen anderen Bewohner in sein Zimmer gezogen und dort mit seinen Fäusten, an denen er wohl mehrere Ringe trug, auf das Opfer eingeschlagen haben.

Zudem soll der Angeklagte gegen dessen Gesicht getreten haben. Aufgrund der erheblichen Krafteinwirkung gegen den Kopf des Opfer habe der 32-jährige Marokkaner sogar den Tod des Opfers – im Hinblick auf eine mögliche Hirnblutung – billigend in Kauf genommen. Der Angeklagte soll darüber hinaus mehrfach geäußert haben, dass das Opfer auf dem Boden „verrecken“ solle.

Das Opfer hat Platzwunden davongetragen

Das Opfer soll sich auf allen Vieren in den Flur des Hauses geschleppt haben. Der Mann trug eine Platzwunde an der Augenbraue, eine Schwellung der linken Gesichthälfte mit Cutverletzung, eine Nasenbeinfraktur eine Gehirnerschütterung sowie Weichteilhämatome und gelockerte Zähne davon.

Unter Zuhilfenahme eines Dolmetschers äußerte sich der Angeklagte gestern Morgen zu den Vorwürfen und versuchte Richter Klaus-Peter Teipel davon zu überzeugen, dass er sich selbst doch als Opfer sehe. Denn in der besagten Tatnacht soll das spätere Opfer durch ein offenes Fenster in das Zimmer des Angeklagten gestiegen sein, um sich, laut Version des Angeklagten, „eine leere Alkoholglasflasche zu besorgen, damit er sich Wasser dort hineinfüllen kann“.

Dabei habe ihm der Bewohner die Brieftasche sowie das Handy geklaut. Daraufhin passierte laut dem Angeklagten (durch Übersetzung des Dolmetschers) folgendes: „Ich bin zu ihm gegangen und habe meine Wertsachen unter seiner Matratze entdeckt. Ich habe meine Sachen zurückverlangt und ihm von den im Portemonnaie gewesenen 40 Euro fünf Euro gegeben. Als ich dann wieder auf mein Zimmer ging, habe ich wieder meine Tür zugeschlossen und bin eingeschlafen. Dann ist er ein zweites Mal durch das offen gelassene Fenster gestiegen und hat mir im Schlaf mit einem Tischbein auf meinen Kopf geschlagen und mich am linken Ohr verletzt. Ich bin wach geworden und habe mich gewehrt.“

Nächste Woche beginnt die Fortsetzung

Nachdem auch das schwer verletzte Opfer gestern vernommen wurde, sind in einer für nächste Woche anberaumten Verhandlungsfortsetzung nun weitere Zeugen geladen, die mittels ihrer Aussage zur Klärung des Falles beitragen sollen.

Richter Teipel garantiert dem Angeklagten bis dahin eines: „Ein faires Verfahren mit derzeit offenem Ausgang.“

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