Symposium

Verzweifeln an den Belastungen des Lebens

Die Referenten beim 29. Warsteiner Psychotherapie-Symposium. im LWL-Festsaal in Warstein.

Foto: Laura Handke

Die Referenten beim 29. Warsteiner Psychotherapie-Symposium. im LWL-Festsaal in Warstein. Foto: Laura Handke

Warstein.   Beim 29.Warsteiner Psychotherapie-Symposium gibt es Vorträge und Workshops zum Thema „Das gehetzte Ich – macht unser Leben krank?“.

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Dauerbelastung, seelischer Druck, Verlusterleben, Karrieredruck, soziale Isolation, Trauer... Einige Menschen verzweifeln an den Belastungen des Lebens, werden krank, viele auch psychisch. „Die Störungen werden häufig in der Person lokalisiert. Die Lebensbedingungen der Menschen fließen nicht mit der Bedeutsamkeit ein, in der sie einfließen müssten“, sagt Prof. Meinolf Noeker beim 29. Warsteiner Psychotherapie-Symposium im Festsaal der LWL-Klinik.

Es geht um seelische Belastung, darum, ob diese krank machen kann, ob das Leben krank macht und welche Präventionsmaßnahmen es gibt. Aber auch um die Genesung der Betroffenen.

Wie kommt es zu Erkrankungen?

Einige Menschen haben kein großes Problem damit, Stressfaktoren zu verarbeiten, schnell zurück in den Alltag zu finden, sagt Noeker. „Psychische Widerstandsfähigkeit – oder Resilienz“, heißt das, sagt Diplompsychologin Prof. Donya Gilan.

Rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung habe allerdings bei hohem Stresserleben eine verminderte Fähigkeit zur Stressregulation, sagt sie. Dadurch kann es dann zu Erkrankungen kommen, beispielsweise zu Depressionen.

Und auch Kinder sind gefährdet, vor allem dann, wenn ein Elternteil betroffen ist: Rund 3,8 Millionen Kinder gibt es, die im Laufe eines Jahres ein Elternteil mit psychischer Erkrankung erleben und dadurch teils selbst psychische Störungen erleiden, so Prof. Albert Lenz von der Katholischen Hochschule NRW aus Paderborn.

Was kann man dann tun?

In einem solchen Fall müssen nicht nur die Eltern behandelt werden, sondern auch die Kinder, sagt Lenz. Dann gelte es, die Beziehungsqualität zu stärken, aufzuklären, zu vermitteln, dass die Kinder keine Schuld an der Krankheit haben. Zusätzlich sollen Eltern offen mit der Krankheit umgehen, darüber sprechen und so die Kinder entlasten. Im gleichen Zug gelte das für Angehörige von Erkrankten.

„Der Genesungsprozess von Betroffenen Personen ist immer individuell“, sagt Prof. Michael Schulz vom Lehrstuhl für Psychiatrische Pflege der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld. Darauf müssten sich

Einrichtungen entsprechend einstellen. Denn ein Genesungsprozess könne auch mehrere Jahre dauern, bei manchen tritt er überhaupt nicht ein.

Generell sei aber auch in schweren Fällen einer psychischen Erkrankung eine „Erholung“ möglich, so Schulz. Man solle Betroffenen deswegen Zuversicht vermitteln, den Weg mit ihnen gemeinsam gehen.

Gibt es Präventionsmaßnahmen?

„Die Erholung von Stress in Deutschland muss besser laufen“, äußere Stressfaktoren vermindert und Widerstandsfähigkeit gefördert werden, so Gilan. Aber wie baut man Widerstandsfähigkeit gegen Stress auf? Da spielen verschiedene Faktoren ein – zum Beispiel soziale Unterstützung. „Denn wenn man eine Bezugsperson hat, auf die man in Stresssituationen zurückgreifen kann, dann hilft das ungemein“, so Noeker.

In manchen Fällen müsse man auch gezielt (und dosiert) Stressfaktoren bei Betroffenen „hinzugeben“, sagt Noeker. Beispielsweise bei Phobie-Patienten, indem man sie gezielt mit ihren Ängsten konfrontiert, und sie dadurch für neue Situationen stärkt.

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