Geburtshilfe

Warsteiner Frauenarzt tritt mit 71 Jahren in den Ruhestand

Eineinhalb Jahre nach dem Umzug in die früheren Räumlichkeiten von Dr. Manns gibt Dr. Joachim Sattler – hier noch in seinem langjährigen Behandlungsraum im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Welcome-Hotels – seine Praxis auf. Foto:Thorsten Streber

Eineinhalb Jahre nach dem Umzug in die früheren Räumlichkeiten von Dr. Manns gibt Dr. Joachim Sattler – hier noch in seinem langjährigen Behandlungsraum im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Welcome-Hotels – seine Praxis auf. Foto:Thorsten Streber

Warstein.   Der Gynäkologe Dr. Joachim Sattler aus Warstein zieht sich nach 40 Arbeitsjahren zurück. Was das für die Geburtshilfe am Krankenhaus bedeutet.

Mit fast 72 Jahren gibt Frauenarzt Dr. Joachim Sattler seine Praxis in Warstein zum Jahresende auf. „Ich habe einfach noch ein bisschen was anderes vor im Leben“, sagt er gegenüber der WESTFALENPOST. Ganz in den Ruhestand verabschiedet er sich allerdings noch nicht.

1985 war der gebürtige Frankfurter nach dem Medizin-Studium und einer Station in Paderborn in die damalige Praxis von Dr. Günther Roth nach Warstein gewechselt, die er nach dessen Eintritt in den Ruhestand allein weiterführte.

Bevor das Gebäude dem Domquartier wich, zog der Gynäkologe Mitte 2017 mit seiner Praxis einige Meter weiter – in die früheren Räumlichkeiten des Augenarztes Dr. Manns. „Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, ob ich jetzt aufhöre“, sagte er damals im WP-Gespräch. Doch das Verantwortungsgefühl und die Freude an der Arbeit hätten ihn zum Weitermachen motiviert.

Dr. Hölting letzter Belegarzt am Krankenhaus

Zugleich brachte er als Belegarzt am Krankenhaus „Maria Hilf“ über die Jahrzehnte Tausende Babys zur Welt. „Ich habe die Praxis, aber auch die Arbeit im Krankenhaus – eins allein wollte ich nie“, machte Dr. Sattler kurz vor dem Umzug deutlich, wie viel ihm die Arbeit in Warstein bedeutet.

Auf der Geburtshilfe-Station im „Maria Hilf“ wird der 71-Jährige seinen Kollegen Dr. Heiner Hölting vorerst weiter unterstützen – zumindest an den Wochenenden. „Ansonsten mache ich das jetzt erstmal alleine weiter“, dementiert der letzte verbliebende Belegarzt gegenüber der WP Gerüchte um die Schließung der Station. Kreißsaal- und OP-Betrieb gingen normal weiter. „Das Krankenhaus tut alles, um die Abteilung zu erhalten.“

Zukunft der Praxis noch in der Schwebe

Wie es mit der Praxis weitergeht, sei „noch in der Schwebe“, erklärt Joachim Sattler auf Nachfrage. „Mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen.“

Dr. Rolf Cramer, Vorsitzender des Ärztevereins Warstein/Rüthen geht davon aus, „dass es weitergehen wird“. „Wir wollen eine Situation wie im augenärztlichen Bereich vermeiden“, versichert der Ärztliche Direktor des Krankenhauses. Dort hatte Dr. Hans-Henning Manns keinen Nachfolger gefunden, so dass Patienten nun weite Strecken zum nächsten Augenarzt zurücklegen müssen.

Gynäkologische Betreuung soll gesichert werden

Gespräche über die Zukunft von Gynäkologie und Geburtshilfe in Warstein laufen bereits. „Wir werden für die Region zu einer Lösung kommen, die eine qualifizierte Weiterführung ermöglicht“, zeigt sich Dr. Rolf Cramer zuversichtlich, „sonst würde ich als Vorsitzender des Ärztevereins auch auf die Barrikaden gehen.“

Seine Patienten und auch die vier Mitarbeiterinnen jedenfalls hätten großes Verständnis für seine Entscheidung zum Ausdruck gebracht, erklärt Dr. Sattler. „Ich habe überlegt: Wie lange willst du eigentlich noch warten?“, beschreibt er den Weg zur Entscheidung, die innerhalb weniger Tage vor wenigen Wochen gereift sei. „Jetzt ist die Situation nun einmal so – in einem halben Jahr wäre sie doch genauso gewesen.“

Ärzteverein würdigt Verdienste des Frauenarztes

Nach fast 40 Arbeitsjahren, davon 33,5 in Warstein, blickt er mit Dankbarkeit zurück. „Alles an dem Beruf hat mir gefallen“, sagt er, „sonst hätte ich das nicht so lange gemacht.“ Jetzt sei aber Zeit für die Familie, freut er sich auch auf die kommenden Jahre. Vor allem die drei Enkelkinder werden fortan mehr von ihrem Opa haben, verspricht er.

Im Namen der Warsteiner Ärzteschaft würdigt Dr. Rolf Cramer das Engagement des angehenden Ruheständlers. „Was die Kollegen im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe in den vergangenen Jahrzehnten geleistet haben, findet man nicht so oft“, dankt der Ärztevereins-Vorsitzende. „Da ist es auch Dr. Sattler dann irgendwann gestattet, sich zurückzuziehen.“

Hier finden Sie weitere Nachrichten, Fotos und Videos aus Warstein und dem Umland.

Folgen Sie der Westfalenpost Warstein auch auf Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben