Elternzeit

Warsteins Väter zögern noch

. Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

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Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Warstein.   Eigentlich wollen sie ja, aber... Viele Väter wollen mittlerweile ihre Kinder in den ersten Monaten betreuen – das hat eine aktuelle Allensbach-Studie herausgefunden. Doch oft bleibt es dann doch bei dem klassischen Modell „Papa arbeitet, Mama bleibt Zuhause“. Auch in Warstein scheint dies noch immer das vorherrschende Familienbild zu sein.

Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hat das Institut für Demoskopie Allensbach untersucht, wer nach der Geburt der Kinder welchen Anteil der Erwerbs- und der Familienarbeit übernimmt (siehe Infobox). Ein Ergebnis: Während vor der Geburt des ersten Kindes bei 71 Prozent der Paare beide in Vollzeit arbeiten, sind es mit Ankunft des Nachwuchses nur noch 15 Prozent. In über der Hälfte der Fälle arbeitet nach der Geburt des ersten Kindes nur noch der Vater in Vollzeit, die Mutter dagegen in Teilzeit.

Männer meist nur zwei Monate raus

Das lässt sich auch in Warstein beobachten. Ein Beispiel: Die LWL-Kliniken beschäftigen am Standort Warstein aktuell 800 Mitarbeiter. 14 befinden sich zur Zeit im Mutterschutz, in Elternzeit oder haben wegen der Schwangerschaft ein Berufsverbot. „Das sind alles Frauen“, sagt Gerrit Jungk, Personalleiter der LWL-Kliniken im Kreis Soest, auf Anfrage der WP, „dabei lässt sich schon ein Trend beobachten, dass auch Männer die Elternzeit in Anspruch nehmen.“ Diese würden jedoch meistens nur zwei Monate nehmen, während die Frauen in der Regel ein Jahr aus dem Beruf raus seien, sobald der Nachwuchs da ist.

Das deckt sich mit den Ergebnissen der Allensbach-Studie: Die meisten Väter gehen mit Hilfe der so genannten „Partnermonate beim Elterngeld“ für höchstens zwei Monate in Elternzeit. Die mittlere Dauer der beruflichen Auszeit nach der Geburt des Kindes beträgt bei ihnen sieben Wochen. Im Gegensatz dazu dauern die Elternzeiten von Müttern, die ihre Berufstätigkeit unterbrechen, beim ersten Kind im Durchschnitt 19 Monate. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Brauerei: Auch hier sind es überwiegend die Frauen, die die Elternzeit in Anspruch nehmen. Doch nachdem 2010 der erste Mann diese Gelegenheit nutzte, waren es in den Folgejahren immerhin schon jeweils zwei Männer pro Jahr.

Gesellschaftsbild wandelt sich

Noch deutlicher wird der zunehmende Wunsch der Männer, sich in den ersten Monaten um ihren Nachwuchs zu kümmern, mit Blick auf die aktuellen Zahlen von Infineon: 6 von 25 Mitarbeitern, die sich derzeit in Elternzeit befinden, sind Männer. Für Gerrit Jungk, den LWL-Personalleiter, ist hier eindeutig ein langfristiger Trend erkennbar: „Mittlerweile gibt es bei den Männern ein deutlich höheres Bewusstsein für die Möglichkeit der Elternzeit.“

Auch habe sich das gesellschaftliche Bild des Vaters gewandelt: „Früher galt es als Karrierehemmer, wenn ein Mann sagte: Ich bleibe jetzt Zuhause und kümmere mich um das Kind. Das gehört so langsam zum Zeitgeist dazu, denke ich.“

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