Jahrbuch Sucht

Warum Amphetamine für die LWL-Kliniken im Fokus stehen

In der LWL-Klinik in Suttrop werden regelmäßig Suchtpatienten stationär behandelt. In letzter Zeit haben immer mehr Patienten mit Amphetaminen zu kämpfen.

Foto: Hans Blossey

In der LWL-Klinik in Suttrop werden regelmäßig Suchtpatienten stationär behandelt. In letzter Zeit haben immer mehr Patienten mit Amphetaminen zu kämpfen. Foto: Hans Blossey

Warstein/Lippstadt.   Das Jahrbuch Sucht legt den Fokus auf den Alkoholkonsum. Dr. Frank Konert von den LWL-Kliniken Warstein/Lippstadt sorgt sich aber um Amphetamine.

134 Liter alkoholische Getränke konsumierten die Deutschen im Schnitt im Jahr 2017. Das entspricht etwa einer Badewannen-Füllung. Dies geht aus dem Jahresbuch Sucht hervor.

„Alkohol wird gesellschaftlich nicht geahndet. Trinken ist okay, sofern es innerhalb der Norm stattfindet“, sagt Dr. Frank Konert, Oberarzt in der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt. Im Interview spricht er über die Behandlung von Alkoholikern an den heimischen Standorten und erklärt, welche Stoffe in Zukunft im Fokus stehen .

Alkoholiker werden stationär selten behandelt

Herr Dr. Konert, im Jahresbuch Sucht steht vor allem der Alkoholkonsum im Fokus. Steigt die Zahl der Alkoholkranken in ihrer Einrichtung?

Nein, eigentlich ist sie recht stabil. Das liegt aber auch daran, dass viele Alkoholiker gar nicht in die stationäre Behandlung kommen. Die meisten werden höchstens mal nach einer Alkoholvergiftung ambulant behandelt, gehen dann aber wieder nach Hause. Die Einsicht, dass sie wirklich abhängig sind, fehlt in diesen Fällen.

Auch, weil Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist?

Genau das ist der Punkt. Schauen Sie sich doch mal die Schützenfeste an, da wird eine Woche durchgetrunken. Solange nur zu den gesellschaftlich angemessenen Anlässen getrunken wird, fällt ein Alkoholkranker auch nicht auf. Zudem haben wir bei uns viele Politox-Patienten, also jemanden, der mindestens an drei Suchterkrankungen gleichzeitig leidet. Der Alkohol ist da of nur Beiwerk.

Amphetamine im Fokus

Welche Drogen sind denn typisch für diese Patienten?

Das hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Vor 20 Jahren standen überwiegend Opiate, wie beispielsweise Heroin im Fokus. Heute verlagert sich dies immer mehr in Richtung Amphetamine. In diesem Bereich haben wir jährlich mit 24 neuen Substanzen zu kämpfen.

Wo liegen die Ursachen für diese Entwicklung?

Diese neuen Amphetamine fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, weil sie noch niemand kennt und sie nicht getestet wurden. Wird eine Variante verboten, wird einfach eine neue erfunden, die dann wieder ,legal’ ist. So ist es besonders einfach, an diese Drogen zu kommen.

Cannabis oft nicht als Suchtdroge erkannt

Eine Droge, die Sie noch nicht erwähnt haben, ist Cannabis. Spielt diese überhaupt keine Rolle?

Sie müssen unsere Patienten gezielt danach fragen, viele sehen Cannabis gar nicht mehr als Droge an, sondern nur Stoffe wie Heroin oder Kokain. Dabei kann Cannabis zum Beispiel zu schweren Psychosen oder zu früher Arbeitsunfähigkeit führen.

Könnte Cannabis eine ähnliche gesellschaftliche Akzeptanz wie Alkohol erhalten, sollte es legalisiert werden?

Undenkbar ist das nicht. Bei allen Legalisierungsbestrebungen sollte aber niemals vergessen werden, dass Cannabis auch Hirn- und Leberschäden hervorrufen kann.

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