Theater

Was ein pöbelndes Känguru in Belecke zu suchen hat

Theater-Aufführung in der Neuen Aula Belecke: Känguru Chroniken

Theater-Aufführung in der Neuen Aula Belecke: Känguru Chroniken

Foto: Rilana Teipel

Belecke.   Theaterstück „Känguru Chroniken“ begeistert Zuschauer in der Neuen Aula in Belecke. Eine verrückte Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.

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Ein sprechendes, pöbelndes Känguru, schlagfertig und mit kommunistischer Gesinnung in einer Wohngemeinschaft mit einem unter einer Schreibblockade leidenden Kleinkünstler. Totaler Blödsinn? Vielleicht. Aber definitiv total unterhaltsam, spannend und witzig.

Die „Känguru Chroniken“, die vom Jungen Theater Göttingen in der Neuen Aula präsentiert wurden, waren ein Theater-Hochgenuss der ganz besonderen Art: Schauspiel traf auf urkomische Comedy, viel Gesellschafts-Kritik und kleine Live-Konzerte. Wie das zusammenpasst? Die drei Schauspieler bewiesen es auf durchaus eindrucksvolle Weise.

Viele Requisiten benötigten sie nicht, um die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen einem faulen, schmarotzenden und gewalttätigen Känguru, das Nirvana-Fan ist und sich zum größten Teil von Schnapspralinen ernährt (gespielt von Peter Christoph Grünberg), sowie dem ohne Hobby und geregeltem Job vor sich hin lebenden Kleinkünstler (Karsten Zinser). Und das sollten zugleich die perfekten Voraussetzungen für eine abenteuerliche Geschichte mit irrwitzigen Wortgefechten und urkomischen Handlungen sein.

Steht ein Känguru vor der Tür

Dass die Geschichte dabei alles andere als normal wird, ließ bereits der Einstieg in das Geschehen erahnen: Ein Känguru klingelt an der Tür und möchte Eierkuchen backen. Eier, Mehl, Salz, Schneebesen, Schüssel und sogar Herd fehlen dem Tier jedoch gänzlich, so dass sich dieses ganz ungeniert beim Kleinkünstler breit macht. Denn auf die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage „Benutzt du dieses Zimmer oft? Eigentlich brauchst du das ja gar nicht“, kann der Kleinkünstler so schnell keine Antwort geben.

Ganz nach dem Motto „Der eine hat den Beutel und der andere das Geld“ nahm das Theater seinen wohlbestimmten Lauf: Vom Besuch beim Jobcenter, bei dem sich das arbeitssuchende Känguru vor der selbst trunkenen Beamtin für seine Alkoholexzesse in vergangenen Jobs zu rechtfertigen versuchte, über vertauschte Zitate von etwa Angela Merkel („Es ist erstaunlich, was man alles erreicht, wenn man nichts tut“) oder Bob, der Baumeister („Niemand hat die Absicht eine Mauer zu erbauen“) bis hin zu einer prügelreichen Auseinandersetzung mit einem Nazi sprang das ungleiche Paar von einer absurden Szene in die nächste.

Neben der musikalischen Begleitung vom Gitarristen (Marius Prill), der immer wieder aus dem Nichts auf der Bühne auftauchte, war immer mit dabei die dritte Schauspielerin im Bunde und vielseitige „Kneipen-Lady“ mit Berliner Schnauze, Herta (Jacqueline Sophie Mendel).

Während des gesamtes Stückes schlüpfte sie in mindestens fünf Rollen und gab den prolligen Fußballfan ebenso lebendig und herrlich authentisch wie den wütenden Nazi oder die mit ihren Aufgaben hoffnungslos überforderte Beamtin des Jobcenters. Ebenso verrückt wie im ersten Teil ging es in der zweiten Programmhälfte weiter, vielleicht sogar noch ein bisschen durchgeknallter.

Pferde beherrschen niemals die Welt

So philosophierten Känguru und Künstler völlig unter Drogen etwa darüber, warum Pferde niemals die Welt beherrschen könnten. Und selbst, als die Ausländerbehörde das Tier wegen Unproduktivität zurück nach Australien abschieben wollte und das Happy End der Geschichte zu scheitern drohte, sorgten die Schauspieler für ein überraschendes Ende – schließlich hatten die Besucher in der gefüllten Aula ja für ein Happy End gezahlt.

Und so gab das einst womöglich faulste Tier der Welt dem Nazi plötzlich Lebensweisheiten mit auf den Weg, die ihn seine rechtsradikale Art überdenken ließen. Kein Wunder also, dass diese außergewöhnliche, aber doch frische und freche Inszenierung bei Alt und Jung bestens ankam und mit stehenden Ovationen belohnt wurde.

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