Leeres-Nest-Syndrom

Wenn die Kinder ausziehen – Warsteiner geben Tipps

Petra Hagedorns Töchter sind ausgezogen: Sie spricht darüber, wie ruhig die Straße in Warstein ohne Kinder geworden ist.

Foto: Privat

Petra Hagedorns Töchter sind ausgezogen: Sie spricht darüber, wie ruhig die Straße in Warstein ohne Kinder geworden ist. Foto: Privat

Warstein.   Leeres-Nest-Syndrom? Nicht mit den Warsteiner Eltern. Sie erzählen, welche neuen Aufgaben sie gefunden haben und wieso man immer Eltern bleibt.

An Petra Hagedorns Wänden hängen Bilder ihrer beiden Töchter. Alicia und Nikita. Die Jüngere der beiden, Nikita, überragt ihre ältere Schwester schon. Sie ist gerade ausgezogen, wegen des Studiums. Alicia wohnt schon seit drei Jahren nicht mehr in Warstein. Das große Haus der Hagedorns liegt nun ruhig da. Ohne das Geplapper der Kinder. Mama Petra Hagedorn nimmt gelassen einen Schluck Wasser: „Ich finde das gar nicht mal so schlimm“, sagt sie.


Kinder aus dem Haus – und dann?

Dietmar Beukenbusch hat eine ruhige Stimme. Während er von seinen Kindern erzählt, hält er eine Tasse Cappuccino in der Hand. Er hat einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn schon immer ein Papakind, wie er sagt. Die Tochter eher Mamas Liebling. „Aber so ist das ja meistens.“ Sie wohnen schon lange nicht mehr daheim. Die Tochter ging nach Düsseldorf, verliebte sich, baute ein Haus, bekam ein Mädchen. Der Sohn machte in Köln eine Ausbildung zum Polizist und blieb dort hängen. Wie der Vater. „Aber nicht mehr lange. Ich geh bald in den Ruhestand“, sagt Dietmar Beukenbusch und lächelt.


Das Leere-Nest-Syndrom – viele Eltern kennen und fürchten es. Die Kinder aus dem Haus, alles wird anders. Das Leben neu sortieren. Neue Hobbys und Aufgaben finden. Wie gelingt das?


Immer schon Selbstständigkeit beigebracht

Petra Hagedorn war es schon immer wichtig, ihren Kindern Selbstständigkeit beizubringen. „Meine Kinder sind zur Schule gelaufen, während andere gefahren wurden. Sie haben sich ihr Essen selbst gekocht und die Hausaufgaben allein erledigt. Es war mir wichtig, dass sie von Anfang an auf eigenen Beinen stehen“, sagt sie. Ein wenig klingt das nach flammendem Plädoyer, die Kinder fliegen zu lassen.


Dietmar Beukenbusch sieht das ganze jetzt, wenn die Kinder schon jahrelang aus dem Haus sind, ganz entspannt. „Das ist der Lauf der Dinge, schwer war das nicht. Man hört schließlich trotzdem nie auf, Eltern zu sein.“ Er fährt regelmäßig zu seinen Kindern, die nur zwanzig Minuten voneinander entfernt leben. Verlegt dort die Fliesen. Hört zu, wenn es Probleme gibt. „Die Vertrautheit ist immer noch da, ist doch ganz klar.“

Ich habe heute Waschpulver gekauft

Nikita Hagedorn schrieb in die Messenger-Gruppe der Familie: „Ich fühle mich so erwachsen, ich habe heute Wäschepulver gekauft.“ Petra Hagedorn wischt über ihr Handydisplay und schmunzelt. „Süß, oder? Einen Waschmaschinenkurs musste ich ihr trotzdem noch geben.“ Sie ist stolz, dass ihre Kinder schon so früh so selbstständig leben. Sie versucht, ihnen nicht hinterherzutelefonieren. „Wenn etwas ist, können sie sich jederzeit melden.“ Sie vermisst ihre Kinder. „Früher war es in der Straße hier voller Kinderlachen und überall waren Kreidebilder. Heute lebt nur noch ein Mädchen hier. Es ist sehr ruhig geworden.“ Trotzdem ist das für sie nicht neu. „Ich habe mich auch mit Kindern nie nur als Mutter verstanden, sondern auch als eigenständiger Mensch. Bin auch ausgegangen. Das die Kinder nicht mehr jedes Wochenende etwas mit dir unternehmen kommt ja nicht plötzlich.“


Enkelkinder wohnen weit entfernt

„Es ist schade, dass man seine Enkelkinder nicht so häufig sehen kann, das ist schon eine Entfernung“, sagt Dietmar Beukenbusch. Er hat sich eine fluffige Ablenkung gesucht, nachdem seine Kinder ausgezogen sind. Erst zog ein Husky ein, nun ein Samojeda namens Snow. „Der braucht schon viel Auslauf, da kann man auch lange Fahrradtouren machen“, sagt er. Wie sich das Leben ohne Kinder anfühlt, wenn er in den Ruhestand geht, weiß er noch nicht. „So ganz höre ich auch erstmal nicht auf“, sagt er und grinst.

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