Kunst in der Bache

Wenn die Kuh aus einem Ahornstamm entspringt

Kunst in Hirschberg: Paul Nagel vor einem seiner besonderen Holzstapel.

Kunst in Hirschberg: Paul Nagel vor einem seiner besonderen Holzstapel.

Foto: WP

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Hirschberg. Der Baustellenlärm in der Bache ist verklungen. Doch Ruhe kehrt nicht ein in der Hirschberger Idylle. Ein stetiges Hämmern durchdringt die Stille. Aus einem alten Ahornstamm, der der Baumaßnahme weichen musste, entsteht Kunst.

„Als ich das Haus vor eineinhalb Jahren gekauft habe, fand ich den Bach und den Ahorn so schön – und was war nach einem Jahr? Der Bach ist weg, der Ahorn ist weg wegen des Kanals“, bedauert Kunstschmiedemeister und Restaurator Paul Nagel. Er bat darum, ihm den Stamm des rund 90 Jahre alten Baumes zu überlassen und suchte im Internet einen Holzbildhauer, der aus dem Holz etwas Bleibendes schaffen sollte. „Es sollte kein Hirsch sein, das wäre zu nahe liegend. Und auch kein Standard wie ein Wildschwein.“ Durch Zufall lernte Nagel die Dortmunder Holzbildhauerin Gesa Wilmsmann kennen, die ihr Handwerk in Oberammergau gelernt hat. Die Chemie stimmte und die Künstlerin hatte die richtige Idee für ein ländliches Kunstwerk: In der Bache entsteht so derzeit eine Kuh, die ein Baumhaus baut.

„Erst sollte es eine Kuh werden, die einen Traktor aufs Horn nimmt“, erzählt Gesa Wilmsmann. Stattdessen wird es nun die Kuh als Baumeisterin. Aus einem Drahtgerüst und Plastilin baute die Künstlerin zunächst ein kleines Modell, nach dem nun der große Stamm bearbeitet wird. „Es wird noch viel Gefummel mit den Armen, den Beinen und dem Euter“, erklärt sie, denn die Figur wird sich nicht kompakt, sondern sehr filigran präsentieren. „Man muss sich die Form ziemlich erkämpfen und erarbeiten. Alles wegschlagen, was nicht nach Kuh aussieht – so einfach ist das nicht.“

Bei der Arbeit kommen nicht nur Hammer und Schnitzeisen, sondern auch eine Kettensäge zum Einsatz. „Damit kommt man zum Teil in die Tiefen gut rein, wo es mit dem Schnitzeisen schwierig wird. Aber es besteht die Gefahr, dass man einen Schnitt macht, wo keiner hin soll.“

Spricht’s und und wirft die Kettensäge an, schließlich sollte bis zum heutigen Samstag das Gros erledigt sein, wenn Paul Nagel Freunde und Nachbarn zu einem Fest rund um sein altes Bauernhaus einlädt. Dann wird die 29-jährige Künstlerin auch Arbeiten aus ihrer Kleinserie „Faltenwürfe“ präsentieren.

„Ich habe so viel Hilfe erfahren hier in Hirschberg, da wollte ich einfach zu einem Fest - einem ‘Tag der Erholung’ - einladen.“ Durch Zufall war Paul Nagel, der seine Kunstschmiede-Werkstatt nach wie vor in Dortmund hat, auf das Bauernhaus gestoßen, das die Vorbesitzer lediglich als Ferienhaus nutzten. „Nachdem meine Eltern gestorben waren, die ich gepflegt habe, wollte ich anfangen zu leben. Und das ging nicht an der Werkstatt in Dortmund“, erzählt Nagel. „Arbeit ist ja nicht alles.“

Die lässt der Kunstschmied hinter sich, wenn er nach Hirschberg kommt. Die Entsorgung von Gerümpel, das Fällen von Hainbuchen und Fichten, um dem Haus Licht zu geben, sind für ihn Entspannung. „Aber ohne die Nachbarn hier hätte ich das nicht geschafft. Ich bin heilfroh, dass hier in der Bache so ein tolles Klima herrscht. Ohne meinen Nachbarn Franz Köhne wäre ich hier verloren. Wir ergänzen uns gut.“

Ein Grund für das Nachbarschaftsfest, zu dem der gebürtige Rheinländer auch seine Sangesbrüder vom Quartett „Crack-a-Jack“ eingeladen hat, mit denen er im Advent beim Konzert der Singgemeinschaft auftreten wird. „Ich habe hier schon gute Kontakte gekriegt“, freut sich der Künstler.

Aufgebaut wird heute in der Bache auch eine große LED-Kugel, eine Weltneuheit, die von Wolfram De Bruyn entwickelt und von Nagel gebaut wurde. „Er hat jemanden gesucht, der seine Idee umsetzt, und ist bei mir hängen geblieben.“ Schließlich ist Nagel ein Mensch, der gern Unmögliches möglich macht. Und der Überraschungseffekte ebenso mag wie Kunst, die einen zum Schmunzeln bringt. So wie die hölzerne Kuh.

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