Tradition

Wer Belecke am Sturmtag seit 30 Jahren aus dem Bett böllert

Jedes Jahr auf’s Neue ist Adalbert Friederizi beim Sturmtag in Belecke als Kanonier dabei und weckt die Belecker Bevölkerung mit Kanonenschüssen.

Jedes Jahr auf’s Neue ist Adalbert Friederizi beim Sturmtag in Belecke als Kanonier dabei und weckt die Belecker Bevölkerung mit Kanonenschüssen.

Foto: Laura Handke

Belecke.   Adalbert Friederizi ist seit 30 Jahren als Sturmtagskanonier beim Belecker Sturmtag dabei. Er gibt einen Einblick in seine Aufgaben.

Es ist fünf Uhr morgens. Nebel liegt über den Wiesen in Belecke. Ein lauter Knall durchbricht die morgendliche Stille, es folgt ein weiterer Knall und dann noch einer. Es riecht nach Schießpulver und Rauch.

Es sind Kanonenschüsse, die die Belecker an diesem Morgen zu hören bekommen – so wie jedes Jahr am Mittwoch vor Pfingsten. Sie kommen von dem Platz an Stütings Mühle, denn dort böllern die Sturmtagskanoniere, um die Menschen zu wecken. Mit den Schüssen erinnern sie an die Soester Fehde im Jahr 1448 und den im Kampf gefallenen Bürgermeister Wilke.

Mittendrin ist auch Sturmtagskanonier Adalbert Friederizi. Er ist bereits seit halb vier auf den Beinen, seit vier Uhr vor Ort, um mit seinem Team alle nötigen Vorbereitungen für das Böllern zu treffen. Alles klappt reibungslos, um Punkt fünf Uhr fällt der erste Schuss, danach folgen viertelstündlich weitere Schüsse.

Aufgaben eines Kanoniers

30 Jahre sind es nun, die Adalbert Friederizi als Sturmtagskanonier in Belecke dabei ist. „Ich habe schon immer eine große Verbundenheit zum Ort und zum Sturmtag gespürt“, so Friederizi. „Nachdem die Belecker Vereine dem Ortsvorsteher damals die Kanonenrohre geschenkt haben, haben wir entschieden, dass wir die Kanonen auch schießen müssen.“

Damals sind die Kanoniere noch zu acht, mittlerweile ist das Team auf 14 Leute gewachsen. Sie sind ein eingespieltes Team – „alles klappt reibungslos“, sagt Friederizi. Gemeinsam haben sie bereits früh morgens die Kanonen geholt, zu Stütings Mühle gebracht und ein rustikales Frühstück für die Besucher vorbereitet.

Und kurze Zeit später wird es dann ernst: Es geht um den ersten Schuss, aber auch um die weiteren, die noch folgen sollen. Das ist alles nicht ganz ungefährlich – und vor allem ziemlich laut. Zwei Kanonen stehen parat: eine kleine, „die freche, die fast so laut ist, wie die große“, sagt Friederizi und lacht; und natürlich die große Belecker Drillingskanone, die jede halbe Stunde zum Einsatz kommt.

„Die Rohre befüllen wir mit 40 bis 45 Gramm Schwarzpulver“, erklärt der Sprecher der Kanoniere. Dabei ist volle Konzentration gefragt, damit am Ende auch alles reibungslos funktioniert. Um die Kanonen zu laden, schiebt einer der Kanoniere mit einer kleinen Schaufel Schwarzpulver ins Rohr und drückt es zusammen. Um den Knall etwas zu dämmen, wird ein anderes Material davor platziert. „Auch in den Zündkanal kommt etwas Böllerpulver – und zwar Zündkraut“, sagt Friederizi. Mit einer Lunte wird der Zündkanal gezündet – und dann kann es auch schon knallen.

„Wir können die Kanonen natürlich auch elektrisch per Knopfdruck feuern“, sagt Friederizi. „Das ist vor allem gut, damit auch Besucher mal Schießen können.“ Das Angebot nehmen viele Besucher freudig an: Nach und nach trauen sich immer mehr Gäste, schießen mal die kleine und mal die große Kanone ab – natürlich immer unter Aufsicht und Weisung der Experten.

Die Voraussetzungen

Als Sturmtagskanonier braucht man Vorkenntnisse: „Wir mussten alle einen Lehrgang und eine Prüfung ablegen, um Sturmtagskanoniere zu werden“, erklärt Friederizi. Denn erst dann haben die Kanoniere auch die Berechtigung, Schwarzpulver zu kaufen und abzuschießen.

Unterteilt ist der Lehrgang in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel die nötigen Sicherheitsabstände oder der richtige Umgang mit dem „Böllerpulver“ und den Kanonen. „Dann muss man auch in einer praktischen Prüfung ran und zeigen, was man alles gelernt hat“, sagt Friederizi. Einmal bestanden kann man Sturmtagskanonier werden. Eine Tradition, die für Adalbert Friederizi mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist.

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