Heimatgeschichte

Wie Allagener im Jahr 1798 für Straftaten büßen müssen

Protokollblatt der Gerichtssache Thomas Färber und Möhneschulte, 1798

Foto: Ferber

Protokollblatt der Gerichtssache Thomas Färber und Möhneschulte, 1798 Foto: Ferber

Allagen/Hirschberg.   Eine Gerichtsakte aus Allagen zeigt, wie Gerichtsprozesse vor mehr als 200 Jahren abgelaufen sind. Verhandelt wurde in Hirschberg.

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Recht haben und Recht bekommen war und ist seit jeher eine brennende Frage. Es ist nicht erst seit jüngster Zeit so, dass Streitfälle schnell vor Gericht landen. Schaut man sich überlieferte historische Dokumente an, so muss man feststellen, dass diese in der Regel juristischen Gegenstands sind. Unsere Ahnen waren wahre Meister in der Anrufung von Gerichten.

Gelegentlich finden sich aber auch Ereignisse mit echtem Straftatbestand. So geschehen im Jahre 1794, als Thomas Färber gen. Alteschlup und Theodor Lievermann gen. Möhnschulte aus Allagen straffällig geworden sind. Ein entsprechendes Dokument entstammt den Hofunterlagen der Familie Diemel gen. Rellecke in Westendorf. Der heutige Besitzer Eugen Diemel-Rellecke hat es der Gruppe Familien- und Heimatforschung in Allagen zur Sichtung zur Verfügung gestellt.

Die besagte Gerichtsakte, datiert vom 23. Oktober 1798, spricht das Urteil über das Vergehen, nämlich die Entwendung von Dielen.

Die Kläger

Gerichtsort ist Hirschberg, Sitz des Kurfürstlichen Herrn Oberjägermeisters Freiherr von Weichs als Richter. Beisitz führt Hofrat Leopold Lysen, der zuständige Jagdadvokat mit Sitz in Belecke bzw. Mülheim. Die Angelegenheit bringt der Oberförster und Forstschreiber Johannes Henrich Calaminus aus Hirschberg in Gang.

Die Täter

Theodor Lievermann stammt aus Albringen im Kirchspiel Enkhausen (heute ein Ortsteil von Sundern) und nimmt sich im Jahre 1775 Anna Catharina Luig gen. Möhnschulte zur Frau. Das Gehöft ihrer Familie liegt in unmittelbarer Nähe zur Möhne in Allagen. Im Jahre 1789 errichtet er ein neues Haus, das noch heute an der Kreuzung Möhnestraße/Streitstraße steht.

Thomas Färber gen. Alteschlup war der erste Ferber, der in Allagen geboren ist und dort zur Taufe getragen wird. Sein Vater Petrus kam angeblich aus Warstein und heiratet in Allagen in das Haus Severin gen. Alteschlup ein. Die Stätte Severin lag an der Ecke Stukenweg und Querweg. Einige Zeit später wird das Haus abgerissen. Erst 1932 hat Josef Gosmann gen. Davids das Grundstück von dem Eigentümer Peck erworben und dort ein neues Haus erbaut.

Übrigens sind die unterschiedlichen Schreibweisen Färber/Ferber, Lievermann/Livermann, Möhneschulte/Möhnschulte zu der damaligen Zeit gang und gäbe.

Das Urteil

Thomas Ferber, ist von Beruf Schuster und im kirchlichen Gemeindeleben aktiv, was ihn schließlich zum Angeklagten und verurteilten Mittäter in einer Strafsache macht.

Das Urteil lautet: „In Sachen forstamtlichen Fisci, Denuntianten eins, wider Möhneschulte und Thomas Färber, zu Allagen. Denuntiaten andern Teils, wird aus ersehenem Verfolg für Recht erkannt, daß der Denuntiat Möhneschulte weil derselbe überwiesen, die in Frage befangene konfiszirte Diele bei der Mühlenschleuse zu Niederbergheim in der Nacht aufgeladen und nach dem Pfarrhofe zu Allagen gefahren, in 6 Goldgülden, und mit Denuntiat Tomas Färber, weil dieser teils überwiesen, teils geständiger Maßen mit .... andern die erwänte Dielen in der Nacht, von der Mühlen, bis an die Schleuse getragen, in 3 Goldgulden Brüchten Strafe zu erlegen, und in die hierunter, und am Ende verzeichnete Kosten“.

Dem Protokoll und Urteil folgt eine detaillierte Aufstellung der Kosten des Verfahrens, das sich wohlgemerkt über vier Jahre hingezogen hat. Penibel werden Termine der Verhöre angeführt. Die jeweiligen Honorarsätze der beteiligten Personen werden benannt und die Kosten für die erstellten Schriftstücke aufgelistet.

Dieser Gebührenbescheid aus dem Jahre 1798 steht einer heutigen amtlichen Gebührenrechnung in keiner Weise nach.

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