Möhne

Wie die Möhne-Katastrophe einen Werler in ihrem Bann hält

Der entscheidende Treffer: 77 Meter breit und 22 Meter tief brach der Gesteinsblock im Ganzen aus der Mauer. Das austretende Wasser lief mit bis zu 30 Stundenkilometer durch das Tal der Möhne und der Ruhr.

Foto: Fotomaterial aus dem Archiv des Ruhrverbandes, der Royal Airforce und dem Archiv Helmuth Euler

Der entscheidende Treffer: 77 Meter breit und 22 Meter tief brach der Gesteinsblock im Ganzen aus der Mauer. Das austretende Wasser lief mit bis zu 30 Stundenkilometer durch das Tal der Möhne und der Ruhr. Foto: Fotomaterial aus dem Archiv des Ruhrverbandes, der Royal Airforce und dem Archiv Helmuth Euler

Kreis Soest/Möhnesee.   Vor 75 Jahren zerstörte eine britische Bombe die Sperrmauer des Möhnesees. Der Werler Fotograf Helmuth Euler dokumentierte die Ereignisse.

„Operation Chastise“, zu Deutsch „Züchtigung“, nannten die britischen Streitkräfte die streng geheime Mission, die in der Nacht zum 17. Mai 1943 den Damm der Möhnetalsperre zerstörte und auch gegen vier andere Talsperren des Sauerlandes gerichtet war.

Die Möhnekatastrophe gilt noch heute als eines der einschneidenden Kriegsereignisse, und ist auch nach 75 Jahren noch nicht vergessen. Nach dem Bruch der Mauer wälzten sich etwa 100 Millionen Kubikmeter Wasser durch das Möhne- und Ruhrtal, überflutete 200 Quadratkilometer Landfläche, zerstörte ganze Dörfer und richtete erheblichen Schaden an

Der westfälische Landeshauptmann Karl Friedrich Kolbow fasste zwei Tage später seine Eindrücke nach der Begutachtung der Angriffsschäden zusammen: „Die Zerstörung der Möhnetalsperre übersteigt alle Vorstellungen. Das untere Möhnetal und das Ruhrtal zwischen Neheim und Hengsteysee ist völlig zerstört. Wie oft hat die Menschheit schon solche fürchterlichen Rückschläge aus ihrer technischen Tätigkeit erleben müssen

„Die Situation war dramatisch, die Möhne-Katastrophe hat mich das ganzes Leben nicht losgelassen“, ist Helmuth Euler überzeugt.

Der Werler Fotografenmeister ist mittlerweile 85 Jahre alt, und hat in den vielen Jahrzehnten hunderte Zeitzeugen interviewt, hat Dokumente, Fotos, Filmaufnahmen, Daten und Fakten zum Geschehen am Möhnesee gesammelt und in 24 Buchauflagen in Deutsch und Englisch Westdeutschlands größte Katastrophe dokumentiert.

Wichtiger Augenzeuge

Für Euler gilt Wilhelm Strotkamp als wichtigster Augenzeuge. Er sah, wie sich die Sperrmauer nach dem Treffer hin und her bewegte und der riesige Mauerklotz auf einmal in einem großen Stück herausbrach.

„Wie auf einem Dreschkasten bewegte sich der Boden, auf dem ich stand, hin und her“, schilderte Strotkamp später: 160 Kilometer weiter zeichnete das Geophysikalische Institut in Göttingen die Schockwellen auf. „Sie haben mit 40,5 Sekunden eine halbe Ewigkeit gedauert“, schildert Helmuth Euler.

Anders als in vielen Berichten beschrieben, sei das Loch in der Sperrmauer nicht nach und nach herausgebrochen, der Gesteins-Block von 77 Meter Breite und 22 Meter Tiefe brach im Ganzen aus der Mauer, das austretende Wasser lief mit bis zu 30 Stundenkilometer durch das Tal: Der vorgesehene Warndienst konnte wohl auch durch ein Defekt der Telefonverbindung nicht annährend Schritt halten, so dass nach Günne Himmelpforten und Niederense die Flutwelle auch ohne Vorwarnung Neheim überflutete, allein in den Zwangsarbeiter-Baracken kamen 1000 Menschen ums Leben.

Auch in Wickede und Fröndenberg, bis zur Einmündung der Ruhr in den Rhein verloren viele Menschen ihr Leben, zerstörte das Wasser Häuser, Brücken und Eisenbahnlinien.

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