Bücherbasar

Adam-Kaserne - „Wir leisten Erinnerungsarbeit“

Veronika und Jürgen Schultz zeigen zwei Bücher aus dem Bestand der Vertriebenen. Deren Erinnerungs- und Begegnungsstätte in der Soester Adam-Kaserne soll unters Dach ziehen, mit allen Vereinen aus dem Block drei. „Das ist verdammt schräg“, sagen alle zu den Plänen der Stadt und dem künftigen Platzangebot für alle.

Veronika und Jürgen Schultz zeigen zwei Bücher aus dem Bestand der Vertriebenen. Deren Erinnerungs- und Begegnungsstätte in der Soester Adam-Kaserne soll unters Dach ziehen, mit allen Vereinen aus dem Block drei. „Das ist verdammt schräg“, sagen alle zu den Plänen der Stadt und dem künftigen Platzangebot für alle.

Foto: Häken

Soest.   Bücherbasar der Heimatvertriebenen verdeutlicht ungewisse Zukunft. Unterm Dach im Block drei der Adam-Kaserne ist es zu eng für alle Vereine.

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„Lauban, Lauban – da habe ich doch was gesehen, wo war es noch gleich…?“. Ilse Lucke greift noch einmal ins Regal: „Hajo Knebel: Typisch schlesisch.“ Lucke strahlt: „Da! Nehm’ ich!“ Bekommen soll’s eine gute Freundin. „Die musste mit 18 fliehen, sie hat die alte Heimat nie wiedergesehen.“

Alles muss weg

Einen Reiseführer durch das Land an der Oder nimmt Lucke auch mit, dazu einen Ostpreußen-Roman: „Die Mücke am Bernstein“. Die Mutter stammt aus Ostpreußen, aus Rastenburg, erzählt Lucke. Sie hat schließlich vier, fünf Bücher auf dem Tisch liegen. Fragend schaut sie Jürgen und Veronika Schultz an: Für zehn Euro wechselt alles den Besitzer.

„Alles muss weg, wir verkaufen alles. Die Stadt will hier in der Kaserne abreißen und renovieren. Aus diesem Block sollen Sozialwohnungen werden, und auch wir müssen raus. Alle Vereine im Block sollen unters Dach, aber da ist es doch viel, viel zu eng“, erzählt das Ehepaar Schultz: „Wie kann man so planen?“ Ortstermin in der Bücherei der Heimatvertriebenen im Block drei der Adam-Kaserne.

Erinnerungs- und Begegnungsstätte

„Erinnerungs- und Begegnungsstätte“, so haben sie die ganze Etage genannt, sich einen Seminarraum eingerichtet, eine Bücherei, Ausstellungsräume mit viel Bildmaterial, mit Zeitungen, Schriften, Landkarten, Wappentafeln. Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland: Die Älteren trauern noch heute um das verlorene Land. Die Jüngeren wissen kaum noch, was ein Korridor ist.

Muss man das wissen? „Oh ja! Und wir leisten da wichtige Erinnerungsarbeit“, findet Jürgen Schultz. Er ist auch Kreisvorsitzender der Vertriebenen. Seine Frau Viktoria meint: „Alle Vereine hier im Block unters Dach zu verfrachten, also uns Vertriebene, die Russlanddeutschen, die Geschichtswerkstatt für die französische Kapelle und das belgische Militärmuseum, das ist Blödsinn. Es ist viel zu eng, und dann die ganzen Schrägen! Wo sollen wir hin mit dem Vortragsraum? Nie und nimmer passt das.“

Respekt fürs Ehrenamt

Ihr Mann glaubt: „Die Stadt sollte helfen, dass wir neue Räume finden, sie könnte auch Geld zur Miete dazulegen. In anderen Städten klappt sowas. Ich nenne das Respekt fürs Ehrenamt.“ Im Moment ist die Hoffnung gering, aber die Betroffenen wollen nicht aufgeben und setzen darauf, dass die Stadtväter doch noch einlenken und eine gute Lösung finden.

Bis das geregelt ist, wird schon einmal sortiert und aufgeräumt: „Ein oder zwei solcher Verkaufstage werden wir noch organisieren“, gibt Jürgen Schultz mit auf den Weg: „Alles für kleines Geld, Hauptsache ist, die Dinge bleiben erhalten...“

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