Plattdeutsch

Wissenschaft und Dönekes: Auf den Spuren einer Heimat-Kultur

Heimatkultur im Haus Kupferhammer: Dr. Karina Lammert (Vierte von links) erforscht Plattdeutsch. Zusammen mit Heinz Raulf (Zweiter von links) und Anne Brüggemann (Dritte von links) lässt sie den Dialekt aufleben und unterhalten damit nicht nur Ortsvorsteher Dietmar Lange (links) und den Hausherren Bernhard Enste (rechts).

Heimatkultur im Haus Kupferhammer: Dr. Karina Lammert (Vierte von links) erforscht Plattdeutsch. Zusammen mit Heinz Raulf (Zweiter von links) und Anne Brüggemann (Dritte von links) lässt sie den Dialekt aufleben und unterhalten damit nicht nur Ortsvorsteher Dietmar Lange (links) und den Hausherren Bernhard Enste (rechts).

Foto: Fabiana Regino

Warstein.   Karina Lammert wurde für ihre Doktorarbeit über Platt ausgezeichnet. Nun präsentierte sie ihr Wissen in Warstein. Zeit für Dönekes gab es auch.

Es war eher ein Zufall, aber deswegen nicht weniger passend, dass der Plattdeutsche Abend im Haus Kupferhammer auf den internationalen Tag der Muttersprache fiel, wie Ortsvorsteher Dietmar Lange in seiner Begrüßung feststellte. Mit einigen einleitenden Worten aus seinem persönlichen Plattdeutsch-Vokabular gab er das Wort an die Hauptakteurin des Abends weiter.

„Schön, dass so viele erschienen sind. Ich bin echt platt“, begann Dr. Karina Lammert ihren sprachwissenschaftlichen Vortrag über die Plattdeutsche Sprache.

Wie bereits berichtet, befasste sich die Hirschbergerin im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit dem Dialekt, der immer mehr vom Aussterben bedroht ist. Die gesammelten Erkenntnisse, für die sie mit dem LWL-Kulturpreis 2017 ausgezeichnet wurde, präsentierte die 33-jährige Sprachwissenschaftlerin nun vor 80 Plattdeutsch-Freunden im Warsteiner Museum.

Platt ist nicht gleich Platt

Was innerhalb des Stadtgebiets Warsteins bereits deutlich wird: Platt ist nicht gleich Platt. „Es handelt sich um einen Dialekt, der je nach geographischer Zugehörigkeit, große sprachliche Unterschiede aufweist“, erklärte Lammert mit Hilfe einer Karte.

Allein das westfälische Plattdeutsch gäbe es in unzähligen Ausprägungen. „Im Grunde teilt man das westfälische Plattdeutsch aber in vier grobe Gebiete auf“, so die Sprachwissenschaftlerin.

Ein Dialekt voller Variationen

Dazu gehöre das münsterländische, das west-münsterländische, das ostwestfälische und das südwestfälische Gebiet. Aber selbst in einer übersichtlichen Stadt wie Warstein, ist Platt nicht gleich Platt. Das Beispiel der Schreibweise für die Wäster, die zwei Kilometer weiter Wester heißt, ist nur eines von vielen, die die Variationsfreudigkeit an diesem Abend verdeutlicht.

Auch die typischen Merkmale des westfälischen Platts zeigen das theoretische Konstrukt des Dialektes auf, das von vielen der Anwesenden zwar bereits gebraucht, aber nicht von allen bewusst wahrgenommen wurde.

Dialekt im Alltag

Dazu gehört die Anwendung von Doppelvokalen, wie in „eaten“ (essen), „koaken“ (kochen) oder“wieten“ (wissen). Ein weiteres Merkmal ist die Ersetzung des „sch“-Lautes im Wortinnern durch „sk“, wie bei der „Tasche“, die zu „Taske“ wird oder „tauschen“, was auf Platt „tiusken“ lautet.

Im alltäglichen Sprachgebrauch konnte Karina Lammert bei ihrer Untersuchung feststellen, dass oft zwischen Hoch- und Plattdeutsch gewechselt wird. Mit welcher Funktion?

Inszenierung und Adressierung

Laut den Ergebnissen Lammerts kommt der Sprachwechsel oft zum Zuge, um die Verständlichkeit zu erhöhen. So wechseln Sprecher oft in Platt, um Äußerungen einen authentischen Charakter zu verleihen. Aber auch die Inszenierung, zum Beispiel innerhalb eines Dialoges, wird dadurch ermöglicht. Es kann aber auch der Adressierung dienen, so dass sich direkt der gemeinte Ansprechpartner angesprochen fühlt.

„Für viele Leute ist Platt ein Symbol für Nähe und Vertrautheit. Oft können damit scharfe Äußerungen abgemildert werden“, erläuterte Lammert die Bedeutungen der Sprache. Die Anwendung von Plattdeutsch könne auch schlicht auf die Vergangenheit verweisen.

Im Prinzip sei eine zweite Sprache grundsätzlich, ob nun Plattdeutsch oder einer andere Sprache, als Ressource zu betrachten, die in einem Gespräch zu bestimmten Effekten führen kann.

Dönekes zum Abschluss

Zum Abschluss des Abends im Zeichen der Heimatkultur hatten Heinz Raulf, Sprecher der Plattdeutsch Freunde Warstein und Anne Brüggemann diverse Dönekes und Kurzgeschichten für das Publikum mitgebracht.

Heinz Raulf trug selbstverfasste Werke wie „Wat ies Glücke“ und „Dat Enne oiner Frönskopp“ vor und konzentrierte sich damit auf eher ernste und zum Nachdenken anregende Gedichte.

Anne Brüggemann, selbst eher neu im Bereich des Plattdeutschen, sorgte mit „Opa aohne Haare un Tiäne“ oder „Dai Drillinge“ für viel Gelächter bei den Zuhörern.

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