Prozess

Witwenmord: Navigationsdaten führen zum Tatort

Der Angeklagte Siegfried T. (links) spricht mit seinem Verteidiger Jan-Hendrik Heinz.

Foto: Fabian Strauch

Der Angeklagte Siegfried T. (links) spricht mit seinem Verteidiger Jan-Hendrik Heinz. Foto: Fabian Strauch

Dortmund.   Im Mordprozess vor dem Landgericht konnten Gutachter Fahrtwege eines angeklagten Warsteiners rekonstruieren. Der Verdacht gegen den Gärtner erhärtet sich.

Im Prozess gegen einen 72-jährigen Gärtner aus Warstein, der im April 2016 eine 89-jährige Seniorin aus Dortmund mit mehreren Messerstichen ermordet haben soll, verdichten sich die Indizien immer weiter. Bei der Fortsetzung des Prozesses vor dem Landgericht in Dortmund am gestrigen Mittwoch wurde nun eine Auswertung von Daten aus einem beim Angeklagten gefundenen Navigationsgerät präsentiert, die den Beschuldigten schwer belastet.

Das Schwurgericht hatte extra einen Sachverständigen von einem Würzburger Navigationsgeräteherstellers vorladen lassen, der den Satellitenempfänger im Vorfeld mit einer speziellen Software geprüft hatte. Eine erste Auswertung durch Experten des Bundeskriminalamtes war zuvor erfolglos geblieben.

Daten aus dem Speicher

Die erneute Untersuchung förderte nun aber Verwertbares zutage: So war der Beschuldigte laut den im Navi-Gerät gespeicherten Daten am Tag des Mordes offenbar in der Nähe des Tatortes. Exakt um 18.09 Uhr, so konnten die Experten rekonstruieren, sei mit dem Gerät zunächst eine Zielführung am Autobahnrastplatz Soester Börde Nord in Fahrtrichtung Dortmund gestartet worden. Um 18.41 Uhr hätte das Gerät dann den Tatort an der Dortmunder Sölderstraße passiert, bevor die Navigation auf einem etwa drei Kilometer entfernten Parkplatz in Schwerte beendet worden sei. Die im Gerät angegebenen Zeiten decken sich damit mit der von der Rechtsmedizin zuvor ermittelten Tatzeit: Demnach sei die Seniorin zwischen 19 und 20 Uhr getötet worden.

Manipulation ist ausgeschlossen

Für den Angeklagten wird es nun immer schwieriger, das Gericht von seiner Version der Geschehnisse zu überzeugen. Bei seiner Verhaftung hatte der Warsteiner behauptet, zur Tatzeit in einer Spielhalle gewesen zu sein. Eine DNA-Analyse hatte allerdings Zweifel an dieser Version geweckt.

Mit dem neuen Gutachten erscheint die damalige Aussage des Angeklagten nun aber als kaum noch haltbar. Eine Manipulation oder ein falsch eingestelltes Datum im Navigationsgerät konnte der Experte auf Nachfrage des Verteidigers ausschließen. Trotz der neuen Indizien wollte sich der Beschuldigte, der seit Prozessbeginn schweigt, nicht zu den Vorwürfen äußern.

„Ich werde aufgrund der veränderten Lage nun am Freitag das Gespräch mit meinem Mandaten suchen“, erklärte Verteidiger Jan-Hendrik Heinz. Möglicherweise sei sein Mandant dann zu einer Einlassung bereit - oder könne zumindest noch neue Zeugen benennen, die die neue Beweislage erklären könnten. Der Prozess vor dem Dortmunder Landgericht soll am 24. Oktober fortgesetzt werden.

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