Historisches Ruhrgebiet

Die „Mariannenbahn“ führte aus Bochum zur Ruhr in Essen

Christian Schlich, Vorsitzender des Heimatgeschichtskreises Eiberg, enthüllt die Gedenktafel, die an die Lokomotivspur (Pferdeschleppbahn) erinnert.

Christian Schlich, Vorsitzender des Heimatgeschichtskreises Eiberg, enthüllt die Gedenktafel, die an die Lokomotivspur (Pferdeschleppbahn) erinnert.

Foto: Carsten Klein / FFS

Wattenscheid-Höntrop.  Bis Essen führte eine der ersten Pferdeschleppbahnen der Kohle des Ruhrgebiets. Geschichtskreis erinnert daran in Höntrop mit einer Infotafel.

Über sechs Kilometer war sie lang und eine der ersten ihrer Art im Ruhrgebiet. Von 1854 bis 1861 wurde auf der „Mariannenbahn”, eine Pferdeschleppbahn mit Lokomotivspur, schwarzes Grubengold befördert. An den ehemaligen Verlauf von der Höntroper Zeche „Vereinigte Maria Anna und Steinbank“ über Eiberg und Essen-Horst bis zu den Kohlenniederlagen an der Ruhr erinnert nun eine Denkmaltafel, die der Heimatgeschichtskreis Eiberg zunächst er- und nun aufgestellt hat. Rund 30 Personen – Historiker, interessierte Bürger und Vertreter der lokalen Politik – kamen zur feierlichen Einweihung am Stalleickenweg 150.

Dokument des Bergbaus

„Die Tafel zeigt den rekonstruierten Verlauf der Strecke”, informiert Christian Schlich, erster Vorsitzender des Geschichtskreises. Die ehemalige Pferdeschleppbahn sei ein Dokument des Bergbaus und des Ruhrgebiets. Errichtet wurde sie mit Stahlschienen in normaler Spurbreite – ein Maß, das auch heutzutage von der Deutschen Bahn genutzt werde.

Damals eine Entscheidung zugunsten der Kosten, um zu späteren Zeiten gegebenenfalls noch von Pferde- auf Lokomotivbetrieb umstellen zu können. „Der Wechsel auf Dampf war zwar geplant, kam aber nicht mehr zustande”, so Schlich. Vor der Inbetriebnahme der oberirdischen Schleppbahn wurde ein unterirdischer Schienenweg im Horster Erbstollen genutzt, der bis zum heutigen Höntroper Südpark vorgetrieben war. Aufgrund der Enge konnten auf dieser 3,8 km lange Stollenstrecke nur Esel als Zugtiere eingesetzt werden.

Schachtanlage abgesoffen

Gekennzeichnet war der Bahnbetrieb der neuen Strecke auch von Unfällen. Insbesondere im Bereich der Talabfahrt zur Ruhr kam es in Horst mehrfach zu schweren Unfällen, so dass 1855 ein eigenes Polizei-Reglement für den sicheren Betrieb erlassen und 1859 ein Bahnmeister eingestellt wurde. Das Ende der „Mariannenbahn“ ging mit der Insolvenz der Gewerkschaft „Ver. Maria Anna u. Steinbank“ 1861 einher, die Schachtanlagen soffen vier Jahre später ab.

Mit der neuen, mittlerweile zehnten Denkmaltafel setzt der Heimatgeschichtskreis Eiberg seine Reihe fort und kann ein kleines Jubiläum feiern. Schlich: „Einige markante Punkte und Höfe sind bereits beschildert. Mit der Unterstützung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW möchten und werden wir auch weitere aufstellen.”

Hof vor 800 Jahren erstmals erwähnt

Die nächste Denkmaltafel enthüllen die Historiker des Geschichtskreises bereits am 14. Dezember (Samstag). Dann wird eine Tafel am heutigen Hof Grümer, ehemals Drenhaus, eingeweiht. Die öffentliche Veranstaltung findet um 15 Uhr am Schultenweg 1 statt. Erstmalig erwähnt wurde der Hof bereits im Jahr 1220.

Ländlich geblieben

Eiberg sei sehr ländlich geblieben, lade zu Spaziergängen ein, und bietet somit Potenziale, über die ereignisreiche Historie rund um Bergbau und der Eisenbahn zu informieren. Dabei meistern die Mitglieder des Vereins einen geschichtsträchtigen Spagat, erläutert Vorsitzender Schlich: „Unser Verein agiert in zwei Stadtteilen.

1926 wurde die Gemeinde Eiberg aufgeteilt. Zwei Bereiche gingen zunächst nach Wattenscheid und Bochum-Dahlhausen, wurden später dann in Bochum vereint.“ Der dritte Ortsteil ging nach „Steele und damit nach Essen.“ „Wir forschen somit in der alten Historie der ehemaligen Gemeindegrenzen”, fasst Schlich zusammen. Der namensgebende Eiberg selbst erstreckt sich nördlich der Dahlhauser Ruhrauen.

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